Schweizer Bäche und Flüsse in alarmierendem Zustand
Die Schweizer Gewässer stehen weiterhin stark unter Druck. Wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) mitteilte, hat sich der ökologische Zustand von Bächen und Flüssen auf einem tiefen Niveau stabilisiert. Besonders betroffen seien die Fischbestände sowie die Wasserpflanzen.
Die Ergebnisse stammen aus der vierten landesweiten Messkampagne, die 2023 durchgeführt wurde.
Fachleute untersuchen dabei regelmässig die Situation von Fischen, Insektenlarven, Kleinkrebsen, Kieselalgen und Wasserpflanzen. Das Fazit fällt ernüchternd aus: Viele Lebensgemeinschaften sind nicht mehr naturnah.
Bereits 2016 wies eine BAFU-Untersuchung auf massive Belastungen hin: Nur an 27 % der Messstellen fanden Fische gute bis sehr gute Lebensbedingungen.
Eine WWF-Analyse ergänzt: Nur 3,6 % der Schweizer Flüsse gelten als ökologisch wertvoll («hoher Schutzwert»), d. h., sie erfüllen mindestens drei von vier Kriterien: Artenvielfalt, natürliche Lebensräume, natürlicher Wasserfluss und unveränderter Flussverlauf
Hauptursache für die Belastungen ist der Mensch. Die Gewässer werden durch Schad- und Nährstoffe aus Landwirtschaft, Siedlungen, Industrie und Gewerbe beeinträchtigt. Hinzu kommen Verbauungen, die natürliche Lebensräume einschränken. An zahlreichen Messstellen waren zudem Abfall, Schaum oder unangenehme Gerüche sichtbar.
Kleinste Bäche – rund 75 % des gesamten Gewässernetzes – sind besonders belastet und weisen im Schnitt 34 Wirkstoffe auf (Pestizide, Medikamentenrückstände etc.).
Das BAFU fordert dringend weitere Verbesserungsmassnahmen. Dazu zählen eine effektivere Abwasserreinigung, die Renaturierung von Gewässern, naturnahe Ufergestaltungen sowie der Umbau von Wasserkraftwerken, damit Fische wandern können. Auch ein Verzicht auf belastende Pflanzenschutzmittel sei nötig.
Das Bundesamt erinnert daran, dass das Gewässerschutzgesetz diese Schritte verlangt und unterstützt. Würden die Massnahmen konsequent umgesetzt, könnten sich die Lebensbedingungen in den Flüssen und Bächen verbessern. Damit würden die Gewässer ihre zentrale Rolle für Mensch und Natur wieder besser erfüllen.
Seit 2011 verpflichtet das Gewässerschutzgesetz die Kantone zur Renaturierung von Flüssen und Seen. Bundesweit stehen dafür 30–40 Mio. CHF jährlich zur Verfügung, jeweils 20 Mio. CHF für Abwasserreinigung und 50 Mio. CHF für die Sanierung von Wasserkraftanlagen.
Das Ziel: jährlich 50 Kilometer verbaute Gewässer revitalisieren – bis jetzt aber nur rund 18 km durchschnittlich pro Jahr erreicht.
Somit bleibt auch die Biodiversität in Schweizer Gewässern stark gefährdet. Renaturierungsziele existieren, aber der Fortschritt bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die notwendigen finanziellen Mittel sind zwar vorhanden, doch in der Umsetzung – bedingt durch Platzmangel, hohe Planungskosten und komplexe Interessenlagen – fehlen Tempo und Effizienz.
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