Treibjagden – auch Bewegungsjagden genannt – funktionieren nach einem Prinzip: Wildtiere werden durch Menschenreihen und teils durch Hunde aus Deckung und Rückzugsräumen getrieben, bis sie in Panik in Schussfelder laufen. Für die betroffenen Tiere ist das keine «Hege». Es ist massiver Stress, hohes Verletzungsrisiko und oft ein langsames Sterben nach Fehl- oder Streifschüssen. Für die Öffentlichkeit ist es ein System, das Schusswaffen in einem ungesicherten, gemeinsam genutzten Raum einsetzt – ohne verbindliche Ankündigungspflicht und mit nachweislicher Gefährdung Unbeteiligter.
Wissenschaftliche Messungen sind eindeutig: Wild aus Treibjagden zeigt bis zu zehnfach höhere Kortisolwerte als Tiere aus ruhigem Ansitz. Diese massiven Stresshormonmengen beeinflussen Stoffwechsel, Muskulatur und die gesamte physische Verfassung der Tiere – oft noch vor dem tödlichen Schuss. Dieses Dossier bündelt die wichtigsten Punkte, Argumente, Quellen und Fälle.
Was dich hier erwartet
- Was eine Treibjagd ist – und was sie vom Ansitz unterscheidet: Begriffsklärung, Ablauf und das strukturelle Kernproblem.
- Wissenschaft zum Wildtierstress: Was Kortisol-Messungen zeigen: Aktuelle Forschungsergebnisse zu Stresshormonen, Fleischqualität und physischen Folgen.
- Streifschüsse, Fehlabschüsse, Nachsuche: Das Leid endet oft nicht mit dem ersten Schuss: Warum Schüsse auf flüchtendes Wild strukturell fehleranfälliger sind – und was das für Wildtiere bedeutet.
- Gefahr für Menschen: Wenn Treibjagden zur öffentlichen Sicherheitsfrage werden: Dokumentierte Fälle, in denen Spaziergänger, Anwohner und Kinder verletzt wurden.
- Wild flüchtet in Dörfer: Was passiert, wenn Treibjagden ausser Kontrolle geraten: Fälle aus dem Archiv von Wild beim Wild.
- Politischer Status quo: Kantonsrecht, Transparenzlücken und das Solothurner Beispiel: Wo Vorstösse gemacht wurden – und was daraus geworden ist.
- Hunt-Watch: Zivilgesellschaft als Kontrollinstanz: Wie Beobachtende konkret helfen können, Treibjagden zu dokumentieren.
- Was sich ändern muss: Drei konkrete Forderungen: Einschränkung bis Verbot, Statistikpflicht, Sicherheitszonen.
- FAQ: Die häufigsten Fragen zu Treibjagden in der Schweiz – kurz und klar beantwortet.
- Argumentarium: Antworten auf die häufigsten Rechtfertigungen von Bewegungsjagden.
- Quicklinks: Alle relevanten Beiträge, Studien und Dossiers.
Was eine Treibjagd ist – und was sie unterscheidet
Bei der Treibjagd wird Wild gezielt in Bewegung gesetzt. Treibergruppen, Lärm und häufig Hunde drängen Wildtiere aus Deckung, Rückzugsräumen und vertrauten Territorien. Geschossen wird auf flüchtende Tiere – oft bei eingeschränkter Sicht, unter Zeitdruck und von mehreren Personen gleichzeitig. Die Drückjagd ist eine Variante: Das Wild wird langsamer und gezielter bewegt, meist durch wenige Treiber oder Hunde. Der Unterschied ist graduell – das Kernproblem ist dasselbe: Flucht als Methode, Schuss auf Bewegung, viele Beteiligte, hohes Risiko.
Beide Formen gehören zur Bewegungsjagd und teilen das strukturelle Problem, das sie von anderen Jagdformen wie dem Ansitz unterscheidet: Beim Ansitz wartet die Jägerin auf ein ruhiges Tier. Bei der Treibjagd erzeugt sie aktiv Stress und schiesst auf ein flüchtendes Tier. Das ist ein grundlegender Unterschied – tierschutzrechtlich, sicherheitstechnisch und ethisch. Im Kanton Bern sind in der Jagdordnung 2025/2026 Drück- und Treibjagden für bestimmte Gebiete wie die Schüpfenfluh bereits explizit verboten. Das zeigt: Regulierung ist möglich. Es fehlt am politischen Willen, sie flächendeckend umzusetzen.
