Unkultur

Von Schafhaltern und diffusen Behörden

Jetzt wurden bereits 2 der 4 unschuldigen Jungwölfe erschossen und bei den 5 überlebenden Jungwölfen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie eine schlechte Gewohnheit nicht trotzdem übernahmen oder allenfalls nicht! Was taugt so eine Jägerlateinübung im Openair Tierversuchslabor am Beverin?

In das Beverinrudel im Kanton Graubünden wurde brutal hineingeschossen und 2 von 4 Jungwölfen liquidiert, weil sich diesen Sommer mindestens 15 Risse aus Ziegenherden, die angeblich durch einwandfrei installierte Litzenzäune geschützt waren, ereigneten. Damit wurde ein Grenzwert überschritten. Die DNA-Proben haben das männliche Elterntier M92 als Verursacher identifiziert. Dieses wird aber verschont.

Bereits im letzten Jahr soll das Tier M92 negativ aufgefallen sein, als es auf der Stutzalp oberhalb Splügen eine grosse Anzahl Schafe gerissen habe. Für diese Tiere habe es allerdings keinen Herdenschutz gegeben, sie seien also ungeschützt gewesen. Insgesamt habe das Wolfspaar im letzten Jahr 59 Schafe gerissen und in diesem Jahr sei es nach der Rudelbildung zu gegen 40 weiteren Schafrissen gekommen, sagte der Bündner Jagdverwalter Adrian Arquint. Das Rudel bestehe aus insgesamt neun Jungtieren, die Hälfte davon dürfe gemäss dem Gesetzgeber reguliert werden, sagte Arquint. Im Klartext heisst dies auch, das Rudel hat dieses Jahr insgesamt weniger Nutztiere gerissen, als vor der Rudelbildung!

Der Kanton Graubünden begründet seinen Regulierungsantrag mit grossen landwirtschaftlichen Schäden, welche die Wölfe dieses Rudels im Sommer 2019 verursacht habe.

Das Rudel am Mittelbündner Piz Beverin umfasst Eltern und nach den erfolgten 4 Abschüssen – noch fünf Jungtiere.

Die IG Wild beim Wild stellt die Akteure dieses Trauerspiels vor.

Die Jungwölfe-Killer

Adrian Arquint, Mario Cavigelli, Marc Chardonnens

Adrian Arquint

Wenn Wölfe beginnen, Herdenschutzmassnahmen zu durchbrechen und die gesetzlich vorgegebene Schadensschwelle erreichen, muss unbedingt regulierend eingegriffen werden (Umsetzung der gesetzlichen Vorlagen: bei Wolfsrudeln nur die Möglichkeit der Regulation unter Schonung der Elterntiere). Es geht dabei jedoch nicht nur um die Regulation der Wölfe, sondern auch darum, dass die restlichen Wölfe die Scheu gegenüber den Menschen nicht verlieren.

Adrian Arquint, Leiter Amt für Jagd und Fischerei Graubünden

Dies hört sich typisch Jägerlatein schon sehr dramatisch an “Wenn Wölfe beginnen…” Der normale – nicht hobby-jägerisch-geprägte – Menschenverstand fragt sich jedoch, wie soll das Rudel im Herbst 2019 durch Abschüsse deren Familienmitglieder lernen, was das Elterntier M92 vor 3 Monaten im Sommer 2019 provoziert hat? Auf welche pädagogischen bzw. wildbiologischen Erfahrungen beziehen sich diese Entscheidungsträger? Wie sollen die Wölfe diese Abschüsse ihrer Familienmitglieder richtig zuordnen, wenn Heckenschützen sie in einer anderen Lokalität Monate später terrorisieren? Wissenschaft geht anders! Der Alpabzug der Schafe und Ziegen war grösstenteils schon vor Wochen. Und wieso soll dadurch dem Rudel die Scheu vor Menschen antrainiert werden, obwohl sie den Menschen gar nichts gemacht haben, es aber offensichtlich immer noch ein Leichtes ist, in elektrifizierte Litzenzäune einzudringen?

Wölfe sind per se menschenscheu. Logischerweise müssten dort doch eigentlich die Herdenschutzmassnahmen auf den Prüfstand und nicht populistisch Jungwölfe gemeuchelt werden.

Herdenschutzhunde sind dort nötig, wo Nutztiere mitten im Wolfsgebiet gehalten werden!

