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Kriminalität & Jagd

Der wahre Problemwolf sitzt im Amt

Es ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die an echten Naturschutz glauben: Der Kanton Graubünden plant, ein weiteres Wolfsrudel im Unterengadin komplett auszulöschen.

Redaktion Wild beim Wild — 23. Oktober 2025

Nicht regulieren, nicht beobachten, sondern auslöschen.

Während die internationale Naturschutzunion IUCN mit der Motion 142 klar fordert, dass Wolfstötungen nur als allerletztes Mittel erlaubt sein dürfen, zeigt Graubünden, wie man mit dem Finger am Abzug auf der Jagd den Sinn von Artenschutz pervertiert.

Zwei Rudel haben sich dieses Jahr im Unterengadin gebildet, das ist kein Problem, das ist ein Erfolg. Es zeigt, dass die Natur imstande ist, sich selbst zu heilen, wenn man sie lässt. Doch statt Stolz auf diese Rückkehr der Wildnis zu empfinden, reagiert der Kanton mit Angst, Kontrolle und Blei. Ein Rudel hat Nutztiere gerissen – und schon wird zum Abschuss geblasen. So einfach, so bequem, so rückwärtsgewandt.

Wo bleibt die Verantwortung?

Der Wolf ist geschützt, nicht zufällig. Er ist Teil eines funktionierenden Ökosystems, er hält Wildbestände im Gleichgewicht und stärkt die Biodiversität. Doch was macht Graubünden? Es behandelt den Wolf, als wäre er ein unerwünschter Eindringling. Anstatt in besseren Herdenschutz, Ausbildung und Koexistenzstrategien zu investieren – wie es die Motion 142 verlangt –, setzt man auf den einfachsten Weg: töten.

Das ist kein Wildtiermanagement, das ist politisch motivierte Symbolpolitik. Ein Geschenk an jene, die lautstark Angst schüren und Fakten ignorieren. Es ist ein Einknicken vor Lobbydruck – und ein Verrat an der Verantwortung, die wir als Gesellschaft gegenüber der Natur tragen.

Wer Artenschutz ernst nimmt, kann dieses Vorgehen nicht akzeptieren

Die IUCN hat der Schweiz einen klaren Auftrag gegeben: Überarbeitet das Jagdgesetz, schafft eine rechtliche Grundlage für echte Koexistenz – und macht den Abschuss von Wölfen zur Ultima Ratio, nicht zur Routine. Doch Graubünden macht genau das Gegenteil und zieht die Schweiz wieder einmal mit in ein ökologisches und moralisches Fiasko.

Wenn wir den Wolf verlieren, verlieren wir mehr als eine Tierart. Wir verlieren den Beweis, dass Koexistenz zwischen Mensch und Wildnis überhaupt möglich ist.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Der wahre Problemwolf steht nicht auf vier Beinen im Engadin – er sitzt im Amtszimmer, trägt Anzug und nennt Zerstörung «Verwaltung».

Und das BAFU? Statt als Hüter des Naturschutzes aufzutreten, macht es sich zum Erfüllungsgehilfen der Kantone. Kein kritisches Hinterfragen, kein konsequentes Prüfen, ob Herdenschutzmassnahmen ausgeschöpft wurden, die Abschussgesuche werden fast reflexartig bewilligt. Damit höhlt die Behörde ihren eigenen Auftrag aus und verrät den Schutzstatus des Wolfs.

Wer den Artenschutz ernst nimmt, darf nicht bloss Stempel und Unterschrift liefern, sondern muss die Stimme der Natur vertreten. Alles andere ist eine Bankrotterklärung.

Die Schweiz ist nicht allein auf dieser Welt. Sie hat internationale Abkommen wie die Berner Konvention und die Biodiversitätskonvention unterzeichnet, die klaren Schutz für den Wolf verlangen. Diese Verträge sind keine unverbindlichen Empfehlungen, sondern Verpflichtungen. Wer sie ignoriert, verspielt Glaubwürdigkeit auf internationaler Bühne. Gerade ein Land, das sich gerne als Vorreiter im Naturschutz präsentiert, darf sich nicht hinter kantonalen Abschussfantasien verstecken. Wenn die Schweiz ihre eigenen Zusagen bricht, sendet sie ein fatales Signal: dass Verträge und Artenschutz nur gelten, solange sie politisch bequem sind.

Dossier: Wolf Schweiz: Fakten, Politik und Grenzen der Jagd

Mitmach-Aktion: Fordert bei Eurer Gemeinde aufgrund der katastrophalen Politik von Bundesrat Albert Rösti (SVP) ein Erlassgesuch für die Bundes- und Kantonssteuern aufgrund des neulich bewilligten Abschusses von Wölfen in der Schweiz. Den Musterbrief könnt ihr hier downloaden: https://wildbeimwild.com/ein-appell-fuer-eine-veraenderung-in-der-schweiz/

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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