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Jagd

Waldumbau: Wege zu resilienten Mischwäldern im Angesicht der Jagd

Der Waldumbau ist ein zentrales Thema in der Forstwirtschaft, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Redaktion Wild beim Wild — 7. Juli 2025

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der anhaltenden Bedrohungen durch Schädlinge und Krankheiten ist die Schaffung von robusteren und nachhaltigeren Waldökosystemen unerlässlich.

Doch was genau versteht man unter Waldumbau und welche Herausforderungen müssen dabei bewältigt werden?

Vielen ist nicht ganz klar, wohin dieser ‚Waldumbau‘ genau gehen soll. Es heisst immer zu gesunden Mischwäldern. Nur werden die Erträge der Forste in den höheren Lagen meist mit den Baumarten Fichte und Kiefer gemacht.

Im Angesicht grösster vernichteter Naturflächen, hat ein Anteil der Forstverantwortlichen erkannt, dass die menschengeschaffenen Monokulturen der Grund für die gänzlich kaputten weiten ‚Wälder‘ sind, damit einhergehend auch für das noch nie dagewesene grösste Artensterben und den Klimawandel mitverantwortlich sind.

In vielen Regionen werden jedoch immer noch grosse Flächen von Monokulturen, insbesondere aus Fichte und Kiefer, bewirtschaftet. Diese Baumarten sind zwar stark in ihren Erträgen und einzig auf maschinelle Fällung optimiert, jedoch anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Daher ist ein Umdenken erforderlich, um die Diversität im Wald zu erhöhen.

Der Hauptzweck des Waldumbaus besteht darin, gesunde Mischwälder zu fördern, die widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen sind. Mischwälder bieten zahlreiche Vorteile, darunter eine höhere Biodiversität, bessere Anpassungsfähigkeit an klimatische Veränderungen und eine nachhaltigere Nutzung der Ressourcen.

Die Arven spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem der Alpen. Sie bietet Lebensraum für zahlreiche Tierarten, darunter Vögel, Insekten und Säugetiere. Ausserdem trägt ihr dichtes Wurzelwerk zur Stabilisierung des Bodens bei und reduziert das Risiko von Erosion in den Gebirgen.

Als sich die Rotbuche nach der letzten Eiszeit, vor etwa 6’000 Jahren, wieder erfolgreich in Mitteleuropa durchsetzte, waren weite Teile seit Jahrtausenden bereits flächendeckend durch Rothirsch und Reh, aber auch mit weiteren Pflanzenfressern wie Wisent, Wildpferd und Elch besetzt. Dass diese grossen Pflanzenfresser und wahren Landschaftsgärtner von vielen Förstern heute als Konkurrenten der Waldentwicklung angesehen werden, kann also nicht an unseren heimischen Pflanzenfressern liegen.

Herausforderungen beim Waldumbau

Der Übergang zu Mischwäldern ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden:

  1. Langsame Wachstumszeiten: Bäume wie Buche und Eiche haben lange Umtriebszeiten, was bedeutet, dass es Jahre dauern kann, bis sie eine nennenswerte Grösse erreichen. Während dieser Zeit müssen bestehende Baumarten möglicherweise schon entfernt werden, was zu einem Mangel an Ertrag führen kann. Bis da der Wald umgebaut ist, gibt es längst schon wieder andere Waldschlagworte.
  2. Ökonomische Aspekte: Die Bereitschaft der Forstwirtschaft, auf alternative Baumarten umzusteigen, hängt oft von den aktuellen Marktpreisen ab. Mischwälder bringen ggf. kurzfristig geringere Erträge, langfristig könnten sie jedoch nachhaltigere Einkünfte sichern.
  3. Wildtiere und Ökologie: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Zusammenleben von Wald und Wild. Es ist entscheidend, ein Gleichgewicht zu finden; nicht jeder durch Wild verursachte Schaden ist automatisch als negativ zu bewerten. Wildtiere können ebenfalls zur Erhaltung der Biodiversität beitragen. Wildtiere sind nicht der Feind des Waldes.

Im Wald sind häufig sinnfrei Hobby-Jäger unterwegs, die versuchen, die Natur zurecht zu schiessen, sodass sich Rehe und Hirsche verstecken. Hobby-Jäger stören die Populationsdynamik. Wo Rehe und Hirsche aufgrund starker Bejagung sehr scheu sind, meiden sie deckungsarme Flächen, auch wenn sie gute Nahrung bieten. Sie bleiben dann im Wald, wo es ausser jungen Bäumen wenig zu fressen gibt. Weil Wildtiere also wegen des Jagddrucks oft nichts anderes zu fressen finden, knabbern sie im Wald Bäume an. Dabei können sie einen nicht unwesentlichen Teil der Jungbäume zerstören, die aber zum Umbau des Waldes wichtig sind.

Ein anhaltend hoher Jagddruck hat den Bestand von Reh und Hirsch nicht auf gewünschte Höhe reguliert, sondern auf hohem Niveau hochproduktiv gehalten. Erst mit der Ankunft des Wolfes und anderen Beutegreifern konnten die Bestände in bestimmten Gebieten verringert werden.

Der Mensch ist das Problem. Eine Lösung wäre, das Verhalten der Wildtiere zu ändern und Beutegreifer wie Wolf und Luchs zu akzeptieren. Dazu müsse man aber umdenken und weniger jagen. Parallel bräuchten die Rehe und Hirsche alternative Nahrungsquellen und geschützte Räume. Rehe und Hirsche ernähren sich auch gerne auf Lichtungen im Wald. Fühlen sie sich dort ungestört, kommen sie womöglich gar nicht – oder weitaus seltener – auf die Idee, an Bäumen zu fressen. Wildtierbiologen fordern deshalb seit Jahren, die Jagd zu reduzieren und Wildruhezonen einzurichten.

Der Dreiklang Pflanzen, Pflanzenfresser und Prädatoren ist Natur, funktioniert selbstverständlich schon seit Jahrmillionen, aber wir leben ja jetzt in einer ‚Kulturlandschaft‘, wie es von den Forst- und militanten Jagdlobbyisten dargestellt wird.

Die Prädatoren wiederum sind die Konkurrenten der jagdlichen Seite und so ist es nicht wirklich verwunderlich, dass nun tatsächlich auch der Wolf verantwortlich gemacht wird für die aktuell kleineren Jagdstrecken einiger Regionen, in denen aber zuvor die Schiesspläne mehr Pflanzenfresser für den Waldumbau zu liquidieren vorgaben.

Aber warum eigentlich beklagt ein Naturschützer, wie mancher Hobby-Jäger sich gerne nennt, dass die Jagdstrecken kleiner werden?

Waldumbau ist ein notwendiger und langfristiger Prozess, der sowohl ökonomische als auch ökologische Perspektiven berücksichtigen muss. Es benötigt ein Umdenken in der Hobby-Jäger und Forstwirtschaft, um Mischwälder erfolgreich zu etablieren und den Wald als lebenswichtigen Teil unseres Ökosystems zu erhalten. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Waldumbau liegt in einer neuen integrativen Strategie, die sowohl die Bedürfnisse der Natur als auch die der Wildtiere berücksichtigt.

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