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Tierrechte

Spreitenbach zeigt Tierschutzplattform an

Die Gemeinde Spreitenbach hat Anzeige gegen eine Tierschutzplattform eingereicht.

Redaktion Wild beim Wild — 30. Januar 2026

Der Anlass ist bemerkenswert und wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang von Behörden mit zivilgesellschaftlichem Engagement auf.

Auslöser der Anzeige sind nicht falsche Tatsachenbehauptungen, keine Verleumdung und keine Aufrufe zu Gewalt, sondern eine hohe Anzahl von Protestmails aus der Bevölkerung.

Ausgangspunkt war unter anderem eine Recherche des Schweizer Tierschutz STS zu zehntausenden dokumentierten, mutmasslich tierschutzwidrigen Reptilienhaltungen in der Schweiz.

Unter anderem in direkter Folge dieser Recherche lancierte wildbeimwild.com die Petition «Schluss mit der Tierquälerei in der Umwelt Arena Spreitenbach». Die Petition steht im Zusammenhang mit einer geplanten Jagdmesse in der Umwelt Arena Spreitenbach. Soweit aus Programmen, Ausstellerlisten und üblichen Messeformaten ersichtlich, stehen bei Jagdmessen regelmässig jagdbezogene Produkte und Praktiken im Vordergrund, darunter Waffen und Ausrüstung. Aus Sicht von wildbeimwild.com ist dies nicht identisch mit Naturschutzprojekten wie Biotoppflege, Wildtierkorridoren, Pestizidreduktion oder Bergwaldprogrammen. Wir halten es für problematisch, wenn Naturschutzbegriffe genutzt werden, um eine Veranstaltung zu rahmen, deren Kern das Hobby-Jagen und Töten von Tieren als Freizeitaktivität betrifft.

Statt die dokumentierten Missstände ins Zentrum zu stellen, reagiert die Gemeinde nun gegen jene Plattform, die diese Missstände öffentlich gemacht hat.

Nach der Veröffentlichung der Petition wandten sich Hunderte Bürgerinnen und Bürger per E-Mail an die Gemeinde Spreitenbach. Sie äusserten ihr Unverständnis über Tierquälerei, über behördliche Untätigkeit und über die Rolle der Umwelt Arena als Austragungsort von Jagdmessen, Tierbörsen und ähnlichen Anlässen. Diese Reaktionen erfolgten freiwillig, individuell und als Ausdruck demokratischer Meinungsäusserung.

Rechtlich auffällig ist, dass sich die Anzeige nicht auf unzutreffende Inhalte bezieht. Im Kern geht es um die Menge an Zuschriften, die aus zivilgesellschaftlichem Engagement in der warmen Beamtenstube gelandet sind.

Aus Sicht von wildbeimwild.com wirft das eine grundsätzliche Frage auf. Wenn Behörden Anzeigen erstatten, weil Bürgerinnen und Bürger ihr Recht auf Meinungsäusserung wahrnehmen, verschiebt sich der Fokus vom Tierwohl hin zur Abschreckung von Kritik.

Die zentralen Sachfragen bleiben unbeantwortet. Weshalb wird Engagement problematisiert, statt Missstände konsequent zu beheben?

wildbeimwild.com hält klar fest. Es gab keinen Aufruf zu Spam. Es wurden keine E-Mails ohne Wissen oder Zustimmung realer Personen versendet. Jede Person musste aktiv zustimmen. Jede Nachricht steht für eine reale Person und eine bewusste Entscheidung.

Das entspricht gängigen Formen politischer Willensbildung. Online-Petitionen, parlamentarische Petitionsplattformen oder Aktionen von Organisationen funktionieren nach demselben Prinzip. Entscheidend ist nicht die technische Form, sondern die freiwillige Willensäusserung. Problematisch wäre eine Aktion nur dann, wenn Nachrichten ohne Zustimmung versendet würden oder wenn eine gezielte Überlastung beabsichtigt wäre. Beides trifft hier nicht zu.

Weder die Gemeinde Spreitenbach noch die Umwelt Arena haben sich bei uns beschwert oder das Gespräch gesucht.

Technisch ist es für jede Verwaltung ohne Weiteres möglich, E-Mails nach Absender, Domain, Provider oder weiteren Kriterien zu filtern oder zu deaktivieren. Eine grössere Anzahl gleichartiger Zuschriften stellt daher keinen unlösbaren Eingriff in den Verwaltungsbetrieb dar, sondern gehört heute zum üblichen Umgang mit digitaler Bürgerkommunikation.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für unverhältnismässig, legitime und freiwillige Meinungsäusserungen aus der Bevölkerung als strafrechtlich relevant zu behandeln.

