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Jagd

Wolfszahlen belegen Stabilisierung: Jagdlobby dreht Kreise

Die kürzlich veröffentlichten Daten der Dokumentations‑ und Beratungsstelle des Bundes z. Thema Wolf (DBBW) zeigen deutlich: Der Bestand des Wolf in Deutschland hat sich nicht „explosiv“ erhöht, sondern scheint sich auf einem stabilen Niveau eingependelt zu haben.

Redaktion Wild beim Wild — 13. November 2025

Dennoch wird von einigen Seiten weiterhin eine reguläre Bejagung gefordert, trotz fehlender fachlicher Grundlage.

Der Deutscher Tierschutzbund spricht in seiner Pressemitteilung klar von einer politisch motivierten Forderung, die den Artenschutz und die Akzeptanz desselben gefährdet.

Die Tierschutzorganisation schreibt: „Die neuen Zahlen widerlegen einmal mehr das Schreckensbild vom ‚explodierenden Wolfsbestand‘. Der Wolf hat in Deutschland seinen Platz gefunden und das ist ein Erfolg des Artenschutzes.“

Damit wird eine verbreitete Legende entkräftet, dass Wölfe unkontrolliert wuchern würden. Vielmehr zeigt sich ein Gleichgewicht: Ein Gleichgewicht, das grundsätzlich positiv zu werten ist.

Folgende Punkte sind dabei hervorzuheben:

  • Wenn ein Tierbestand sich stabilisiert, heisst das nicht automatisch, dass Handlungsbedarf im Sinne von Abschuss gäbe, im Gegenteil: eine stabile Population gilt häufig als Ziel im Naturschutz.
  • Die Stabilisierung setzt voraus, dass Schutzmassnahmen greifen, etwa durch Monitoring, Schutzstatus, Herdenschutzmassnahmen etc.
  • Eine solche Datenlage entkräftet das Argument, man müsse jetzt dringend regulierend eingreifen, um eine vermeintliche „Exponentialentwicklung“ im Keim zu ersticken.

Warum Abschussforderungen dennoch laut werden

Trotz der Datenlage wird von Teilen der Jagd- und Landwirtschaftsvertretungen weiterhin gefordert, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen oder zumindest Abschüsse zuzulassen. Der Tierschutzbund bezeichnet solche Vorschläge als „rein politisch motiviert“ und warnt vor den Folgen für den Artenschutz.

Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  • Wirtschaftliche Interessen: Schäfer, Förster und andere betroffene Gruppen sehen den Wolf oft als Konkurrenten oder Risiko für Nutztiere und Wildbestand. Mit der Forderung nach Abschuss werden wirtschaftliche Risiken adressiert, doch nicht zwingend wissenschaftlich begründet.
  • Angst-Narrative: Medien und Lobbygruppen schüren mit Begriffen wie „Plagewolf“, „Raubtier“ oder „Gefahr für Mensch und Tier“ eine Stimmung, die unabhängig von der Faktenlage funktioniert.
  • Politische Symbolpolitik: Forderungen nach Abschuss wirken lösungsorientiert, aber nicht zwingend wirksam. Es entsteht der Eindruck, man handle, doch ob es tatsächlich einen Effekt hat, bleibt unklar.

Warum eine reguläre Bejagung keine fachliche Grundlage hat

Die Kernargumente gegen eine reguläre Bejagung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Keine Überpopulation: Wie eingangs gezeigt, gibt es keine Daten, die eine unkontrollierte Vermehrung belegen.
  2. Artenschutz-Erfolg: Der Wolf wurde über Jahrzehnte hinweg geschützt; sein Vorkommen zeigt, dass Schutzmassnahmen funktionieren, er gehört nicht in die Massnahme „Abschuss“ als Regelinstrument.
  3. Ökologische Rolle: Wölfe übernehmen wichtige Funktionen im Ökosystem, etwa als Beutegreifer und damit in der Regulation von Wildbeständen, Krankheitsüberträgern etc. Ein Abschuss ohne Planung kann komplexe Fehlwirkungen haben.
  4. Alternative Massnahmen vorhanden: Statt auf Abschuss zu setzen, sind Herdenschutz, Aufklärung, Prävention und Monitoring wirksamer Ansätze. Der Tierschutzbund empfiehlt genau diesen Weg.

Ansatzpunkte jenseits von Schiessplänen

Wenn Abschuss keine sinnvolle Standardmassnahme ist, welche Alternativen stehen zur Verfügung?

  • Herdenschutz ausbauen: Elektrische Zäune, Wachhunde, Strom-Schutzzäune, Verhaltensänderung der Nutztierhaltung.
  • Aufklärung und Akzeptanzförderung: Viele Konflikte entstehen durch Angst oder Fehlinformation. Mehr Wissen schafft Verständnis und reduziert Konfrontation.
  • Monitoring & Transparenz: Wenn Daten verfügbar, öffentlich und nachvollziehbar sind, entsteht grösserer Rückhalt in der Bevölkerung.
  • Genaue Risikoanalyse statt Pauschalabschuss: Statt generalisierten Abschussforderungen müsste situativ entschieden werden, bei eindeutiger Gefährdung oder sehr hohen Konfliktwerten.
  • Langfristige Strategie statt Schnellschuss-Politik: Eine naturgerechte Wolfspolitik braucht Zeit, Rücksicht und Strategie, nicht nur kurzfristige punktuelle Aktionen.

Schluss mit der Jagd-Rhetorik

Die aktuellen DBBW-Zahlen und die Stellungnahme des Tierschutzbundes zeigen klar: Der Wolf befindet sich nicht auf einem gefährlichen Wachstumspfad, sondern hat sich in Deutschland etabliert. Dafür ist ihm keine reguläre Bejagung erforderlich, im Gegenteil: Sie würde den Artenschutz untergraben, Konflikte verschärfen und ein falsches Signal senden.

Wer stattdessen auf Prävention, Aufklärung und Schutzmassnahmen setzt, liefert eine lösungsorientierte Alternative zur altbekannten Jagd-Logik. Wenn wir Natur ernst nehmen, heisst das: nicht reflexartig schiessen, sondern nachhaltig handeln.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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