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Bildung

Nicht-einheimische Arten in Ökosystemen neu überdenken

Das Töten von Tieren, die nicht in ein Ökosystem "gehören", ist eine schädliche Strategie.

Redaktion Wild beim Wild — 5. Februar 2024

Eine neue Studie stellt den konventionellen Ansatz des Naturschutzes infrage, der oft dazu führt, nicht heimische Tiere in einem bestimmten Gebiet zu töten, um Pflanzenarten zu schützen.

Diese Praxis, die Millionen kostet und den Tod von Millionen gesunder Wildtiere zur Folge hat, beruht auf der Annahme, dass eingeführte grosse Pflanzenfresser oder Megafauna Ökosysteme schädigen, indem sie empfindliche Pflanzen schädigen, die einheimische Pflanzenvielfalt verringern und invasive Pflanzenarten fördern.

Neue Forschungsergebnisse der Universität Aarhus (Dänemark) und der Universität Oxford (Vereinigtes Königreich) deuten jedoch darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen einheimischen und nicht einheimischen grossen Pflanzenfressern möglicherweise nicht so eindeutig ist wie bisher angenommen.

Praktiken zur Tötung nicht einheimischer Tiere infrage stellen

Die Forscher führten eine umfassende Analyse durch, in der sie die Auswirkungen von einheimischen und eingeführten grossen Säugetierarten auf den Pflanzenbestand und die Pflanzenvielfalt in 221 Studien weltweit verglichen.

Ihre Ergebnisse zeigten, dass beide Gruppen ähnliche Auswirkungen auf einheimische Pflanzengemeinschaften haben.

Dr. Jeppe Kristensen vom Environmental Change Institute der Universität Oxford erklärte: «Wir finden keine Belege für die Behauptung, dass einheimische grosse Pflanzenfresser andere Auswirkungen auf Ökosysteme, in diesem Fall auf Pflanzengemeinschaften, haben als ihre nicht einheimischen Artgenossen.»

«Daher sollten wir die ökologische Rolle dieser Tiere – ob einheimisch oder nicht – in Ökosystemen untersuchen, anstatt sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu beurteilen.»

Merkmalsbasierte Auswirkungen auf Ökosysteme

Interessanterweise ergab die Studie, dass die ökologischen Auswirkungen invasiver Tiere stärker mit ihren Merkmalen zusammenhängen als mit ihrer Einheimizität.

So neigen beispielsweise kleinwüchsige selektive Fresser wie Rehe dazu, die Pflanzenvielfalt zu verringern, während grössere, nicht selektive Fresser wie Büffel diese eher erhöhen.

Dies wird darauf zurückgeführt, dass grosse Tiere nicht in der Lage sind, selektiv zu fressen, was die Dominanz bestimmter Pflanzenarten verhindert und die Artenvielfalt fördert.

Ferner stellt die Studie fest, dass die Körpermasse eines einzelnen Tieres einen einzigartigen Einfluss auf das Gesamtgewicht der Tiere in einem Gebiet hat, was die besondere Rolle grosser Tiere bei der Gestaltung von Ökosystemen unterstreicht.

Dr. Kristensen erklärte: «Während ein Elefant einen mittelgrossen Baum umstossen kann, können 50 Rothirsche das nicht. Um die Auswirkungen der Anwesenheit von Tieren auf die Landschaft zu verstehen, kann man nicht die Körpermasse summieren, sondern muss die Auswirkungen jeder einzelnen Tierart berücksichtigen.»

Das Paradoxon der Keulung: Naturschutz neu überdenken

Diese Forschung befasst sich auch mit den allgemeineren Auswirkungen der Ausrottung nicht heimischer Tiere, von denen viele in ihren heimischen Lebensräumen gefährdet sind.

Das Paradoxon, dass man Millionen ausgibt, um diese Tiere aus Gebieten zu entfernen, in denen sie als invasiv gelten, während ihre Populationen andernorts zurückgehen, wirft Fragen zu den derzeitigen Prioritäten des Naturschutzes auf.

Professor Jens-Christian Svenning von der Universität Aarhus meint: «Diese Interpretation deutet darauf hin, dass funktionelle Nischen, die durch Aussterben und Ausrottung in der jüngeren Vorgeschichte, oft durch den Menschen, frei geworden sind, besser mit Tieren mit ähnlichen funktionellen Merkmalen wie die verlorenen aufgefüllt werden, selbst wenn diese neuen Arten nicht heimisch oder verwildert sind.»

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die Wahrnehmung von einheimischen und nicht einheimischen Arten und ihrer Rolle in Ökosystemen zu überdenken.

Anstatt sich nur auf das Konzept der Zugehörigkeit zu konzentrieren, sollten Erhaltungsstrategien die Wiederherstellung wesentlicher Ökosystemfunktionen in den Vordergrund stellen, möglicherweise durch die anpassungsfähige Einführung nicht heimischer Arten. Auch die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert an diesem Paradigma.

Nicht einheimische Tiere einbeziehen, statt sie zu töten

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese bahnbrechende Studie die Naturschützer dazu anregt, langgehegte Vorstellungen über die Rolle von einheimischen und nicht einheimischen Arten in Ökosystemen zu überdenken.

Sie zeigt, dass der Einfluss grosser Pflanzenfresser auf die Pflanzenvielfalt und den Pflanzenbestand eher von individuellen Merkmalen als von der Herkunft abhängt, und stellt damit die kostspielige und oft kontraproduktive Praxis infrage, nicht heimische Tierarten allein aufgrund ihres nicht heimischen Status zu töten.

Stattdessen plädieren die Ergebnisse für einen adaptiven Erhaltungsansatz, der die ökologische Funktion in den Vordergrund stellt und das Potenzial nichtheimischer Arten berücksichtigt, wichtige Funktionen zu übernehmen, die von ausgestorbenen Arten aufgegeben wurden.

Dieser Paradigmenwechsel könnte nicht nur die Bemühungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt verbessern, sondern auch ein differenzierteres und umfassenderes Verständnis der Beiträge der Arten zur Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme fördern.

Die vollständige Studie wurde in der Zeitschrift Science veröffentlicht.

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