Am 27. November 2025 hat der militante Verband JagdSchweiz ein Positionspapier voller Hass zur Fuchsbejagung veröffentlicht.
Der Tenor ist klar: Die Fuchsjagd sei «sinnvoll und nützlich» und müsse «unbedingt beibehalten» werden. Kritik von Natur- und Tierschutzorganisationen wird dabei als emotional und faktenarm abgetan.
Wer jedoch einen Blick auf die tatsächliche Entwicklung in fuchsjagdfreien Regionen, auf Gerichtsurteile und auf die amtlichen Zahlen zur Jagdpraxis wirft, erkennt schnell: Das Papier verteidigt vor allem ein jagdliches Selbstbild und ein blutiges Hobby, das mit moderner Wildtierökologie und Tierschutz kaum noch vereinbar ist.
JagdSchweiz verteidigt ein System, das längst in der Defensive ist
Im Positionspapier reagiert JagdSchweiz auf die «immer wieder von Natur- und Tierschutzkreisen angestossene Diskussion» um Sinn und Zukunft der Fuchsjagd. Die Organisation hält daran fest, dass die Hobby-Jagd auf Füchse notwendig sei, um Bestände zu regulieren, Schäden zu verhindern, Krankheiten zu bekämpfen und andere Wildtierarten zu schützen. Der Fuchs wird indirekt zur Problemfigur aufgebaut, die ohne Schrot und Büchse ausser Kontrolle geraten würde.
Auffällig ist, was fehlt: eine nüchterne wissenschaftliche Auswertung der Erfahrungen in Regionen, in denen seit Jahren oder Jahrzehnten keine Fuchsjagd mehr stattfindet, sowie eine ehrliche Auseinandersetzung mit den massiven Fehlleistungen der eigenen Klientel. Genau diese Realität holen wir im Folgenden nach.
Luxemburg: Fuchsjagd verboten, Probleme ausgeblieben
Luxemburg hat Anfang 2015 die Hobby-Jagd auf Füchse komplett eingestellt. Jagdverbände sagten damals eine «Bestandsexplosion», wachsende Seuchengefahr und zunehmende Schäden voraus. Nichts davon ist eingetreten.
Auswertungen der luxemburgischen Behörden und unabhängige Berichte zeigen:
- Die Fuchspopulation ist seit dem Verbot nicht explodiert, sondern weitgehend stabil geblieben.
- Es kam zu keiner Zunahme von Wildtierkrankheiten.
- Der Anteil mit Fuchsbandwurm infizierter Tiere hat sich zwischen 2014 und 2020 etwa halbiert.
Mit anderen Worten: Ein Land mitten in Europa verzichtet seit Jahren vollständig auf die Fuchsjagd und widerlegt in der Praxis die Alarmrhetorik, mit der Jagdverbände ihre Fuchskampagnen legitimieren wollen.
Kanton Genf: Fünfzig Jahre Wildtierpolitik ohne Hobby-Jagd
Noch deutlicher fällt der Realitätscheck in der Schweiz selbst aus. Im Kanton Genf wurde 1974 die Milizjagd per Volksabstimmung abgeschafft. Seitdem ist die Hobby-Jagd verboten, das Wildtiermanagement liegt bei staatlichen Wildhütern.
Genf gilt heute als Beispiel für ein modernes Wildtiermanagement:
- Wildbestände werden durch professionelle Wildhüter gezielt und sparsam reguliert, wenn dies für Landwirtschaft, Verkehr oder Sicherheit nötig ist.
- Studien und Erfahrungsberichte aus dem Kanton zeigen, dass sich die Wildtierpopulationen ohne Hobby-Jagd selbst besser regulieren oder mit minimalen Eingriffen lenken lassen.
Trotz Verzicht auf eine flächendeckende Fuchsjagd sind weder ökologische Katastrophen noch seuchenartige Krankheitsausbrüche bekannt. Vielmehr wird das Genfer Modell heute in anderen Kantonen als zukunftsfähige Alternative zur traditionellen Hobby-Jagd diskutiert.
