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Jagd

Wien: Petition fordert Abschaffung der Fuchsjagd

Tierschutz Austria unterstützt eine Petition zur Abschaffung der Fuchsjagd in Wien. Studien belegen: Fuchsjagd reguliert nicht.

Redaktion Wild beim Wild — 13. Januar 2022

Tierschutz Austria unterstützt die Initiative des Naturfotografen Leopold Kanzler. Behandlung im Wiener Petitionsausschuss am 17. Jänner 2022.

Die Hobby-Jagd auf Füchse bringt sinnloses Tierleid. Der mehrfach ausgezeichnete Floridsdorfer Naturfotograf Leopold Kanzler möchte diesem Leid ein Ende setzen und startete eine Petition zur Abschaffung der Hobby-Jagd auf Füchse in Wien. Tierschutz Austria unterstützt nun die Initiative. Am 17. Jänner 2022 wird das Thema im Wiener Petitionsausschuss behandelt.

Der Abschuss einer Fuchsfamilie in Wien Strebersdorf im Sommer 2021 sorgte für Empörung in der Bevölkerung: «Geboren am 15. März 2021 am Marchfeldkanal in Wien. Gemeinsam mit seiner Mutter gestorben am 22. Juni 2021, grundlos abgeschossen von einem Hobby-Jäger auf Wiener Stadtgebiet», schrieb Leopold Kanzler.

Die dafür erforderlichen 500 Unterschriften konnten nicht zuletzt mit Unterstützung von Tierschutz Austria rasch gesammelt und weit überschritten werden.

Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten

Die Hobby-Jagd auf den Fuchs ist ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten und wird in manchen Wiener Gemeindejagdgebieten durch die Hobby-Jägerschaft zur vermeintlichen «Optimierung der Niederwildstrecken» nach wie vor praktiziert. Jährlich werden in Wien zwischen 150 und 200 Füchse erlegt oder in Fallen gefangen und danach getötet.

In vielen Teilen der Bundeshauptstadt ruht die Hobby-Jagd jedoch: Prater, Donauinsel, Zentralfriedhof, Lobau, Lainzer Tiergarten, Augarten, Schönbrunn und alle anderen grossen Parks sind ein Beispiel, dass eine Bestandsregulierung der Füchse nicht erforderlich ist. Dort leben Füchse frei von jeglichem jagdlichen Nachstellen und es gibt weder eine Überpopulation noch sind Tierseuchen ausgebrochen.

Der Fuchs als Gesundheitspolizist im Ökosystem

Der Fuchs hat im Ökosystem die unentbehrliche Rolle des «Gesundheitspolizisten», indem er schwache und kranke Tiere beseitigt und damit eine wichtige Rolle in der natürlichen Auslese spielt. Darüber hinaus ernährt er sich überwiegend von Mäusen und Ratten und verhindert dadurch eine Überpopulation dieser Nagetiere.

Tollwut seit 2008 in Österreich ausgerottet

Die Bedeutung des Fuchses als Überträger von Tierkrankheiten wird überschätzt. Die Tollwut gilt in Österreich laut WHO seit 2008 als ausgerottet. Die Mär, dass Infektionen mit dem Fuchsbandwurm zumeist durch mit Fuchskot verunreinigte Waldbeeren geschieht, hält sich bis heute hartnäckig, obgleich dies in keinem einzigen Fall nachgewiesen werden konnte. Am Fuchsbandwurm erkranken in ganz Europa jährlich rund 200 Personen. Das Risiko, sich zu infizieren, entspricht statistisch etwa der Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden.

Fuchsjagd in anderen Ländern verboten

In Kantonen der Schweiz sowie in ganz Luxemburg ist die Hobby-Jagd auf Füchse komplett verboten. Seitdem ist weder die Fuchspopulation gewachsen, noch haben Wildtierkrankheiten zugenommen. Gleichzeitig hat sich zwischen 2014 und 2020 der Prozentsatz der mit Fuchsbandwurm befallenen Tiere halbiert.

Auch das Argument, die Hobby-Jagd auf Füchse helfe bedrohten Tierarten, stimmt nicht, wie Studien zeigen. Es gebe keine wissenschaftlichen Beweise dafür, so Umweltministerin Carole Dieschbourg aus Luxemburg, dass das Fuchsjagdverbot für den Rückgang gewisser Vogelarten verantwortlich sei.

Im Schweizer Kanton Genf hat die Artenvielfalt sogar zugenommen, besonders bei den Wasservögeln. Auch im Nationalpark Bayerischer Wald werden Füchse seit Jahrzehnten nicht gejagt. Die Folge: Sie haben dort weniger Nachwuchs als in angrenzenden Landkreisen.

«Die Hobby-Jagd auf Füchse bringt nur sinnloses Tierleid und ist aus ethischen Gründen abzulehnen», konstatiert Tierschutz Austria Präsidentin Madeleine Petrovic und bekräftigt ihre Solidarität mit der Petition.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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