Hobby-Jagdreisen nach Russland: Amtsleiter in der Kritik
Am Donnerstag reagierte die St. Galler Regierung auf einen dringlichen Vorstoss bezüglich des Jagdausflugs eines Amtsleiters nach Russland.
Amtsleiter auf Wolfsjagd in Russland
Die St. Galler Regierung hat am Donnerstag, dem 2.5.2024, einen als dringlich erklärten Vorstoss zum Jagdausflug eines Amtsleiters nach Russland beantwortet.
In der Session wurden gleich nochmals zwei Vorstösse zum gleichen Thema eingereicht.
«Darf von St. Galler Amtsleitenden ein Mindestmass an politischer Sensibilität erwartet werden?», hiess es im dringlichen Vorstoss der beiden Kantonsräte der Grünen Thomas Schwager und Meinrad Gschwend.
Der Leiter des Amtes für Jagd und Blödsinn des Kantons St. Gallen, Dominik Thiel, nahm im Februar 2024 zusammen mit einem Wildhüter während der Arbeitszeit in Russland an einer mehrtägigen Wolfsjagd teil. Dort habe er die Lappjagd, eine Art Treibjagd, studieren wollen, hiess es als Begründung. Die beiden Behördenvertreter erlegten vier Wölfe und importierten die Trophäen mutmasslich auch.
Hauptkritikpunkt der Grünen war das Ziel der Reise. Während seit zwei Jahren die ukrainische Bevölkerung «reguliert» werde, studierten Mitarbeitende des Kantons auf Arbeitszeit «das russische Wolfsmanagement», schrieben sie.
Kritik an Wahl von Russland als Zielort
Der Entscheid für Russland als Zielort sei fachlich begründet gewesen, erklärte die Regierung in ihrer Stellungnahme. Russland verfüge «über umfangreiche Erfahrungen im Wolfsmanagement».
Wegen des russischen Angriffskriegs würde «rückblickend jedoch keine Arbeitszeit mehr für solche privat organisierten Weiterbildungen gewährt werden». Die Teilnehmenden hätten die Kosten der Reise einschliesslich der Schussprämien selbst getragen. Für jeden geschossenen Wolf auf der Trophäenjagd verlangten die Veranstalter 1’100 Euro.
Reine Abenteuerreise statt Weiterbildung
Im Rat sagte Thomas Schwager, es bleibe das schale Gefühl, dass es dem zuständigen Regierungsrat Beat Tinner (FDP) weiterhin an echter Einsicht fehle. Es habe sich um eine reine Abenteuerreise gehandelt.
Die Regierung muss noch weitere Vorstösse mit Fragen zur Wolfsjagd beantworten. Die Grünen wollen wissen, ob die Lappjagd in der Schweiz überhaupt möglich sei.
Trotz 400 Stunden Aufwand sind im Kanton St. Gallen in zwei Monaten der aktiven Wolfsregulierung nur zwei Tiere von insgesamt acht Wölfen erlegt worden.
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