Nationalparks und fuchsjagdfreie Gebiete: Die Drohkulisse bleibt Theorie
Neben Luxemburg und Genf gibt es weitere Gebiete in Europa, in denen Füchse seit Jahren nicht oder kaum bejagt werden, darunter Nationalparks wie der Bayerische Wald und Berchtesgaden sowie grössere fuchsjagdfreie Reviere.
Die Erkenntnisse aus diesen Gebieten können zusammengefasst werden:
- Es gibt keine dokumentierten «Fuchsexplosionen» mit anschliessenden Zusammenbrüchen von Bodenbrüter- oder Feldhasenbeständen.
- Die Fuchsdichte passt sich an die natürlichen und menschengemachten Rahmenbedingungen an.
- Wo der Mensch nicht mit der Flinte eingreift, regulieren Nahrungsangebot, Krankheiten und Konkurrenz unter Füchsen die Bestände.
Damit steht JagdSchweiz vor einem offensichtlichen Widerspruch: Während wieder ein völlig inkompetentes Positionspapier dramatische Szenarien zeichnet, liefern reale Freilandversuche das Gegenteil. Fuchsjagdfreie Zonen sind keine ökologischen Problemregionen, sondern oft Hotspots der Biodiversität.
Die Gewaltkultur der Hobby-Jagd vor Gericht
Wie das jagdliche Umfeld von JagdSchweiz funktioniert, zeigt ein Verfahren vor dem Strafgericht in Bellinzona. Der Verband hatte gegen IG Wild beim Wild geklagt, weil er sich durch scharfe Kritik in seiner Ehre verletzt sah.
Im Mittelpunkt standen Aussagen, in denen JagdSchweiz unter anderem als «militanter Problemverein» beschrieben wird, dem eine Gewaltkultur, Respektlosigkeit gegenüber Wildtieren und massiver politischer Druck mithilfe von Einschüchterung und Lügenpropaganda vorgeworfen werden.
Nach der Beweisaufnahme kam Richter Siro Quadri zum Schluss, dass diese Aussagen keine Lügen darstellen und deshalb keinen verleumderischen Charakter haben. Die Klage wurde abgewiesen, das Urteil ist rechtskräftig.
Juristisch bedeutet dies: Selbst drastische Formulierungen über ein «militantes Jagdmilieu» und eine «Gewaltkultur» wurden vom Strafgericht als von der Meinungsfreiheit gedeckt und in ihrem Kern durch die vorgelegten Fakten und Zusammenhänge gestützt angesehen. Das wirft ein deutliches Licht auf das Umfeld, in dem das aktuelle Positionspapier entstanden ist.
Das Strafgericht Tessin hat in einem Verfahren zwischen JagdSchweiz und IG Wild beim Wild entschieden, dass scharfe Wertungen wie die Kritik an einer ‚Gewaltkultur‘ im Umfeld von JagdSchweiz vom Schutz der Meinungsfreiheit gedeckt sind. Juristisch bedeutet dies: Das Gericht sah in diesen drastischen Formulierungen keine strafbare Verleumdung, sondern durch die dargelegten Fakten gestützte, zulässige Werturteile.
Graubünden: Offizielle Zahlen zur Jagdpraxis entlarven das Idealbild
Noch deutlicher wird der Graben zwischen jagdlicher Selbstdarstellung und Realität beim Blick auf den Kanton Graubünden. Dort werden die Hochjagden gern als Paradebeispiel für eine verantwortungsvolle Regulierung verkauft. Die offiziellen Zahlen erzählen eine andere Geschichte.
Nach Angaben des Bündner Amts für Jagd und Fischerei und einer SRF-Berichterstattung gilt:
- Während der Hochjagd werden im Kanton Graubünden jedes Jahr gegen 10’000 Hirsche, Gämsen, Rehe und Wildschweine erschossen.
- Rund neun bis knapp zehn Prozent dieser Abschüsse erfolgen widerrechtlich. Allein in den fünf Jahren vor 2016 bezahlten Hobby-Jäger Ordnungsbussen von über 700’000 Franken wegen Fehlabschüssen.
