Windkraft und Meeresfauna: Keine harmonische Koexistenz
Offshore-Windparks stören die Kommunikation und Navigation von Walen. Ultraschall, Vibrationen und elektromagnetische Felder bedrohen die Meeresfauna.
Angesichts des zunehmenden Ausbaus von Windkraftanlagen, insbesondere in maritimen Gebieten, ist es wichtig, die Auswirkungen auf die Meeresumwelt und insbesondere auf Wale zu betrachten.
Die Errichtung von Offshore-Windparks hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Diese Anlagen nutzen die starken und konstanten Winde, die über das Meer wehen, um Elektrizität zu erzeugen. Offshore-Windkraft ist nicht nur keine saubere Energiequelle, sondern bietet auch das Potenzial, grosse Mengen an Umweltverschmutzung zu produzieren.
Offshore-Windparks setzen jedes Jahr Tausende Tonnen an Metallen wie Aluminium, Zink und Indium frei. In der Studie, die in der Zeitschrift Nature’s Ocean Sustainability veröffentlicht wurde, wird der jährliche Eintrag von Metallen aus den derzeitigen europäischen Windparks auf 3’219 Tonnen Aluminium, 1’148 Tonnen Zink und 1,9 Tonnen Indium geschätzt. Bei Zink übersteigt dies bereits die Summe aller bekannten direkten Einträge und Flusseinleitungen in den Nordatlantik. Auch die Toxizitätsrisiken durch Korrosionsschutzmaterialien sind erheblich.
Windräder benötigen viel Mineralöl, um effizient zu arbeiten. Ausserdem kann Mineralöl durch die hohe mechanische Beanspruchung immer wieder Schäden an der Umwelt verursachen: in Böden, als Aerosol oder auch im Meer. Wenn das Mineralöl durch Schäden ins Meer läuft, ist das ökologisch eine Katastrophe. Eine durchschnittliche 2-MW-Windturbine verbraucht etwa 600 Liter Öl allein im Getriebe und im Hydrauliksystem. Andere Unternehmen nennen für grosse Windräder auch deutlich höhere Zahlen von über 1’000 Liter. Rund 1’200 Kilogramm Flüssigkeit enthält der Transformator einer Zwei-Megawatt-Windenergieanlage.
Diese erheblichen Risiken für das Ökosystem, die Wirtschaft und die menschliche Gesundheit sind nicht zu vernachlässigen.
Geräuschentwicklung und Walsterben
Wale sind majestätische Meeresbewohner, die in fast allen Ozeanen der Welt vorkommen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im marinen Ökosystem. Über die Jahre haben viele Walarten mit Bedrohungen wie Walfang, Meeresverschmutzung und Klimawandel zu kämpfen, oder Offshore-Windparks, die in denselben Gewässern errichtet werden, in denen sich Wale aufhalten.
Der Bau und Betrieb von Windkraftanlagen können Geräusche erzeugen, die das sensible Gehör der Wale oder Delfine beschädigen. Nahezu alle Meerestiere nutzen Echolokation zur Kommunikation und zur Navigation. Ähnlich wie Fledermäuse erzeugen sie ein akustisches Bild ihrer Umgebung. Hohe Geräuschpegel können ihre Fähigkeit, sich zu orientieren und Partner zu finden, beeinträchtigen. Aber auch für Fische oder die Lebensgemeinschaft am Meeresboden kann Lärm gefährlich sein. Starker impulshafter Lärm und die dabei entstehende Druckwelle können die Schwimmblase oder andere luftgefüllte Körperhöhlen verletzen. Und auch Stressreaktionen konnten Wissenschaftler bei Fischen nachweisen.
Schweinswale in der deutschen Nordsee leiden unter den zahlreichen Offshore-Windparks. Die Lebenserwartung der Tiere hat sich bereits verringert, und ihr Gesundheitszustand ist besorgniserregend.
Konkret bedeute das: Werden immer mehr Offshore-Windparks gebaut, werden die Tiere durch den Lärm orientierungslos. «Die Schweinswale werden aus ihren Habitaten verdrängt, es gibt immer weniger Rückzugsräume für sie. Denn die Zunahme des Lärms unter Wasser bedeutet für die Tiere eine Menge Stress und eine grosse Belastung für die Hörfähigkeit und ihren Gesundheitszustand», sagt die Leiterin des ITAW in Büsum.
Patrick Moore, Mitbegründer und ehemaliger Präsident von Greenpeace in Kanada, ist überzeugt, dass die akustischen Systeme, die von Schiffen zur Vermessung des Meeresbodens eingesetzt werden, das Gehör der Meeressäuger schädigen und damit ihre wichtige Navigationsfähigkeit gefährden und zu mehr toten Walen führen, die an Land angespült werden.
