2. April 2026, 10:34

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Jagd

Hobby-Jagd ethisch vertretbar? ARTE fragt

Die Frage ist einfach gestellt, die Antwort ist es nicht: Braucht es die Hobby-Jagd, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten – oder ist das ein Mythos, den die Jagdlobby seit Jahrzehnten pflegt?

Redaktion Wild beim Wild — 10. März 2026

Der Fernsehsender ARTE widmet sich genau dieser Frage in der neuen Folge der Wissenschaftsreihe «Agree to Disagree!», die seit dem 9. März 2026 abrufbar ist. Moderiert wird die 27-minütige Diskussion vom Psychologen Prof. Dr. Bertolt Meyer, der zwei Forschende mit gegensätzlichen Positionen zusammenbringt.

Die ARTE-Doku im Überblick

Die Sendung beleuchtet Hobby-Jagd als kontroverses Gesellschaftsthema aus drei Perspektiven: der Tradition (Jagd als Kulturgut), dem Tierwohl (ethische Einwände) und der Wissenschaft (Suche nach Alternativen). Die zentrale Frage lautet: Kann auf natürliche Weise der Erhalt des ökologischen Gleichgewichts garantiert werden, ohne Schusswaffe? Der Hobby-Jäger Dr. Florian Asche hat einmal mehr mit wirren Ideologien Fakten verdreht.

Sanitärische und therapeutische Abschüsse der rund 12 Wildhüterinnen und Wildhüter im Kanton Genf sind nicht das Gleiche wie eine regulatorische Bejagung anhand des Jägerlateins oder falsch verstandener Naturerfahrung der Hobby-Jägerschaft.

Vor dem Jagdverbot für die Hobby-Jägerschaft in Genf wurden pro Jahr über 400 Jagdpatente verkauft. Drei Vollzeitstellen sind heute nötig für die Regulation der Wildtiere und Prävention, was einen enormen Gewinn für die Biodiversität bedeutet, die auch wissenschaftlich belegt und sichtbar ist. Typische Schweizer Werte wie Sicherheit, Tierschutz und Ethik sind die Devise in Genf. Insgesamt muss der Kanton Genf rund eine Million Franken inkl. Wildschäden pro Jahr für das Wildtiermanagement aufbringen. Im Vergleich dazu würde die Fischerei wesentlich mehr Kosten verschlingen, obwohl da Lizenzen verkauft werden.

Diese Wildhüterinnen und Wildhüter verfügen über eine staatlich anerkannte Fachausbildung, die weit über das hinausgeht, was ein Hobby-Jagdpatent verlangt. Regulationsabschüsse erfolgen ausschliesslich nachts, mit Lichtverstärker, nach Einzelidentifikation des Tieres. 99 % der Abschüsse sind sofortige Tötung, keine Hatz, kein Jagdunfall. Es gibt Jahre, in denen im Kanton Genf kein einziges Reh, kein Fuchs, kein Hase usw. erschossen wird.

Die Wildschweinschwemme ist durch falsche Bejagung der Hobby-Jägerschaft in Deutschland auch hausgemacht. Das selbe kann man beim Waschbär oder Fuchs und anderen Arten beobachten.

Eigene Jagdhunde darf die Hobby-Jägerschaft nicht töten, das wäre eine Straftat nach § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG), da kein «vernünftiger Grund» vorläge. Jagdhunde sind Eigentum und rechtlich Haustiere.

Was die Schweiz längst beweist

Diese Frage beantwortet die Schweiz seit über 50 Jahren mit einem klaren Praxisbeispiel: Im Kanton Genf ist die Freizeitjagd seit 1974 per Volksentscheid verboten. Seither regulieren staatliche Wildhüterinnen und Wildhüter den Wildtierbestand, und das Ergebnis widerlegt das Kerndogma der Jagdlobby: Die Biodiversität hat sich verbessert, Wildtierpopulationen haben sich stabilisiert, und die Vogelwelt am Genfersee wuchs von wenigen Hundert auf 30’000 Wintergäste an. Genf hat heute ausserdem die grösste Feldhasen-Populationsdichte und die letzte Rebhuhn-Population der ganzen Schweiz.

Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei und wissenschaftlich intensiv begleitet. Auch hier zeigen Jahrzehnte an Forschung: Weder in unberührten Naturparks noch in dicht besiedelter Kulturlandschaft ist eine Bestandskontrolle durch die Hobby-Jagd notwendig.

Wildhüterinnen und Wildhüter statt Hobby-Jägerschaft: das Modell der Zukunft

Was Genf seit 50 Jahren praktiziert, lässt sich auf andere Kantone übertragen. Professionelle Wildhüterstrukturen nach Genfer Vorbild ersetzen die bewaffnete Miliz durch staatlich angestelltes Fachpersonal, das nach klaren ökologischen Kriterien, transparent, tierschutzgerecht und ohne Trophäenlogik handelt.

Die Stadt Bern hält ebenfalls fest: Es sei wichtig, gewaltfreie Wege im Wildtiermanagement zu evaluieren und umzusetzen, darunter Jagdbanngebiete, die Förderung von Beutegreifern wie dem Luchs sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen.

Die ARTE-Doku wirft die richtigen Fragen auf. Die Antworten liegen für die Schweiz längst auf dem Tisch. Wer die Diskussion vertiefen möchte, findet auf wildbeimwild.com das Dossier Alternativen zur Hobby-Jagd sowie das Dossier Freizeitgewalt an Tieren beenden, mit konkreten politischen Handlungsoptionen für Kantone und Mustertexten für politische Arbeit.

Warum Freude am Töten kein harmloses Freizeitmotiv ist

Menschen, die Freude daran empfinden, Lebewesen zu töten und dafür zu bezahlen, zeigen aus psychologischer Sicht kein normales Freizeitverhalten. Dieses Verhalten widerspricht grundlegenden Mechanismen von Empathie, Mitgefühl und moralischer Hemmung, wie sie beim Grossteil psychisch gesunder Menschen vorhanden sind. Psychologisch handelt es sich um abweichendes Gewaltverhalten, auch wenn es politisch oder kulturell geduldet wird.

Freude am Töten ist ein klassisches Merkmal lustbasierter Gewalt. Der Gewaltakt selbst wirkt belohnend. Nicht das Ergebnis, nicht die Notwendigkeit, sondern das Töten. Das ist kein Randphänomen, sondern in der Gewaltpsychologie klar beschrieben.

Wer die Hobby-Jagd als Freude erlebt, zeigt eine psychologisch problematische Gewaltmotivation, die historisch und strukturell mit autoritären und entwertenden Ideologien verwandt ist.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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