Besonders gravierend sind die Zahlen zu angeschossenen Tieren:
- Zwischen 2012 und 2016 wurden in Graubünden 56’403 Hirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine erlegt.
- In 3’836 Fällen wurden Tiere lediglich angeschossen. Diese Zahlen stammen aus den offiziellen Daten zum sogenannten Schweisshundewesen, die gegenüber der SRF-Sendung «Rundschau» offengelegt wurden.
IG Wild beim Wild und andere Tierschutzorganisationen haben diese Daten aufgegriffen und aufbereitet. Sie zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem handelt: Hunderte widerrechtliche Abschüsse pro Jahr in einem einzigen Kanton, dazu Tausende verletzte Tiere innerhalb weniger Jahre.
Hochgerechnet auf alle Jagdkantone und über längere Zeiträume ergeben sich Zehntausende von Tieren, die entweder illegal getötet oder nicht tierschutzkonform erlegt werden. Vor diesem Hintergrund wirkt das Bild des disziplinierten, gesetzestreuen und dem Tierwohl verpflichteten Hobby-Jägers, das JagdSchweiz in der Öffentlichkeit zeichnet, eher wie eine Werbebroschüre als wie eine realistische Beschreibung.
Fuchsjagd als Sündenbock für Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft
Ein zentrales Motiv jagdlicher Argumentation lautet, Füchse würden Bodenbrüter und Feldhasen in der Kulturlandschaft derart dezimieren, dass nur intensive Hobby-Jagd auf Prädatoren diese Arten schützen könne.
Die Entwicklung in Luxemburg, Genf und den fuchsjagdfreien Nationalparks legt nahe: Das Hauptproblem liegt nicht beim Fuchs, sondern auf dem Acker. Fachbeiträge und Behördenberichte verweisen immer wieder auf:
- Lebensraumzerstörung durch Flurbereinigung, Entwässerung und den Verlust von Hecken und Brachen
- den massiven Einsatz von Pestiziden und Düngern, der Insekten und damit Nahrungsgrundlagen vernichtet
- frühe und häufige Mahd mit schweren Maschinen, die Gelege und Jungtiere direkt tötet.
Die luxemburgische Umweltpolitik etwa führt den Rückgang verschiedener Feldvogelarten ausdrücklich auf diese Faktoren zurück, nicht auf Füchse. Dort, wo Wiesen später und schonender gemäht, Pestizide reduziert und Rückzugsräume geschaffen werden, erholen sich Bestände – ganz ohne Fuchsjagd.
Füchse zu Sündenböcken für die Folgen einer fehlgeleiteten Agrarpolitik zu machen, mag politisch bequem sein. Fachlich ist es ein Ablenkungsmanöver.
Krankheiten: Erfolg der Medizin, nicht des Gewehrs
Ein weiteres Standardargument der Jagdverbände ist die Seuchenbekämpfung. Der Fuchs dient als Buhmann für Tollwut, Fuchsbandwurm und andere Zoonosen.
Die Geschichte der Tollwutbekämpfung in Europa zeigt jedoch eindeutig: Der Durchbruch kam durch flächendeckende Impfköderprogramme, nicht durch die Hobby-Jagd. In der Schweiz und ihren Nachbarländern wurden Millionen Impfköder ausgebracht, woraufhin die Fuchstollwut in wenigen Jahren verschwand.
Auch beim Fuchsbandwurm gilt: Entscheidend sind Hygiene, Aufklärung und gegebenenfalls gezielte Beköderung mit Entwurmungsmitteln in Hotspots. Luxemburg hat trotz Fuchsjagdverbot keine erhöhte Gefährdungslage, im Gegenteil, der Anteil infizierter Füchse ist zurückgegangen.
Seuchenprävention taugt daher nicht als Blankoscheck für eine generelle, dauerhafte Verfolgung des Fuchses.