Mehr dazu: Jagd in der Schweiz: Zahlen, Systeme und das Ende eines Narrativs und Ansitzjagd: Die stille Gewalt der Routine
Wissenschaft zum Wildtierstress: Was Kortisol-Messungen zeigen
Die Forschung zum Wildtierstress bei unterschiedlichen Jagdformen ist eindeutig. Eine 14-jährige Studie, die Blutkortisolkonzentrationen von erlegtem und verendetem Schalenwild verglich, differenzierte zwischen Pirsch, Drückjagd und Jagd mit Hunden. Das Ergebnis: Wild aus Treibjagden zeigt bis zu zehnfach höhere Kortisolwerte als Tiere, die ohne vorherige Beunruhigung beim Ansitz erlegt wurden und innerhalb von fünf Minuten nach dem Schuss verendeten.
Kortisol löst im Körper eine Stressskala aus: Der Blutzuckerspiegel steigt, Glykogenreserven werden mobilisiert, Herzfrequenz und Blutdruck nehmen zu, die Muskulatur wird stärker durchblutet. Was das für das Tier bedeutet: Es erlebt physiologisch messbare Todesangst, bevor der Schuss fällt. Treibjagd-Wild zeigt zudem höhere Lipidoxidation und teilweise helleres Fleisch – Hinweise auf starken Stress vor dem Tod. Starke Flucht führt zu Glykogenabbau und riskanten pH-Werten im Fleisch (sogenanntes DFD-Fleisch). Das ist keine Theorie. Es ist biochemisch messbar und publiziert. Wer Treibjagd als «wildschonend» bezeichnet, beschreibt nicht die Realität – sondern widerspricht ihr.
Mehr dazu: Wildtiere, Todesangst und fehlende Betäubung und Die irreführenden Aussagen von JagdSchweiz-Chef David Clavadetscher
Streifschüsse, Fehlabschüsse, Nachsuche: Das Leid endet oft nicht mit dem ersten Schuss
Schüsse auf flüchtende Wildtiere sind strukturell fehleranfälliger als Schüsse auf ruhende Tiere. Das Tier bewegt sich, die Schussposition ist unvorhergesehen, Zeitdruck entsteht, Gruppendynamik senkt die Vorsicht. Fehlabschüsse und Streifschüsse sind bei Bewegungsjagden häufiger als bei anderen Jagdformen.
Die Graubünden-Daten sind das schärfste verfügbare Bild: In fünf Jahren wurden 3’836 Tiere nur angeschossen statt tierschutzkonform erlegt. Der Anteil bleibt laut Wildbiologin und Wildbiologin laut Amt für Jagd und Fischerei «jedes Jahr ungefähr gleich». Nachsuchen mit Jagdhunden sollen das Problem lösen. In der Praxis heisst das: Ein Tier wird angeschossen, flüchtet, erleidet Schmerzen, bricht irgendwo zusammen – wenn es gefunden wird, nach Minuten, Stunden oder Tagen. Wenn es nicht gefunden wird, stirbt es langsam und bleibt in der Statistik unsichtbar. Die Nachsuche ist kein Sicherheitsnetz. Sie ist ein Eingeständnis, dass das System regelmässig Tierleid produziert.
Mehr dazu: Jagd und Tierschutz: Was die Praxis mit Wildtieren macht und Warum die Schweizer Jagd ein Nachsorgeproblem hat
Gefahr für Menschen: Wenn Treibjagden zur Sicherheitsfrage werden
Treibjagden betreffen nicht nur Wildtiere. Wo viele Schützinnen und Schützen, Treibende und Hunde gleichzeitig unterwegs sind, entstehen Risiken für alle, die denselben Raum nutzen. Exemplarisch:
Im November 2025 wurden zwei Spaziergänger bei einer Treibjagd im ostfriesischen Grossefehn von Schrotkugeln getroffen. Die 42-jährige Frau wurde an der Stirn getroffen, der 45-jährige Mann am Arm. Eine 40-jährige Jägerin gestand, den Schuss abgegeben zu haben. Gegen sie wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Das Paar war mit seinem Hund auf einem öffentlichen Weg unterwegs – und wusste nicht, dass eine Treibjagd stattfand.
Im Dezember 2024 wurde in Barssel/Harkebrügge (Deutschland) eine Frau auf ihrem eigenen Grundstück mit Schrot beschossen und musste ins Spital eingeliefert werden – weil in der Nähe eine Treibjagd stattfand. In Kärnten wurde ein 16-jähriger Jugendlicher von Schrotkugeln getroffen. Das Muster ist europaweit konsistent: Treibjagden gefährden Unbeteiligte, weil unkontrollierbare Schussfelder, fehlende Ankündigungspflicht und öffentliche Wege im Jagdgebiet strukturell zusammentreffen.
