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Jagd

Waldgrundstücke in Hildesheim jagdfrei

Andrea Thoni und ihre beiden Schwestern sind Eigentümerinnen von zwei Waldgrundstücken in Harsum (Landkreis Hildesheim in Niedersachsen).

Redaktion Wild beim Wild — 24. November 2022

Die beiden aneinandergrenzenden Wäldchen in der Gemarkung Adlum sind 9’825 qm und 8’377 qm gross.

Nach einer Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Hannover sind die Waldgrundstücke seit dem 14.3.2022 offiziell jagdfrei.

Der Vater der drei Schwestern hatte vor 40 Jahren diese beiden Wäldchen in der Hildesheimer Börde gepflanzt – als Naturschutz-Projekt und aus Liebe zu Natur und Tieren. Vor 20 Jahren übertrug er die Waldgrundstücke an seine Töchter, welche 2018 das Jagdverbot beantragten.

«Vor etlichen Jahren sind uns einige Kugeln um die Ohren geflogen»

«Meine beiden Schwestern und ich sind eine Grundstücksgemeinschaft», erzählt Andrea Thoni. «Wir haben die beiden Waldgrundstücke vor etwa 20 Jahren von unserem Vater bekommen, er ist noch sogenannter Niessbrauchnehmer. Die beiden Grundstücke liegen direkt hinter unserem Haus, sie grenzen an unseren Garten und unsere Pferdekoppel mit einem Reitplatz, der zu dem Grundstück dazugehört.» Wenn also in den beiden Wäldchen gejagt wurde, passierte das direkt neben dem Garten, den Pferdekoppeln und dem Reitplatz. «Vor etlichen Jahren sind uns einige Kugeln um die Ohren geflogen. Meine Schwester sass da gerade auf dem Pferd. Durch die Schüsse scheute das Pferd, meine Schwester ist beinahe heruntergefallen. Und wir haben nachher auch gesehen, dass am Reitplatz Kugeln in das Holz eingeschlagen waren», berichtet Andrea Thoni.

Wir haben uns dann an die Gemeinde gewendet und haben – blauäugig wie wir waren – geglaubt, dass die Hobby-Jagd dort neben dem Reitplatz verboten wird. Aber wir bekamen die Antwort: Nein, der Hobby-Jäger darf natürlich schiessen in Ihrem Wald, aber nicht in Ihre Richtung!

Diese potenzielle Gefährdung durch Hobby-Jäger sei aber nicht der Grund für den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung gewesen. «Ich bin hier geboren und aufgewachsen und ich mache kein Hehl daraus, dass ich Tierschützerin bin – und da habe ich bereits den ein oder anderen Hobby-Jäger deutlich angesprochen. Es geht uns bei dem Jagdverbot in unseren Waldgrundstücken um ethische Gründe!»

Vor einigen Jahren hatte Andrea Thoni in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung einen Artikel über die Möglichkeit gelesen, private Grundstücke aus ethischen Gründen jagdfrei stellen zu lassen. Schliesslich informierte sie sich auf der Internetseite der Initiative Zwangsbejagung ade und nahm Kontakt mit Thomas Huber auf, der zusammen mit seiner Frau im nördlichen Niedersachsen den Ulmenhof, einen Gnadenhof, betreibt. Rechtsanwalt Peer Fiesel führt bundesweit über 100 Befriedungsverfahren, davon etwa 42 gerichtlich.

Antrag auf jagdrechtliche Befriedung aus ethischen Gründen

Am 22. Juni 2018 stellten Andrea Thoni und ihre beiden Schwestern den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung aus ethischen Gründen für die beiden Waldgrundstücke bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde des Landkreises Hildesheim. «Ich habe das – zunächst ohne Anwalt – ganz einfach verfasst, dass wir für diese beiden Flurstücke die jagdrechtliche Befriedung beantragen. Als Begründung schrieben wir: Wir lehnen das Töten von Tieren aus ethischen Gründen ab. Tiere sind für uns gleichberechtigte Wesen. Wir engagieren uns im Tierschutz. Wir sind Vegetarier.»

Jagdbehörde reagiert über Monate nicht

Dann hörten die Grundstückseigentümerinnen erst mal gar nichts. «Wir haben nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten.» Am 22. November – fünf Monate nach der Antragstellung – rief der Sachbearbeiter schliesslich zurück. Ende März – ganze 10 Monate nach Antragstellung – forderte er detailliertere Begründungen an.

Die Grundstückseigentümerinnen brauchen einen langen Atem

Die drei Schwestern mussten ein mehrseitiges Formular ausfüllen, denn die reine Behauptung ethischer Gründe genüge nicht, so die Jagdbehörde. «Da haben wir dann aber richtig losgelegt!», berichtet Andrea Thoni. Alle angrenzenden Nachbarn wurden befragt. Die Bauern sprachen sich alle für die Hobby-Jagd aus. «Die einzigen, die gesagt haben, dass sie da überhaupt keine Probleme sehen, wenn da nicht gejagt wird, waren die Polizei.»

Der Landkreis erklärt die Waldgrundstücke für befriedet

Am 4.5.2020 – zwei Jahre nach der Antragstellung – erklärte der Landkreis Hildesheim die beiden Waldgrundstücke für jagdrechtlich befriedet. Doch kurze Zeit später kam die Klage der Jagdgenossenschaft gegen den Landkreis Hildesheim vor dem Verwaltungsgericht Hannover.

Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Hannover

Am 14.3.2022 fand die mündliche Verhandlung statt. «Und da sind die Hobby-Jäger dann rasant auseinandergefallen und dem Anwalt der Hobby-Jäger ist das Lachen gefroren», berichtet Andrea Thoni. Die Jagdgenossenschaft habe am Ende die Klage zurückgezogen, damit es für sie nicht noch teurer wird.

Die beiden Waldgrundstücke sind ab sofort jagdfrei!

Seit der Verhandlung am 14.3.2022 sind die Waldgrundstücke offiziell jagdfrei. «Wir mussten beim Landkreis für die Befriedung 670 Euro bezahlen, dazu kommen die Anwaltskosten – insgesamt hat uns die Befriedung rund 2’500 Euro gekostet», berichtet Andrea Thoni. «Und das ist wohl die grösste Angst der Hobby-Jägerschaft: dass das publik wird und noch andere Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer auf die Idee kommen.»

Weitere jagdfreie Grundstücke in Niedersachsen gibt es im Landkreis Uelzen, im Landkreis Lüneburg, im Landkreis Wesermarsch sowie in den Landkreisen Aurich und Wittmund in Ostfriesland.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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