Der Fall Spreitenbach geht damit weit über eine einzelne Gemeinde hinaus. Er berührt die Frage, wie Behörden mit unbequemer Tierschutzkritik umgehen und wo der Versuch beginnt, zivilgesellschaftliches Engagement zu kriminalisieren.

Wenn nicht Tierleid, sondern die Anzahl legitimer Bürgerreaktionen als Problem behandelt wird, entsteht eine gefährliche Logik. Verantwortung wird verschoben. Kritik wird zur Störung erklärt. Das wirkt abschreckend auf Engagement und Meinungsfreiheit.

Gerade im Kontext von Jagdmessen zeigt sich ein strukturelles Muster. Hobby-Jagd wird als Tradition oder Freizeitaktivität vermarktet, während Gewalt und Tierleid ausgeblendet oder relativiert werden. Kritische Stimmen gelten als störend, statt als notwendiger Teil demokratischer Kontrolle. Grundlagen zur Einordnung finden sich im Dossier zur Hobby-Jagd auf wildbeimwild.com.

Der Fall Spreitenbach ist deshalb mehr als ein lokaler Konflikt. Er zeigt exemplarisch, wie Institutionen reagieren können, wenn Tierschutzkritik öffentlich wird. Und er stellt die entscheidende Frage. Wer wird geschützt? Die Tiere oder die Strukturen, die ihr Leid ermöglichen.

Jetzt handeln und Verantwortung einfordern

Die geplante Jagdmesse vom 7. bis 8. März 2026 in der Umwelt Arena Spreitenbach steht sinnbildlich für eine Freizeit- und Tötungskultur, die mit modernem Tier- und Naturschutz unvereinbar ist. Ebenso problematisch ist, dass die Umwelt Arena wiederholt Tierbörsen eine Bühne oder Räume bietet, bei denen Tierleid verharmlost oder kommerzialisiert wird. Artgerecht ist nur ihre Freiheit.

Rund 60’000 Reptilienhalterinnen und -halter halten ihre Tiere laut Schweizer Tierschutz falsch und tierquälerisch. Der Verstoss gegen die Tierschutzverordnung ist illegal und strafbar. Eine der zentralen Drehscheiben dieses Systems ist genau diese Umwelt Arena in Spreitenbach.

Deshalb braucht es jetzt klare Reaktionen aus der Bevölkerung.

Schreiben Sie der Gemeinde und fordern Sie gemeinsam mit uns:

Keine Genehmigung der Jagdmesse in der Umwelt Arena Spreitenbach. Keine künftige Vermietung von Räumen für Jagdveranstaltungen, Trophäenkult oder Tierbörsen. Ein klares Signal der Gemeinde Spreitenbach für Ethik, Wildtierschutz und Verantwortung.

Doch es reicht nicht, nur zu schreiben.

Greifen Sie auch zum Telefon. Persönliche Rückmeldungen wirken.

Kontaktieren Sie die Gemeindeverwaltung Spreitenbach sowie die Umwelt Arena Spreitenbach direkt und sagen Sie ruhig, sachlich und bestimmt, was Sie davon halten. Zum Beispiel so:

Ich halte es für inakzeptabel, dass in der Umwelt Arena eine Jagdmesse stattfindet, die das Töten von Tieren als Freizeitvergnügen darstellt. Ich fordere Sie auf, diesen Anlass nicht zu beherbergen und künftig keine Räume mehr für Jagdveranstaltungen oder Tierbörsen wie die Terra Expo zu vermieten. Exotische Tiere gehören nicht in Boxen auf Verkaufstische, sondern in ihren natürlichen Lebensraum.

Bleiben Sie freundlich im Ton, aber klar in der Sache. Fragen Sie nach einem eindeutigen Entscheid. Bitten Sie um Stellungnahme. Machen Sie deutlich, dass diese Veranstaltungen nicht zur Verantwortung einer Gemeinde und eines Umweltzentrums passen.

Natur braucht Schutzräume, keine Inszenierung von Hobby-Jagd. Tierwohl ist keine Verhandlungssache. Spreitenbach kann und soll hier Haltung zeigen.

Jetzt ist der Moment, aktiv zu werden.

Weiterführende Informationen:

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