In der Schweiz fehlt eine systematische, öffentlich zugängliche Statistik zu solchen Vorfällen. Das ist nicht Evidenz dafür, dass es keine gibt – es ist Evidenz für eine Kontrollstruktur, die solche Vorfälle unsichtbar lässt.
Mehr dazu: Jagdunfälle in der Schweiz: Zahlen, Risiken und strukturelles Versagen und Jagd und Waffen: Eine unregulierte Verbindung
Wild flüchtet in Dörfer: Wenn Treibjagden ausser Kontrolle geraten
Wild, das in Panik getrieben wird, hält keine Gemeindegrenzen ein. Das Archiv von Wild beim Wild dokumentiert Fälle, in denen Wildtiere während Treibjagden bis in Wohngebiete getrieben wurden: erschöpft, verletzt, desorientiert. In solchen Situationen verändert sich die Sachlage grundlegend: Aus einer vermeintlich kontrollierten Jagd wird eine gefährliche Situation mitten in einem Dorf, auf einer Strasse oder in einem Privatgarten.
Hobby-Jäger, die ein Dorf «überfallen», wie Wild beim Wild einen dokumentierten Fall beschreibt, erleben dabei selten Konsequenzen. Die Kantonalität des Schweizer Jagdvollzugs bedeutet, dass Praxis, Kontrolle und Sanktionsmechanismen von Kanton zu Kanton stark variieren. Wer als Jäger in einem wenig kontrollierten Kanton agiert, ist strukturell besser geschützt vor Konsequenzen als das Wild, das er jagt.
Mehr dazu: Hobby-Jäger überfallen während einer Treibjagd ein Dorf und Jagd und Menschenrechte: Wenn Wildtiere und Bürgerrechte kollidieren
Politischer Status quo: Kantonsrecht, Transparenzlücken und das Solothurner Beispiel
Die Solothurner Kantonsrätin Monika Früh stellte einen Vorstoss ein, um Treibjagden zu verbieten. Die Solothurner Regierung verteidigte die Praxis – und bestätigte damit das klassische Muster: Politische Vorstösse prallen auf eine Jagdverwaltung, die Jagdinteressen strukturell nahesteht. Transparenz und unabhängige Kontrolle fehlen.
Der Vollzug der Jagd liegt in der Schweiz stark bei den Kantonen. Das führt zu heterogener Praxis bei Kontrolle, Dokumentation und Konsequenzen. Fehlabschüsse werden kantonal unterschiedlich erfasst, Treibjagdkontrollen sind nicht standardisiert und öffentlich zugängliche Nachsuche-Statistiken existieren in den wenigsten Kantonen. Das Ergebnis: Es ist bis heute nicht möglich, Kantone miteinander zu vergleichen oder das strukturelle Ausmass des Problems zu beziffern. Das ist nicht ein natürliches Informationsdefizit. Es ist eine politische Entscheidung gegen Transparenz – getroffen in einem System, das sich selbst kontrolliert.
Mehr dazu: Jagdgesetze und Kontrolle: Warum Selbstaufsicht nicht reicht und Jäger-Lobby in der Schweiz: Wie Einfluss funktioniert
Hunt-Watch: Zivilgesellschaft als Kontrollinstanz
Hunt-Watch ist ein Projekt, das Bürgerinnen und Bürger dazu einlädt, Jagden zu beobachten, zu dokumentieren und zu melden. In einem System, das strukturell intransparent ist und keine unabhängige externe Kontrolle kennt, ist zivilgesellschaftliche Beobachtung ein wirksames Gegengewicht.