Es hat sich in der Literatur weltweit unter Fachleuten längst erwiesen, dass Abschüsse keinerlei “erzieherische” Wirkung auf Wölfe haben können. Diejenigen, die solch eine Entscheidung fällen, sollten erst einmal studieren, wie ein Wolf (oder ein Hund) Ereignisse und Erfahrungen verknüpft. Und wären die Jungwölfe nicht demnächst abgewandert?

«Es ist erschreckend, wie wenig Gehör die Politik praktischen Erfahrungen und Studien schenkt, und sich stattdessen vom Druck von Einzelinteressen leiten lässt»

Gabor von Bethlenfalvy, Grossraubtierexperte vom WWF Schweiz.

Mario Cavigelli

Aus der Gewaltzentrale am Stadtgartenweg 11 in Chur wurde nicht kommuniziert, wo genau die Jungtiere geschossen wurden. Das Beverinrudel hat sein Revier hauptsächlich in einem Jagdbanngebiet, wo jegliche Regulationen nicht zulässig sind.

Mario Cavigelli ist ein Politiker, der sich bereits in der Vergangenheit vor den höchsten Gremien skrupellos in Szene setzte.

Rückblende:

Es steht ausser Zweifel, dass der Regierungsrat Mario Cavigelli (CVP) immer und immer wieder in der Politik alle belogen hat, bei dem Sachverhalt zum Beispiel rund um die Sonderjagd Initiative, auf welche sich eine Strafanzeige vom 18.12.2017 der IG Wild beim Wild bezog.

​Offenbar ist sich das ​Amt für Jagd und Fischerei Graubünden​, das den Abschussantrag beim BAFU stellte,​ ​seiner ​Tierschutzaufgabe im Umgang mit geschützten Arten egal. In der EU wäre dieser Entscheid kaum durchgekommen.

Ist das ganze Gesetz bzw. Rechtslage, die immer auch Hobby-Jäger rund um den militanten Verein JagdSchweiz mitgestalten, nur eine Hintertüre, um geschützte Wölfe zu meucheln? Wieso den Schadenstifter erschiessen, wenn man das halbe Rudel unschuldiger Wölfe wegballern kann?

So wird der Wolf als Staatsfeind Nr. 1 stigmatisiert und als Stiefkind der Nation behandelt, weil er 2 unbelehrbaren Minderheiten im Weg ist. Die Tierausbeuter scheuen den Mehraufwand beim Herdenschutz und jammern lieber. Die militanten Lodenträger befürchten weniger Wildtiere zum Abschuss und lechzen nach den Beutegreifern. Tatsache ist aber, dass nach wie vor weit mehr Schafe und Ziegen abhandenkommen, bzw. jämmerlich sterben, weil sie gänzlich unbetreut in den Bergen dahinvegetieren oder dem Metzger zugeführt werden. Dies sind en masse wahrhaftig keine schönen Bilder, welche sich dort im Verborgenen der Schlachthäuser abspielen.

Der gleiche Regierungsrat moniert notorisch in den Medien, dass die Hobby-Jäger nicht genügend Rotwild dezimieren und deren Bestände Jahr um Jahr zunehmen. Und dann lässt er seine besten Mitarbeiter im Dunste des Jägerlateins kaltblütig liquidieren. Unterstützt bestialische Jagdformen wie die Sonderjagd, wo vieles, was auf der regulären Hochjagd verboten ist, plötzlich waidmännisch sein soll.

Regierungsrat Mario Cavigelli ist auch nicht fehlerfrei, aber offensichtlich ein Freund der Todesstrafe.

Marc Chardonnens

“Das BAFU begrüsst ausdrücklich die Absicht des Kantons Graubünden, mit diesen Abschüssen explizit auch eine Verhaltensänderung der verbleibenden Wölfe des Rudels zu erzielen, hin zu mehr Scheuheit gegenüber dem Menschen.”

Marc Chardonnens, Direktor BAFU

In dem Merkblatt “Wolfsschutzzäune auf Kleinviehweiden” von AGRIDEA steht auf Seite 1 “Für das Überspringen von Elektrozäunen durch Wölfe fehlen in der Schweiz bis heute die Nachweise.”

