Jagdmesse Schweiz in der Umwelt Arena Spreitenbach
In einer Arena, die sich dem Umweltschutz verschrieben hat, drehte sich dieses Wochenende alles um Waffen, Trophäen und Jagdtourismus. Die erste «Jagdmesse Schweiz» in der Umwelt Arena Spreitenbach – ein Widerspruch, der nicht nur auf dem Papier brennt.
Die Umwelt Arena Spreitenbach wirbt mit dem Versprechen, «nachhaltige Lebensweisen, ökologische Verantwortung und Zukunftslösungen» zu vermitteln.
Ihr Slogan: «Tradition trifft Zukunft». Doch welche Tradition gemeint ist, zeigte dieses Wochenende deutlich: AJV (Aargauischer Jagdschutzverein), JagdZürich und RevierJagd Luzern präsentierten Gewehre, Jagdreise-Anbieter und «neueste Innovationen» rund um das Töten von Wildtieren. Wer zahlt, wer schiesst, wer sammelt Trophäen, alles unter dem Dach einer «Umwelt-Einrichtung», die sich damit ihren eigenen Anspruch untergräbt.
Protest mit 850 E-Mails und Demo vor Ort
Der Widerspruch blieb nicht unkommentiert. Bereits Wochen vor der Messe hatte eine Petition der IG Wild beim Wild der Gemeinde Spreitenbach 850 Protest-E-Mails übermittelt. Die Botschaft war unmissverständlich: Eine Messe, die Hobby-Jagd und Trophäenkultur als attraktive Freizeitaktivität vermarktet, ist in einer Einrichtung, die für Umweltbildung steht, nicht vertretbar.
Am Samstag und Sonntag, dem 7./8. März, demonstrierten Tierschützerinnen und Tierschützer friedlich vor Ort in Spreitenbach. Die Organisation HUNT WATCH, Stop Hunting war nicht drinnen, sondern draussen: sichtbar, entschlossen, unbequem. Die bekannten Pöbeleien der Hobby-Jägerschaft fehlten auch einmal mehr nicht.
«Wir sind keine moralische Instanz»
Arena-Geschäftsführer Ivan Skender verteidigte den Entscheid, die Messe zu beherbergen, mit einer bemerkenswerten Aussage: Die Umwelt Arena verstehe sich «nicht als moralische Instanz, sondern als Ort des Diskurses und der Meinungsbildung». Klingt offen. Ist es aber nicht.
Denn wer einer Jagdmesse Raum gibt, gibt ihr auch Legitimität. Ein «Ort des Diskurses» wäre eine Veranstaltung, bei der Tierschutzpositionen gleichberechtigt neben Hobby-Jägerinteressen stehen. Was stattfand, war ein Werbe- und Networking-Anlass der Hobby-Jagdlobby, bezahlt, beworben und von der Umwelt Arena abgestempelt. Diskurs sieht anders aus.
Normalisierung durch Inszenierung
Was die «Jagdmesse Schweiz» tut, ist subtil und wirksam: Sie normalisiert das Töten von Wildtieren als gesellschaftlich akzeptierte Freizeitbeschäftigung. Jagdreise-Anbieter, Workshops und «Experten-Vorträge» verwandeln die Tötung lebender Wesen in ein Lifestyle-Angebot, vollständig konsumierbar, käuflich, entleert von jeder ethischen Reflexion.
Die IG Wild beim Wild weist seit Jahren darauf hin, dass die Hobby-Jägerschaft in der Schweiz jährlich zehntausende gesunde Wildtiere tötet, Rehe, Füchse, Gämsen, oft unter Qualen, oft mit Munition, die Greifvögel wie Steinadler und Bartgeier mit Blei vergiftet. In keinem anderen Land in Europa ist der Anteil bedrohter Arten so hoch wie in der Schweiz, ein Ergebnis jahrzehntelanger «Hege und Pflege» durch die Hobby-Jägerschaft.
Was die Arena schuldet
Eine Einrichtung, die sich «Umwelt Arena» nennt, trägt Verantwortung. Nicht als «moralische Instanz», sondern als öffentlich sichtbares Zeichen dafür, was als «umweltverträglich» gilt. Wer eine Jagdmesse beherbergt und gleichzeitig für Nachhaltigkeit und Artenschutz wirbt, macht eines von beidem unglaubwürdig.
Die IG Wild beim Wild fordert daher: keine künftige Vermietung von Räumen für Jagd- oder Tierbörsenveranstaltungen, die Tierleid verharmlosen. Die Umwelt Arena schuldet nicht nur ihrer Marke, sondern den Wildtieren dieses Landes eine klare Antwort.
Weiterführende Informationen: Jagd und Tierschutz · Jagdmythen-Dossier · Trophäenjagd-Dossier
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