Wer eine Treibjagd beobachtet, kann Folgendes dokumentieren und melden:
- Datum, Uhrzeit und genauen Ort der Beobachtung
- Beschilderung oder fehlende Beschilderung im Jagdgebiet
- Nähe zu Wanderwegen, Forst- oder Gemeindestrassen
- Beobachtetes Verhalten gegenüber Erholungssuchenden, Hundehalterinnen und Unbeteiligten
- Zahl der Beteiligten, sichtbare Ausrüstung, Verhalten der Hunde
- Reaktionen auf Nachfragen von Aussenstehenden
Jede Dokumentation ist ein Datenpunkt in einem System, das systematisch keine Daten produziert. Meldungen: Kontakt zu Hunt Watch
Mehr dazu: Hunt Watch richtet den Fokus auf Menschen, die Tiere töten und Aktiv werden gegen die Hobby-Jagd
Was sich ändern müsste
- Einschränkung bis Verbot von Treib- und Drückjagden aus Tierschutz- und Sicherheitsgründen
Der Kanton Bern hat für bestimmte Gebiete bereits Drück- und Treibjagdverbote in seiner Jagdordnung verankert. Das zeigt: Regulierung ist rechtlich möglich. Eine wissenschaftlich fundierte, kantonale Debatte über das Verhältnis zwischen Bewegungsjagd, Tierschutz und öffentlicher Sicherheit ist überfällig. Das Mindeste ist ein verbindliches Moratorium mit begleitendem, unabhängigem Monitoring. - Verpflichtende, transparente Nachsuche- und Fehlabschuss-Statistik
Kantonal einheitlich, öffentlich einsehbar, jährlich publiziert: Wie viele Tiere wurden angeschossen? Wie viele Nachsuchen wurden durchgeführt? Wie viele Tiere wurden nicht aufgefunden? Diese Zahlen existieren in Fragmenten – in Graubünden durch Akteneinsicht, in anderen Kantonen gar nicht. Ohne vollständige Daten ist keine unabhängige Kontrolle möglich. - Schärfere Regeln für Jagden in der Nähe von Siedlungen, Wegen und Strassen
Verbindliche Mindestabstände zu öffentlichen Wegen und Wohngebieten, Ankündigungspflicht über Gemeindeamtsblatt und kantonale Apps, aktive Sperrung von Wanderwegen während Treibjagden, empfindliche Sanktionen bei Verstössen. Das entspricht dem Standard anderer gefährlicher Tätigkeiten in öffentlichen Räumen und ist bei der Hobby-Jagd längst überfällig. Mustervorstösse: Verbot von Bewegungsjagden, Sicherheit der Bevölkerung: Mindestabstände, Sperrzonen, Meldepflicht und Transparente Jagdstatistik
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Treibjagd und Drückjagd?
Beides sind Bewegungsjagden. Bei der Treibjagd werden Wildtiere aktiv durch Lärm und Menschenreihen in Schussfelder gedrängt. Bei der Drückjagd wird Wild langsamer und gezielter bewegt, meist durch wenige Treiber oder Hunde. Das Kernproblem teilen beide: Flucht als Methode, Schuss auf Bewegung, erhöhtes Tierleid und erhöhtes Unfallrisiko.
Warum ist «Schuss auf Bewegung» tierschutzrelevant?
Weil Trefferlage und Sicht schwieriger sind, Zeitdruck höher ist und Fehlschüsse wahrscheinlicher werden. Ein Tier, das in Panik flieht, steht nicht still, bietet keine optimale Schussposition und reagiert auf Schusssound mit weiterer Flucht. Streifschüsse führen zu Leid über Stunden oder Tage – oft ohne, dass das Tier je gefunden wird.
Sind Treibjagden in der Schweiz überall gleich geregelt?
Nein. Der Vollzug ist kantonal. Praxis, Kontrolle und Transparenz unterscheiden sich erheblich. Der Kanton Bern hat für bestimmte Gebiete Drück- und Treibjagdverbote eingeführt. Die meisten anderen Kantone kennen keine spezifischen Einschränkungen für Bewegungsjagden.
Was bedeutet «Nachsuche» – und warum ist sie zentral?
Nachsuche ist die Suche nach angeschossenem Wild, um Leid zu beenden. Wenn sie nicht konsequent erfolgt oder nicht dokumentiert wird, bleibt das tatsächliche Ausmass von Tierleid unsichtbar. In den meisten Schweizer Kantonen gibt es keine öffentliche Nachsuche-Statistik.
Gibt es dokumentierte Fälle, in denen Wild in Dörfer flüchtet?
Ja. Das Archiv von Wild beim Wild dokumentiert Fälle, in denen Wildtiere während Treibjagden bis in Wohngebiete getrieben wurden – erschöpft, verletzt, desorientiert. Solche Situationen entstehen, wenn Jagddruck und Panik Wildtiere über ihre normalen Territorien hinausdrücken.
Warum ist Kortisol relevant für die Tierschutzdebatte?
Kortisol ist der biochemische Beweis für Stress und Angst. Treibjagd-Wild zeigt bis zu zehnfach höhere Kortisolwerte als ruhig erlegtes Wild. Das bedeutet: Die Tiere erleiden nachweislich massive Angst und Stress vor und während des Treibens – weit bevor ein Schuss fällt. Das ist Tierleid, das sich nicht wegdefinieren lässt.
