2. April 2026, 12:32

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Jagd

Hobby-Jäger lügen auch beim Verkauf von Wildfleisch

Seit 2017 müssen Jäger in der Schweiz die Fleischqualität des geschossenen Schalenwild deklarieren. Nicht alle sind dabei ehrlich.

Redaktion Wild beim Wild — 15. Oktober 2019

Im Kanton Graubünden wurde in insgesamt 43 und im Kanton Glarus in sechs bewilligten Wildbearbeitungsbetrieben (GHE = Game Handling Establishment) eine amtliche Fleischuntersuchung durchgeführt.

In der Jagdsaison 2018 wurden in Graubünden während der Hochjagd 57 % der rund 8’700 Tiere in einen GHE-Betrieb gebracht, in Glarus waren es 66 % der 606 Tiere.

Hobby-Jäger kontrollieren sich selbst

Bei Nutztieren lässt sich die Hygiene in der Verarbeitung einfach überprüfen: Amtliche Tierärzte kontrollieren in den Schlachthöfen, ob die Qualität der Tiere stimmt. In freier Natur hingegen kann nicht ein unabhängiger Experte mit auf der Lauer liegen. Stattdessen hat fatalerweise der Bund die Kontrolle den Hobby-Jägern selbst auferlegt. Jenen Amateuren also, die bereits Jahr für Jahr im vierstelligen Bereich gegen Jagdgesetze, Vorschriften usw. verstossen und angezeigt bzw. gebüsst werden.

Ein schlechter Schuss, eine lange Nachsuche oder ein Tier, das krank ist: Dies kann dazu führen, dass das Fleisch eines Wildtieres noch ungeniessbarer wird. Stellt der Hobby-Jäger Verunreinigungen an Fleisch oder Organen fest, muss die Einteilung als B-Tier erfolgen. Das Gleiche gilt, wenn ein Tier über drei Stunden nach dem Abschuss gefunden wird, weil die Fleischhygiene dann schon dramatisch gelitten hat. Sobald Anzeichen für eine verminderte Qualität vorliegen, muss das Fleisch in der Metzgerei untersucht werden.

Ob eine Kontrolle nötig ist, entscheiden die Hobby-Jäger

Einwandfreie Exemplare, sogenannte A-Tiere, dürfen ohne weitere Abklärungen in den Verkauf. Fleisch aus der Hobby-Jagd wird praktisch nur über die Gastronomie oder privat abgesetzt.

Schon 8 Minuten nach Eintritt des Wildtier-Todes beginnt das Blut in den Adern zu gerinnen. Genau genommen hat man es also schon nach noch nicht einmal 10 Minuten mit etwas zu tun, was unter Aas bekannt ist. Ausgenommen ist nicht ausgeblutet.

Das Wort Aas bezeichnet ursprünglich auch den toten Körper eines Tieres, das nicht durch rituelle Schlachtung getötet wurde. Nach dem Tod beginnt unmittelbar in verschiedenen Stufen der Verwesungsprozess.

Stolz und Gier verhindern ehrliche Deklaration

Die Kriterien zur korrekten Einteilung sind relativ einfach und die Hobby-Jäger sollten gut ausgebildet sein, zumindest in der Theorie. Der entscheidende Faktor in der Praxis ist der Stolz und die Gier. Es handelt sich um ein militantes Hobby, bei dem Prestige wichtig ist und niemand gerne Fehler zugibt. Genau das müssten die Hobby-Jäger aber tun. Denn lange Nachsuchen gibt es bei Tieren, die nicht richtig getroffen wurden, jede Menge, nicht nur im Kanton Graubünden. Verunreinigungen entstehen oft durch unplatzierte Schüsse, zum Beispiel in die Eingeweide statt ins Herz, Munition, Transport usw. Die Einstufung als B-Tier wäre demnach ein Eingeständnis für einen schlechten Schuss.

Jeder zehnte Hirsch wird in Graubünden zum Beispiel nur angeschossen statt erlegt. Bündner Hobby-Jäger haben in den fünf Jahren von 2012 bis 2016 insgesamt 56’403 Hirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine erlegt. In 3’836 Fällen wurden diese Tiere aber lediglich angeschossen.

Stichproben des Bündner Amtes für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit haben im vergangenen Jahr ergeben, dass Hirsche, Rehe und Gämsen von der Hobby-Jägerschaft immer wieder als unbedenklich eingestuft wurden, obwohl es Anzeichen für verminderte Qualität gab.

Bei rund einem Fünftel der Tiere sei die Fleischqualität falsch deklariert worden. Im aktuellen Jahresbericht des Bündner Amtes für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit wird festgehalten, dass bis zu 30 % der Wildtierkörper falsch beurteilt wurden.

Es wird davon ausgegangen, dass bei der Beurteilung der Fleischqualität geschummelt wird.

Verarbeitetes Wildfleisch ist laut der WHO wie Zigaretten, Asbest oder Arsen krebserregend.

Insbesondere bei den Hobby-Jägern ist es überaus elementar, dass man ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten, Jägerlatein und Fake-News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze!

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden