Hobby-Jäger in Graubünden haben versagt
Das Bündner Jagdsystem funktioniert in der Form seit Jahrzehnten nicht zufriedenstellend, sonst hätten die Hirschbestände kaum um 5’000 – auf 16’500 Hirsche – zugenommen. Förster verursachen zum Beispiel weitaus mehr Schäden im Wald als Wildtiere – die immer als Sündenbock dienen. In vielen Jägerkreisen werden zudem die Beutegreifer Wolf, Fuchs und Luchs verunglimpft und gewildert, obwohl sie nachweislich die Probleme nachhaltig und professionell angehen.
Regenwetter und Nebel oder hohe Temperaturen sollen den Bündner Hobby-Jägern auf der diesjährigen Hochjagd einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.
Die Wildtierkiller müssen im November und Dezember auf die tierquälerische Sonderjagd, um das Soll zu erreichen. Bei dem Gemetzel soll der Abschussplan vor allem bei den Hirschen erfüllt werden.
Hobby-Jäger Dr. Adrian Arquint, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei Graubünden und Organisator der unrühmlichsten Jagdveranstaltung der Schweiz, meint notorisch: «Ohne die Jagd im November und Dezember wäre eine Regulation der Hirsch- und auch der Rehwildbestände undenkbar». Was natürlich auf Jägerlatein, Scharlatanerie und Kaffeesatzlesen basiert oder unredlicher Manipulation, damit es genau so bleibt oder schlimmer wird.
Bestände werden seit Jahrzehnten mit der Gewaltkultur in Graubünden nicht wirklich reguliert, sondern dezimiert, und die Geburtenrate stimuliert. Jagd bedeutet nicht weniger Wild, sondern mehr Geburten. Folge der jetzigen Methoden ist, dass unter anderem Rehe und Hirsche noch scheuer werden und ihre tageszeitlichen Aktivitäten vollends in die Nacht verlegen. Dies führt unter anderem zu vielen Verkehrsunfällen.
Sonderjagd ist, wie der Name schon sagt, eine Nachbesserung. Wird eine Nachbesserung zum Regelfall, dann stimmt etwas nicht mit der Wissenschaft, Wildbiologie, Planung sowie Ausführung, und dies ist in Graubünden seit 30 Jahren der Fall.
Gäbe es genügend Beutegreifer wie zum Beispiel Füchse, hätte man nicht dermassen hohe herangezüchtete Rehwildbestände, die man dann, um es mit der abscheulichen Sprache der Wildtierkiller auszudrücken, «ernten» muss.
Untersuchungen in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeitpunkten haben den Einfluss des Rotfuchses nicht nur auf die Rehpopulation belegt: Für das Berner Mittelland wird geschätzt, dass ein Fuchs in den Monaten von Mai bis Juli durchschnittlich elf Kitze erbeuten kann. Damit würde auch der Wildverbiss reduziert.
Es werden aber pro Jagdsaison immer noch Tausende gesunde Füchse ohne jegliche Abschussplanung einfach zum Spass von Bündner Hobby-Jägern gemeuchelt, obwohl es mehr als ein Dutzend Studien gibt, die diesen Widersinn belegen. Wer mit dem eigenen Dasein nicht zufrieden ist, der geht auf die Jagd.

Demnach ist jede Fuchsjagd ein klarer Verstoss gegen das Tierschutzgesetz, weil es am vernünftigen Grund mangelt. Es gibt seit mehr als 30 Jahren mindestens 18 wildbiologische Studien, die beweisen: Fuchsjagd reguliert nicht und taugt auch zur Seuchenbekämpfung nichts. Im Gegenteil!
Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass selbst bei einem Abschuss von drei Vierteln eines Bestands im nächsten Jahr wieder die gleiche Zahl an Tieren da ist. Je stärker Füchse bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete «Regulation» von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jägerischen Mitteln überhaupt möglich.
Die Sonderjagd-Gegner haben eine ganz andere Vorstellung einer Regulierung der Bestände, als das militante Hobby-Jäger-Milieu, welches einer abscheulichen Gewaltkultur frönt.
Der Kanton Graubünden versteht die Hobby-Jagd als Einnahmequelle. Die Hobby-Jäger behaupten darum, die Tiere gehörten ihnen. Das ist falsch: Es gibt keine rechtlichen Besitzansprüche, Wildtiere gehören grundsätzlich der gesamten Bevölkerung. Der Slogan «Ohne Jäger kein Wild» zeigt nur, wie tief der Wissensstand der Jäger ist. Laut Studien und Aussagen von Wildbiologen ist die Jagd unnötig und kontraproduktiv. Der hohe Jagddruck zerstört Familienverbände und Sozialstrukturen und führt dazu, dass sich die Tiere unkontrolliert und losgelöst von ihrem natürlichen Fortpflanzungsrhythmus vermehren. Die intensive Bejagung senkt die Lebenserwartung der Wildtiere drastisch. Dies hat eine frühere Geschlechtsreife zur Folge, was die Geburtenrate ansteigen lässt. Das wiederum verschlechtert den Genpool der Tiere. Selbst Jagd Schweiz, der Dachverband der Jäger, schrieb im August 2011, dass «sich Wildtierbestände grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selbst regulieren würden».