Argumentarium
«Treibjagden sind wildschonend und gut geregelt.» Wild aus Treibjagden zeigt bis zu zehnfach höhere Kortisolwerte als Ansitzwild. Fehlabschüsse und Nachsuchen sind bei Bewegungsjagden strukturell häufiger. Spaziergänger werden verletzt, weil Treibjagden in offenen, gemeinsam genutzten Räumen stattfinden – ohne Ankündigungspflicht. Das ist keine seltene Ausnahme. Es ist das vorhersehbare Ergebnis einer Jagdform, die auf Angst und Flucht beruht.
«Treibjagden sind nötig, um Schwarzwildbestände zu regulieren.» Schwarzwild-Regulierung ist legitim, wo dokumentierte Schäden entstehen. Die Frage ist nicht «ob», sondern «wie». Gezielte Ansitzjagd an Schädigungsorten ist tierschutzrechtlich weniger belastend und sicherheitstechnisch besser kontrollierbar. Flächen-Treibjagden als Standardmethode sind weder biologisch noch ethisch notwendig.
«Hunde lösen das Nachsucheproblem.» Nachsuche mit Hunden setzt voraus, dass das angeschossene Tier gefunden wird. Verlassene Wälder, dichtes Unterholz, Dunkelheit und grosse Jagdgebiete machen das zu einer strukturellen Aufgabe, die regelmässig unvollständig erfüllt wird. «Wir suchen nach» ist nicht gleichbedeutend mit «wir finden». Die Zahlen aus Graubünden belegen, dass Fehlabschüsse dauerhaft auftreten – Nachsuche hin oder her.
«Unfälle mit Unbeteiligten sind absolute Ausnahmen.» Sie sind keine Ausnahme. Sie sind das vorhersehbare Ergebnis einer Praxis, bei der Schüsse in einer Richtung abgefeuert werden, in der Unbeteiligte sich unangekündigt bewegen können. Solange keine Ankündigungspflicht, keine Wegsperrung und keine unabhängige Kontrolle bestehen, ist das Restrisiko für Dritte strukturell – nicht individuell – verursacht.
Quicklinks
Beiträge auf Wild beim Wild:
- Treibjagd im Willbrigwald – Angst, Blut und die Täter
- Treibjagd in der Schweiz: Wenn ein Kind uns zeigt, wie falsch unser Umgang mit Wildtieren ist
- Treibjagd unter Beobachtung
- Warum die Schweizer Jagd ein Nachsorgeproblem hat
- Solothurner Regierung verteidigt Tierquälerei
- Solothurnerin will Treibjagd verbieten
- Wenn Hobby-Jäger schiessen, werden Spaziergänger zu Zielen
- Treibjagd in Kärnten: 16-Jähriger von Schrotkugeln getroffen
- Hobby-Jäger überfallen während einer Treibjagd ein Dorf
- Hunt-Watch: Zivilgesellschaft beobachtet die Hobby-Jagd
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- Afrikanische Schweinepest: Wie eine Tierseuche zur Rechtfertigung der Hobby-Jagd wird
- Jagdunfälle in der Schweiz
- Jagd und Tierschutz: Was die Praxis mit Wildtieren macht
- Jagd und Waffen
- Treibjagd in der Schweiz
- Ansitzjagd: Warten, Technik und Risiken
- Baujagd
- Fallenjagd
- Passjagd
- Sonderjagd in Graubünden
Unser Anspruch
Treibjagden sind die invasivste Form der Hobby-Jagd: Sie erzeugen massiven, biochemisch messbaren Stress bei Wildtieren, produzieren strukturell mehr Fehlabschüsse als andere Jagdformen und gefährden Unbeteiligte in öffentlich zugänglichen Räumen. Die 14-Jahres-Studie zu Kortisolwerten, die Graubünden-Daten zu 3’836 Fehlabschüssen in fünf Jahren und die dokumentierten Sicherheitsvorfälle in der Schweiz und Europa zeigen: Treibjagd ist weder wildschonend noch sicher. IG Wild beim Wild fordert Transparenz, unabhängige Kontrolle und die schrittweise Einschränkung bis zum Verbot von Bewegungsjagden. Wer eine Treibjagd beobachten oder dokumentieren möchte, findet alle Informationen bei Hunt Watch und kann sich jederzeit an uns wenden: Kontakt.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.