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Jagd

Absurdistan Regierungsrat Solothurn

Warum will der Regierungs- und Kantonsrat im Kanton Solothurn die Baujagd und Schliefenanlagen (Kunstbauten) trotz wissenschaftlichen Gegenbeweise wieder salonfähig machen und die Bevölkerung gefährden?

Redaktion Wild beim Wild — 6. Juli 2018

Die IG Wild beim Wild setzt sich für ein seriöses Wildtiermanagement mit Wildhütern ein und nicht für eine Jagd aus reinem Tötungsdrang und -wille heraus, welche die Hobby-Jäger heute glorifizieren.

Diese Form der Hobby-Jagd mit einer überwiegenden «Killermentalität» ist weder Tradition, ethisch und moralisch noch tierschutzgerecht.

Am 6. September 2017 hat die Fraktion SP/Junge SP ein Verbot der Baujagd vom Regierungsrat in Solothurn gefordert:

Der Regierungsrat wird beauftragt, das Jagdgesetz dahingehend zu ändern, dass die Baujagd verboten wird.

Ein lobenswertes Ansinnen. Denn, nur schon das Halten eines Wildtieres in Gefangenschaft, sprich Kunstbau, ist weder art- noch tierschutzgerecht. Alles andere wie «tierschutzgerecht», «gesetzeskonform» usw. sind Wortklaubereien im Kontext der Baujagd bzw. Fuchsjagd im negativen Regierungsratsbeschluss und nicht zielführend – hin zu einer zivilisierten Gesellschaft.

Regierungsrat Kanton Solothurn
Regierungsrat Solothurn

Sich vor einer Wallfahrtskirche fotografieren zu lassen und christliche Werte dann in der Praxis umzusetzen, ist offensichtlich keine Tugend dieser Solothurner Politikerinnen und Politiker. Sie haben den Antrag der SP postwendend mit einer «Nichterheblicherklärung» abgelehnt.

Regierungsrätin Brigit Wyss
Regierungsrätin Brigit Wyss

Regierungsrätin Brigit Wyss äussert sich in ihrem Schlusswort laut der Solothurner Zeitung dazu so: «Man könne davon ausgehen, dass die Baujagd heute vertretbar sei. Nicht aus Gründen der Tradition oder wegen der Regulierung des Fuchsbestandes. Sondern weil viele Jagdhunde heute Familienhunde seien – und deshalb die Ausbildung im Rahmen der Baujagd benötigten.» Wer solch wirren Nonsens in die Welt trägt, sollte ganz einfach abgewählt werden.

58 im Kantonsparlament stimmten anschliessend dagegen und 31 für ein Baujagdverbot.

Sowohl die Bewegungsjagden (Treibjagd und Drückjagd), als auch die Fuchsjagd bleiben immer primär Tierquälerei und sind unnötige Jagdmethoden, wie wir aus vielen Fallbeispielen wissen. Daran ändert auch der abstruse Regierungsratsbeschluss des Kantons Solothurn nichts.

Dass jetzt die Jagdhunde der Hobby-Jäger noch mehr missbraucht werden und eine Ausbildung im Rahmen der Baujagd absolvieren sollen, diene nur dazu, die Tierquälerei im Umfeld der Hobby-Jäger salonfähig zu machen, mahnt die IG Wild beim Wild.

Die Stiftung Tier im Recht hat dazu ein wegweisendes Gutachten erstellt, aus dem klar ersichtlich ist, dass aus der Sicht des Tierschutzrechts zum Beispiel die Ausübung der Baujagd gleich mehrfach den Straftatbestand der Tierquälerei erfüllt.

Das Land Luxemburg kennt seit mehreren Jahren ein totales Fuchsjagdverbot und setzt somit tierschutzgerecht um, was mindestens 18 internationale Studien längst belegen: Fuchsjagd ist Unfug. Im Kanton Genf werden seit Jahrzehnten keine Füchse bejagt, nur weil Jagdzeit ist, oder im Kanton Tessin ist die Fuchsjagd laut der eidgenössischen Jagdstatistik auch verpönt.

Füchse schützen uns vor Krankheiten

Wer Angst vor Krankheiten wie der Lyme-Borreliose, Hasenpest oder dem sogenannten Fuchsbandwurm hat, sollte sich laut Studien mit aller Deutlichkeit gegen die Hobby-Jagd aussprechen.

Die Lyme-Borreliose ist in Europa die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit; mehr als 200’000 Menschen infizieren sich jedes Jahr damit. Das Bundesamt für Gesundheit geht davon aus, dass in der Schweiz jährlich etwa 6’000 bis 12’000 Personen an der sogenannten Lyme-Borreliose erkranken.

In der Schweiz erkranken hingegen lediglich ca. 8–10 Menschen pro Jahr am Fuchsbandwurm. Der Fuchs ist der natürliche Feind von Rötel- und Feldmäusen. Diese können durch ihren Kot, Urin auch das sich stark verbreitende Hantavirus auf den Menschen übertragen. Der Fuchs ist als Waldpolizist unersetzlich; Füchse fangen hauptsächlich Mäuse – zum Nutzen der Land- und Forstwirtschaft.

Studie: Fuchsjagd ist kontraproduktiv

In einer Studie aus Frankreich wurde 4 Jahre lang wissenschaftlich untersucht, ob die Hobby-Jagd als Massnahme gegen den Fuchsbandwurm sinnvoll ist. Dafür wurde in einem knapp 700 Quadratkilometer grossen Gebiet bei der Stadt Nancy die Hobby-Jagd auf Füchse deutlich intensiviert. 1’700 Stunden wurden in der Nacht auch von Autos heraus Füchse beschossen, was zu einem Anstieg der Jagdstrecke um 35 % geführt hat.

  1. Die Fuchspopulation wurde durch die drastisch intensivierte Bejagung im Testgebiet NICHT verringert.
  2. Der Fuchsbandwurm breitete sich im intensiv bejagten Testgebiet aus, anstatt reduziert zu werden: Die Befallsrate stieg sogar von 40 % auf 55 % deutlich an, während sie im Vergleichsgebiet im gleichen Zeitraum konstant blieb.
  3. Anstelle der offensichtlich nicht nur sinnlosen, sondern sogar kontraproduktiven Hobby-Jagd wird im Bedarfsfall die Behandlung von Füchsen mit Entwurmungsköder empfohlen.

Wie andere Studien (zum Beispiel aus dem Landkreis Starnberg) eindrucksvoll gezeigt haben, können diese Entwurmungsköder die Befallsrate von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm effektiv auf nahezu Null Prozent senken. Mehr zur gescheiterten Populationskontrolle durch die Hobby-Jagd und zu den Jagdmythen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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