Marion Theus – Wildtierschutz Schweiz
Es gibt einige jagdfreie Gebiete in Europa, die diese These stützen. Im Kanton Genf wurde das generelle Jagdverbot 1974 von den Stimmbürgern gutgeheissen. Trotz Unkenrufen belaufen sich die Kosten für die Wildhut dort nun auf umgerechnet eine Tasse Kaffee pro Steuerzahler und Jahr – ein bescheidener Obolus für den Tierschutz.
Der Jungwölfe-Killer Dr. Adrian Arquint

Dr. Adrian Arquint manövriert sich immer mehr ins Abseits. So liess er am ersten Wochenende im Oktober brutal in das Beverinrudel im Kanton Graubünden hineinschiessen, um 2 von 4 Jungwölfen zu liquidieren, weil sich diesen Sommer mindestens 15 Risse aus Ziegenherden, die angeblich durch einwandfrei installierte Litzenzäune geschützt waren, ereigneten. Damit wurde ein Grenzwert überschritten. Die DNA-Proben haben das männliche Elterntier M92 als Verursacher identifiziert. Dieses wird aber verschont.
Am Calanda bei Chur reguliert ein Wolfsrudel den Rotwildbestand ganz alleine. Eine Sonderjagd erübrigt sich hier offenbar zum Leidwesen dieser Hobby-Jäger weitgehend.
Ausser absurden Rechtfertigungsversuchen und Ausreden liefert das Amt für Jagd und Fischerei in Graubünden seit Jahren nicht wirklich das, zu was es bestimmt ist.
2300 weitere Hirsche im Visier
5560 Hirsche hätten nach Vorgabe von dem Wildtierkiller im September auf der dreiwöchigen Hochjagd geschossen werden sollen. Effektiv erlegt wurden 3309 Tiere.
Das bedeutet, dass auf der barbarischen Sonderjagd im November und Dezember rund 2300 weitere Hirsche zur Strecke gebracht werden müssen. Die Sonderjagd findet dieses Jahr vom 2. November bis am 18. Dezember statt. Rund 3400 Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger meldeten sich für dieses Gemetzel bei den Behörden.
Zur Reduktion des Hirsch- und manchmal auch Rehbestandes gelten auf der Sonderjagd gelockerte Bestimmungen. Praktisch alles, was auf der Hochjagd illegal ist, ist auf der Sonderjagd erwünscht. Trächtige, führende Hirschkühe sowie Rehgeissen und ihre Jungen, ganze Sozialstrukturen – wie in einem Blutrausch werden sie ohne Erbarmen, Respekt und Jagdethik, oftmals sogar im tiefen Schnee, zusammengeschossen. Wie Terroristen fallen die Hobby-Jäger in die Wintereinstände der Wildtiere ein. Mit dem Abschuss von tragenden Hirschkühen ersticken die werdenden Jungtiere (Föten) im Mutterleib. Der gesunde Menschenverstand spricht deshalb von moralisch, ethisch und jagdlich verwerflichen Szenen. Die Sonderjagd ist der Beweis, dass Jägerethik eine Fata Morgana ist. Die Bündner Jagd ist schlichtweg kriminell. Nur ist unser Rechtssystem bisher nicht so weit, das im Strafrecht zu berücksichtigen.
Umstritten ist die Sonderjagd auch, weil sie in eine Zeit fällt, in der das Wild sich bereits in der Winterruhe befindet. Kritiker sehen sie zudem als reine Fleischbeschaffungsjagd und willkommene Einnahmequelle für den Kanton.
Eine Sonderjagd ist ebenfalls bei den Rehen vorgesehen, allerdings nur in zwei Regionen. 1’844 Rehe wurden im September geschossen, 80 weniger als im Vorjahr.
Weiterhin wurden knapp 3000 Gämse und 18 Wildschweine erlegt. Insgesamt beteiligten sich an der diesjährigen Hochjagd 244 Jägerinnen und 5392 Jäger.
Man weiss heute, dass es in Graubünden und anderswo in erster Linie wie in einem Reisebüro ums Organisieren von attraktiven Jagden geht, welche vom Amt für Jagd und Fischerei geplant werden. Der Mensch wird vom Amt mehr und mehr zum bestialischen Raubtier degradiert und die Wildtiere zu Nutz- und Zuchttieren. Die Anzahl der Verstösse gegen die Jagdgesetzgebung und die zahlreichen Anzeigen an die Kreisämter sprechen eine deutliche Sprache. Es werden Pilotversuche, wie in einem grossen Tierversuchslabor, gestartet, Wildschutzgebiete und Wintereinstandsgebiete massiv gestört, Jagdregeln ausser Kraft gesetzt, usw. Das Jagdfieber hat die gesunden Grenzwerte längst überschritten. Wilde Horden schiesswütiger Hobby-Jäger, die die Berge stürmen, für eine Trophäe oder Fleisch, laut der WHO amtlich in der gleichen Kategorie wie die krebserregenden Stoffe Plutonium, Asbest oder Arsen sein können.