Was eine moderne Wildtierpolitik wirklich bräuchte
Statt an einer schlecht begründeten Fuchsjagd festzuhalten, könnte die Schweiz sich an den bereits funktionierenden Modellen orientieren. Ein zeitgemässes Wildtiermanagement würde drei Schwerpunkte setzen:
- Abfall- und Fütterungspolitik in Siedlungen
Gesicherte Abfallsysteme, klare Fütterungsverbote und Aufklärungskampagnen würden Fuchsdichten in Städten wirksam und tierschutzkonform begrenzen. Füchse folgen dem Nahrungsangebot, nicht der moralisierenden Rhetorik von Jagdverbänden. - Lebensraum statt Blei für gefährdete Arten
Wiesen später mähen, Pestizide reduzieren, Kleinstrukturen fördern, Ruhezonen schaffen: Diese Massnahmen helfen Bodenbrütern und Feldhasen nachweislich weit mehr als eine pauschale Feinderklärung gegen Füchse. - Gezielte, professionelle Eingriffe statt Hobby-Jagd
Wo es tatsächlich dokumentierte gravierende Schäden gibt, können staatliche Wildhüter mit klaren Aufträgen und Monitoring punktuell eingreifen. Das Genfer Modell zeigt seit fünf Jahrzehnten, dass dies funktioniert. Langzeitstudien des Kantons zeigen, dass nach der Abschaffung der Hobby-Jagd 1974 die Biodiversität stark zugenommen hat. Genf hat schweizweit auch die höchste Feldhasendichte.
Ein Positionspapier aus der Vergangenheit
Das Positionspapier von JagdSchweiz zur Fuchsjagd will den Eindruck erwecken, es spreche im Namen der Vernunft und der Fakten. Die Realität zeichnet ein anderes Bild:
- Länder und Kantone ohne Fuchsjagd kommen ohne die prophezeiten Probleme aus.
- Nationalparks und fuchsjagdfreie Gebiete widerlegen die Drohkulisse von Bestandskollapsen und Seuchen.
- Ein rechtskräftiges Urteil in Bellinzona bestätigt, dass die Kritik an einer Gewaltkultur im Umfeld von JagdSchweiz nicht als Verleumdung gewertet werden kann.
- Offizielle Zahlen aus Graubünden belegen Jahr für Jahr hunderte widerrechtliche Abschüsse und tausende angeschossene Tiere allein in einem Kanton.
Die Fuchsjagd wirkt vor diesem Hintergrund nicht wie ein unverzichtbares Instrument moderner Wildtierpolitik, sondern wie ein Relikt aus einer Zeit, in der das Gewehr als Allzweckwerkzeug gegen selbst geschaffene Probleme galt.
Wer ernsthaft an Arten- und Tierschutz interessiert ist, wird sich nicht an JagdSchweiz orientieren, sondern an Luxemburg, Genf und anderen Regionen, in denen sich gezeigt hat, dass Natur auch ohne Hobby-Jagd funktioniert – und zwar besser.
Das Schweizer Tierschutzgesetz stellt klar, dass seine Aufgabe der Schutz der Würde und des Wohlergehens der Tiere ist, und das Zivilgesetzbuch hält fest, dass Tiere keine Sachen sind. Eine Argumentation, die Fuchsjagd vor allem mit wirtschaftlicher Attraktivität und Nutzung rechtfertigt, degradiert den Fuchs faktisch wieder zur Ware und widerspricht dem Geist des Tierschutzrechts. Wo bleibt in diesem Papier der Respekt vor der Tierwürde, der über die Interessen der Jagdlobby hinausgeht?
- Eidgenössische Jagdstatistik Link
- Wissenschaftliche Literatur: Studien Rotfuchs
- Jäger verbreiten Krankheiten: Studie
- Jagd fördert Krankheiten: Studie
- Hobby-Jäger in der Kriminalität: Die Liste
- Verbot der sinnlosen Fuchsjagd ist überfällig: Artikel
- Luxemburg verlängert Fuchsjagdverbot: Artikel
- Niederjagd und Wildkrankheiten: Artikel
- Vergrämung von Wildtieren: Artikel