Haben die Wölfe einen Tunnel gegraben oder wie sind sie durch die angeblich einwandfrei funktionierenden elektrifizierten Litzenzäune hindurch gekommen? Ein Netz soll teilweise eingerissen gewesen sein, schreibt Marc Chardonnens in der Zustimmung des BAFU zur Bestandsregulierung des Wolfsrudels am Beverin GR 2019.

Wie ist dies möglich, wenn elektrifizierte Litzenzäune mit 3’000 und 4’900 Volt unter Strom stehen? Beim ersten Stromschlag hätte jeder Wolf das Weite gesucht oder sind die Wölfe jetzt mit isolierten Bockleitern unterwegs?

Über einen 90 cm hohen Zaun kann ja praktisch schon ein Pudel springen, wenn er etwas Neues probieren will. Sollten die Zäune beim „Angriff” einbrechen, sind es eben lumpige Zäune. Warum können Schafe immer wieder Zäune niedertrampeln? Weil sie lausig installiert oder unterhalten wurden. Zudem ist es ein leichtes für dubiose Schafhalter zu behaupten, die Zäune seien elektrifiziert gewesen. Jedes Kind kann die Stromquelle abschalten.

Wolfschutzzaeune auf Kleinviehweiden von AGRIDEA

Vor 2 Jahren soll ein Wolf in Trun, ebenfalls im Kanton Graubünden, sogar über eine halb-offene Stalltüre (113 cm) gesprungen sein.

Wieso wird Symptombekämpfung gemacht, anstatt den Herdenschutz weiterentwickelt und auf einen funktionierenden Level gebracht? Es ist offensichtlich, dass in diesen aktuellen Fällen im Kanton Graubünden etwas mit dem Herdenschutz bzw. Litzenzäune nicht stimmig ist.

Schafhalter

Wieso kann jeder Hanswurst und Heiri Schafe und Ziegen dort parkieren und sich breit machen, wo eigentlich Wildtier-Territorium ist? Über 200’000 Schafe werden jährlich für ein paar Monaten in die Berge gekarrt, was den Steuerzahler dutzende Millionen Franken an Subventionsbeiträgen kostet. Fressen und weiden Reh, Hirsch und Gämse neuerdings auch noch weniger gut, als Schafe?

Eindrucksvolle Zahlen über die Biomasse aller Wirbeltiere auf dem Festland sind das. So wird die Biomasse aller Nutztiere (wie Rinder, Pferde, Schweine, Hühner etc.) mit einem Wert von 65 % berechnet. Dazu kommt noch die Menschheit mit 32 %. Dem gegenüber steht die Biomasse aller Wildtiere mit nur 3 %. Das bedeutet, der Mensch und seine meist unter tierquälerischen Umständen gezüchteten Nutztiere stehen gegenüber allen auf den Kontinenten befindlichen Wildtieren im Verhältnis 97 % zu 3 %! Eine Unverhältnismässigkeit sondergleichen, die uns zu denken geben sollte.

Nach dem schockierenden UNO-Bericht zum Artensterben im Frühling 2019 fällt der Blick auf die Schweiz. Der Anteil der bedrohten Arten ist in keinem Land der Welt so gross wie in der Schweiz. Über ein Drittel der Pflanzen, Tiere und Pilzarten gilt als bedroht. Es sind immer auch diese rechten Kreise aus Hobby-Jägern und Bauernvertretern mit ihrer schäbigen Lobbyarbeit, die über die Politik und Gesetze dafür Verantwortlich sind.

Insbesondere bei den Tierausbeutern und Hobby-Jägern ist es überaus elementar, dass man ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten, Jägerlatein und Fake-News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze!

Schweizerinnen und Schweizer unterschreiben jetzt das Referendum gegen das missratene Jagdgesetz!

REFERENDUM GEGEN DAS MISSRATENE JAGDGESETZ
Interessen-Gemeinschaft

Wild beim Wild


Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Interessen-Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige und gewaltfreie Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung einsetzt, wobei die IG sich auch auf die rechtlichen Aspekte des Wildtierschutzes spezialisiert hat. Eines unser Hauptanliegen ist, in der Kulturlandschaft ein zeitgemässes und seriöses Wildtiermanagement nach dem Vorbild vom Kanton Genf einzuführen – ohne Hobby-Jäger aber mit integren Wildhütern. Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates und nicht an Hobby-Jäger-Banden delegiert.