Laut dem Amt für Jagd und Fischerei im Kanton Graubünden gibt es jedes Jahr über 1’000 Anzeigen und/oder Bussen gegen Hobby-Jäger!
2023 – ff : Publikationen
2020: 1241 Anzeigen und Bussen
2019: 1104 Anzeigen und Bussen
2018: 1114 Anzeigen und Bussen
2017: 1384 Anzeigen und Bussen
2016: 1201 Anzeigen und Bussen
2015: 1298 Anzeigen und Bussen
2014: 1102 Anzeigen und Bussen
2013: 1122 Anzeigen und Bussen
2012: 1089 Anzeigen und Bussen
Offenbar sind diese Hobby-Jäger weder gut ausgebildet, noch haben sie eine gesunde moralische Hygiene.
Bekanntlich sind die miserabelsten Schützen im Kanton Graubünden die Hobby-Jäger. Bündner Hobby-Jäger haben in den fünf Jahren von 2012 bis 2016 insgesamt 56’403 Hirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine erlegt. In 3836 Fällen wurden diese Tiere aber lediglich angeschossen. Fehlschüsse mit Verletzungsfolge für das Tier sind in Graubünden bei der Jagd auf Hirsche am häufigsten. Das zeigt die Statistik für 2016: Auf 5440 erlegte Hirsche kamen 564 Hirsche mit einer Schussverletzung. Jeder zehnte Hirsch wird in Graubünden nur angeschossen statt erlegt. Anhand von Pirschzeichen wie Blut oder Knochensplittern hatten Hundeführer bei der Nachjagd festgestellt, dass diese Tiere angeschossen worden waren. In 344 Fällen konnte der verletzte Hirsch in der Folge mithilfe eines Hundes noch zur Strecke gebracht werden. Die restlichen 220 Nachsuchen verliefen erfolglos.
Im aktuellen Jahresbericht des Bündner Amtes für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit wird festgehalten, dass bis zu 30 % der Wildtierkörper von den Hobby-Jäger falsch beurteilt wurden. Es wird davon ausgegangen, dass bei der Beurteilung der Fleischqualität geschummelt wird.
Insbesondere bei den Hobby-Jägern ist es überaus elementar, dass man ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten, Jägerlatein und Fake News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze!
Nachtrag 2025: Jagdsystem bestätigt die Kritik
Seit der Veröffentlichung dieses Artikels im Jahr 2019 hat sich an den Grundproblemen wenig geändert. Der Kanton Graubünden verkauft zwar die Jagdpolitik als Erfolg, doch die offiziellen Zahlen zeigen vor allem eines: Das System der Hobby-Jäger bleibt zentraler Bestandteil des Problems.
Charakteristisch bleibt, dass die Hochjagd alleine die überhöhten Pläne nicht erfüllt. 2023 wurden zwar insgesamt 4’909 Hirsche und 2’982 Rehe geschossen, ein bedeutender Teil davon jedoch erst in der Sonderjagd, in der 1’298 Hirsche zusätzlich erlegt werden mussten. Auch 2024 und 2025 wird der Sonderjagd erneut als notwendige «Korrektur» nachgeschoben, um die hoch angesetzten Pläne bei Hirsch und Reh überhaupt zu erreichen.
Auffällig ist, wie konstant sich die offizielle Kommunikation wiederholt. Wie schon 2019 werden auch heute Wetter und Nebel bemüht, um Defizite bei der Hochjagd zu relativieren. So war die Rede von «durchzogenem» Jagdwetter mit Wärme und morgendlichem Nebel. Gleichzeitig wird die Hochjagd als Erfolg verkauft, obwohl die kantonalen Pläne nur mit nachgeschalteter Sonderjagd erfüllt werden können.
Neu hinzu kommt die massive Ausdehnung der Bejagung von Beutegreifern. Während der Hirschbestand politisch gewollt mit hoher jagdlicher Intensität reguliert wird, werden Wölfe parallel grossflächig «reguliert». Per Herbst 2025 meldet der Kanton beziehungsweise die Bundesebene Bewilligungen zur Regulation von mehreren Rudeln, Medien berichten von mindestens 14 bis 15 bereits geschossenen Wölfen innert kurzer Zeit. Bereits 2024 wurden 16 Wölfe in Graubünden getötet.
Statt natürliche Regulation durch Beutegreifer als Chance zu begreifen, werden diese systematisch entfernt, während das Hobby-Jagdsystem erhalten und politisch aufgewertet wird. Zusammen mit der weiterhin zentralen Rolle der Sonderjagden unterstreichen die aktuellen Entwicklungen, dass die im ursprünglichen Artikel formulierte Kritik nicht überholt ist. Sie wird durch die jüngsten Zahlen und die eskalierende Wolfsjagd im Kanton Graubünden im Gegenteil deutlich bestätigt.
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