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Jagd

Solothurnerin will Treibjagd verbieten

«Der Anblick drückte mir das Herz ab»: Deshalb will Solothurnerin die Treibjagd verbieten.

Redaktion Wild beim Wild — 17. April 2025

Brigitte Ehrbar ist überzeugt, dass die Treibjagd den Tieren schadet. Sie hat einen Antrag zur Abschaffung dieser Jagdmethode eingereicht, obwohl die Hobby-Jäger anderer Meinung sind.

Als Brigitte Ehrbar in jüngster Vergangenheit aus ihrer Wohnung ging, sah sie eine Gruppe von Rehen, die in Panik hin und her rannten. Einige Tiere liefen sogar in Wohngebieten. «Die Tiere wussten nicht, wohin sie fliehen sollten und rannten voller Angst», erzählt die 66-Jährige. Was sie sah, war die Treibjagd, bei der Tiere oft mit Hunden aufgeschreckt und dann geschossen werden, um möglichst viele zu töten.

Sie macht sich auch Sorgen über die Gefahr von Fehlschüssen, was gegen das Tierschutzgesetz verstosse. Im Kanton Solothurn ist die Treibjagd von Oktober bis Dezember erlaubt. Wildschweine können das ganze Jahr über gejagt werden.

Brigitte hat alleine über 100 Unterschriften für ihren Antrag gesammelt. Obwohl sie keine politische Unterstützung erhielt, liess sie sich nicht entmutigen und sprach mit Nachbarn und Bekannten. Immer mehr Menschen schlossen sich ihrer Initiative an. Die Staatskanzlei hat inzwischen 105 Unterschriften bestätigt, und der Antrag wird derzeit geprüft.

Brigitte hat auch keine Angst, direkt mit Hobby-Jägern zu sprechen. Im Dezember sprach sie mit einigen, die sich auf die Treibjagd vorbereiteten. Sie fragte sie, ob es Spass macht, die Tiere in Panik zu versetzen, und bekam zu hören, dass sie die Polizei rufen könnte.

Die Hobby-Jäger argumentieren, dass die Treibjagd helfe, die Anzahl der Tiere zu regulieren. Cyril Bardet, der Präsident der Jägervereinigung in Solothurn, sagt, dass die Treibjagd notwendig sei, um den Abschussplan zu erfüllen. Er erklärt, dass die Jagd gut geplant sei und nicht zu viele Tiere auf einmal gejagt werden.

Brigitte stimmt zu, dass Jagd nötig ist, um die Anzahl der Tiere zu regulieren. Aber sie versteht nicht, warum Menschen entscheiden, welches Tier leben oder sterben soll.

Ob ihr Antrag Erfolg haben wird, weiss sie nicht. Sie hofft, dass das Tierwohl heute wichtiger ist als vor 20 Jahren, als die Stimmbevölkerung die Treibjagd behalten wollte, schreibt die Solothurner Zeitung.

Vielleicht kann ihr Anliegen ja etwas Grossen bewirken.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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