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Tierwelt

69 tote Vögel unter einer Windpark-Anlage entdeckt

Der Gotthard-Windpark und seine Auswirkungen auf die Vögel stehen heute im Rampenlicht der eidgenössischen Presse.

Redaktion Wild beim Wild — 2. Mai 2024

Biologe findet 69 Kadaver unter einem Turm

Der Tages-Anzeiger (TA) bezweifelt, dass die Zahl der Vögel, die den Rotorblättern der Anlage zum Opfer fallen, unterschätzt wird.

In einem ganzseitigen Artikel berichtet die Zeitung, dass ein Biologe der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach im Juni 2021 unter einem der Türme des Windpark Gotthard 69 Vogelkadaver gefunden hat. «Ich war beeindruckt, wie viele tote Tiere ich rein zufällig gefunden habe», berichtet der Forscher Stefan Werner gegenüber dem TA. Darunter auch gefährdete und potenziell gefährdete Arten wie Fitis, Neuntöter und Schafstelze sowie zahlreiche tote Insekten.

Die Vogelwarte informierte umgehend den Bund, den Kanton Tessin und den Betreiber der Anlage, die Azienda elettrica ticinese (AET). Nach Angaben eines AET-Sprechers war das Stilllegungssystem des Windparks zu diesem Zeitpunkt noch nicht gut kalibriert.

Opferzahlen nicht glaubwürdig

In der Zwischenzeit hat das Unternehmen, in Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden, im Februar die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung vorgelegt, wonach es bis zu 10 Kollisionen pro Turbine und Jahr gibt. Zahlen, die nach Ansicht von Elias Vogt, Präsident des Schweizerischen Freiflächenverbandes, nicht glaubwürdig sind.

Das Thema ist sehr brisant, weil am 9. Juni über das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien abgestimmt wird. «Die grösste Bedrohung für unsere Vögel ist der Klimawandel», argumentiert Priska Wismer-Felder, Nationalrätin (Mitte/LU) und Vizepräsidentin von Suisse Eole, der Organisation, die die Interessen der Windkraftindustrie vertritt, gegenüber der Zürcher Zeitung. «Die Gefahr, die von Windturbinen ausgeht, ist dagegen gering.»

Langlebige Arten besonders gefährdet

Stefan Werner findet, dass solche Vergleiche zu einfach sind. «Gerade bei langlebigen Vögeln mit geringer Reproduktionsrate können ein paar zusätzliche Todesfälle pro Jahr zum Verschwinden der Art in dem betreffenden Gebiet führen.» Der Experte nennt in diesem Zusammenhang Bartgeier, Uhu und Rotmilan als Beispiele.

Eine weitere Gefahr für Vögel ist die Zerstörung von Lebensräumen durch Windparks, wenn der Standort nicht sorgfältig gewählt wird. Dies spiegelt sich in den Todesfällen nicht wider: Eine reine Zahlendiskussion sei daher nicht angebracht, so der Experte. Werner will die Abstimmung im Juni nicht kommentieren, sondern lediglich darauf hinweisen, dass er als Wissenschaftler eine klare Position vertritt: «Wir müssen die Folgen der Windenergienutzung für die Vögel ernsthaft prüfen.»

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