Jagdindustrie und FACE: Lobbyarbeit in Brüssel
Blaser, der Hersteller von Jagdwaffen verlängert sein Gold‑Patronat für FACE und damit die finanzielle Rückendeckung für jene Jägerlobby, die in Brüssel um jeden Schuss kämpft.
Auf Jagdmessen wird das als Bekenntnis zu «Naturverständnis» und «nachhaltigem Management» verkauft, tatsächlich geht es um Einfluss auf Jagdgesetze, Artenschutz und Abschusszahlen in ganz Europa.
Wer Jagdverbände unterstützt, kauft sich Präsenz in den entscheidenden Ausschüssen, wenn über Wölfe, «Schadwild» oder strengere Naturschutzvorgaben verhandelt wird.
In unserem Hintergrundbericht zu FACE in Brüssel: Hobby-Jagd als Marke, Lobbying als Methode zeigen wir, wie aus einem Hobby ein politisches Produkt wird. Die Jägerverbände verpacken Freizeitabschüsse in eine Marketing-Sprache aus «Biodiversität», «Kulturlandschaft» und «bürgerlichem Engagement», während sie hinter den Kulissen systematisch gegen strengere Regeln für Schiesszeiten, Fangjagd, Bleimunition und Beutegreifer arbeiten. Dass in Europa etwa 80 Prozent der nationalen Jagdvorschriften heute von EU-Recht geprägt sind, macht Brüssel zur zentralen Bühne dieser Inszenierung.
Gleichzeitig steckt die europäische Hobby-Jagd in einer handfesten Krise: Der ökologische Fussabdruck der Landwirtschaft, das Artensterben und der Druck auf grosse Beutegreifer passen immer weniger zum romantisierten Bild des «naturverbundenen Hobby-Jägers». In der Analyse Jagdkrise in Europa: FACE kämpft um Schüsse, die Schweiz bleibt im Schatten dokumentieren wir, wie FACE mit Angstnarrativen, vom «Problemwolf» bis zum angeblich explodierenden Schalenwildbestand, versucht, Abschüsse als alternativloses Management zu verkaufen. Während in der EU immer neue Ausnahmebestimmungen zur Wolfsregulierung diskutiert werden, bleibt die Schweiz abhängig von diesen Entwicklungen, ohne selbst ein starkes wildtierfreundliches Gegengewicht in der europäischen Lobbylandschaft aufzubauen.
Für die Jagdindustrie ist diese Jagdkrise auch ein Absatzproblem. Sponsoren wie Blaser nutzen ihre Rolle als «Partner der Hobby-Jägerschaft» gezielt, um Waffen, Optiken und Zubehör als Teil einer vermeintlich verantwortungsvollen «Hege» zu positionieren. In Wahrheit verschmelzen Marketing, Lobbying und Gesetzgebung: Gelingt es FACE, Abschussmöglichkeiten zu verteidigen oder auszuweiten, sichert das auch die Nachfrage nach immer neuen Jagdprodukten. Dass Wildtiere dabei vor allem als Ressource und Zielscheibe erscheinen, ist kein Unfall, sondern Strukturprinzip dieser Allianz aus Industrie und Verbänden.
Wer die Debatte um Wolf, Artensterben und Jagdrecht verstehen will, muss deshalb den Blick auf diese Machtachsen richten: von der Messehalle über das Sponsoring bis in die Ausschüsse der EU-Institutionen. Solange Gold-Patronate und geschlossene Hinterzimmergespräche die Richtung vorgeben, bleibt die Perspektive von Wildtieren, Ökologie und Tierschutz marginalisiert. Genau hier setzt unsere Kritik an: Wir dokumentieren die Strategie der Jägerlobby, benennen ihre wirtschaftlichen Interessen und stellen ihr eine wildtierzentrierte Sicht gegenüber, die nicht vom Gewehrlauf her denkt.
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