2. April 2026, 11:18

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Jagd

Treibjagd in Kärnten: 16-Jähriger angeschossen

Bei einer Treibjagd im Bezirk Klagenfurt-Land in Österreich wurde am Samstag, dem 18. Oktober 2025, ein 16-jähriger Treiber schwer am Oberkörper verletzt.

Redaktion Wild beim Wild — 20. Oktober 2025

Abprallende Schrotkugeln aus rund 40 Metern Entfernung trafen den Jugendlichen, der per Rettungshubschrauber ins Klinikum Klagenfurt gebracht werden musste, schreibt die kleinezeitung.at.

Der 23-jährige Hobby-Jäger, der den Schuss abgab, erhielt ein vorläufiges Waffenverbot, die Jagdwaffen wurden sichergestellt. Doch der Vorfall wirft erneut die Frage auf: Wie sicher sind Treibjagden wirklich – und warum werden Kinder als Treiber eingesetzt?

Wildtierschützer kritisieren seit Jahren die Risiken dieser Jagdform. Abprallende Kugeln, unübersichtliches Gelände und unerfahrene Treiber führen regelmässig zu Verletzungen – bei Menschen und Tieren gleichermassen. Sicherheitsvorschriften allein reichen offenbar nicht aus. Alle 29 Stunden passiert in der Schweiz ein Unfall wegen der Hobby-Jägerei.

Während die Jagdverbände die Praxis als «Bestandsregulierung» verteidigen, fordert die Gesellschaft mehr Schutz für Kinder und ein Umdenken in der Jagdpraxis. Denn kein Gewinn, kein Wildtier, kein Jagderfolg kann das Risiko für ein menschliches Leben rechtfertigen.

Der Kärntner Treibjagd-Unfall ist ein weiterer Weckruf: Treibjagden sind gefährlich, und die Sicherheit von Jugendlichen muss Vorrang haben. Solange Kinder als Treiber eingesetzt werden, bleibt das Risiko real und unverantwortlich hoch.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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