Wale und andere gefährdete Arten, die von den akustischen Impulsen betroffen sind, könnten in ihr Verderben geführt werden, indem sie in flachen Gewässern stranden, gegen Schiffe stossen oder sich in Fanggeräten verfangen, so Moore.
«Wale neigen dazu, im Winter auf bestimmten Wegen nach Süden und im Sommer nach Norden zu wandern, genau wie Vögel», fuhr er fort. «Und in diesem Fall scheinen sie in eine Todeszone zurückzuschwimmen.»
Veränderung der Lebensräume und Kollisionsrisiken
Die Installation von Windkraftanlagen beeinflusst also die natürlichen Lebensräume. Dies kann noch mehr negative Auswirkungen haben. Der Effekt von durch Unterseekabeln erzeugten elektromagnetischen Feldern kann wandernde Aale und andere wandernde Fischarten beeinflussen. Hinzu kommen chemische Belastungen, Hitze, das Risiko, sich darin zu verfangen, und künstliche, fremde Oberflächen.
Vibrationen, die von Getrieben und Generatoren ausgehen, erzeugen typischen Unterwasserlärm im Bereich von 80 bis 150 dB, in Frequenzen, die im Hörbereich sowohl von Fischen als auch Säugetieren liegen. Zudem nimmt die akustische Unruhe mit der erhöhten Zahl und an CO₂-lastigen Schiffsbewegungen für Bau, Wartung, Reparaturen oder Entsorgung zu.
Ein Zusammenhang zwischen der Aktivität von Schiffen in Meeresgebieten und dem Tod von Walen ist in den Vereinigten Staaten seit dem Bau der Block Island Windkraftanlage mit fünf Turbinen im Jahr 2016 ein ständiges Thema. Entwickler von Windenergieanlagen setzen hochauflösende geophysikalische Geräte (HRG) ein, die den Meeresboden in den gepachteten Gebieten mit Sonar erfassen. Der Schall von Sonaruntersuchungen und Rammarbeiten an Windkraftanlagen gilt als schädlich für Meeressäuger.
Forschungen und Presseberichte aus dem Vereinigten Königreich und Europa, die mehr als ein Jahrzehnt zurückreichen, deuten darauf hin, dass Wale und andere Meeressäuger in der Nordsee im Kontext der Entwicklung der Offshore-Windenergie vertrieben wurden und starben.
Walsterblichkeit steigt mit Offshore-Windausbau
Im Zeitraum von 2007 bis 2023 ereigneten sich 60 % der gesamten Walsterblichkeit an der Ostküste der USA von Maine bis North Carolina nach 2015. Dies entspricht einem Anstieg der Walsterblichkeit um insgesamt 48 %. In mehreren Staaten, in denen die Offshore-Windparks-Aktivitäten signifikant waren, lag der prozentuale Anstieg der Sterblichkeit deutlich über 60 %.
Die Daten der Schiffsverfolgung zeigen, dass der Tod von Walen im gleichen Zeitraum wie die Offshore-Windpark-Sonaruntersuchungen und in der Nähe der Sonaraktivitäten auftrat. Mit der Zunahme der Offshore-Windparks-Aktivitäten in einem Gebiet nahmen auch das Walsterben zu. Kurz nachdem im späten Frühjahr 2023 mit den Rammarbeiten für die Errichtung der Windkraftanlagen Vineyard Wind 1 und South Fork Wind begonnen wurde, wurden im südlichen Neuengland weitere Todesfälle von Walen beobachtet.
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass nicht nur Wale mit den Blättern von Windkraftanlagen kollidieren könnten. Im Hinblick auf Vögel sind Kollisionen, Barriereeffekte und Habitatverluste die wichtigsten Punkte. So überqueren hauptsächlich Hunderte Millionen Vögel mindestens zweimal im Jahr die Nord- und Ostsee. Eine Studie von Hüppop et al. (2006) ergab, dass fast die Hälfte dieser Vögel in Höhen fliegen, in denen sie von einer Windturbine getötet werden könnten. Sie zeigten auch, dass Landvögel speziell bei schlechter Sicht von beleuchteten Offshore-Bauwerken angezogen werden und einige Arten, hauptsächlich Kleinvögel, in grosser Zahl mit den Turbinen kollidieren. Auch für Fledermäuse besteht ein Risiko.
Mit dem Ausbau von alternativen Energiequellen wird genau das zerstört, was man eigentlich bewahren möchte. Windräder dienen nur zur Gewinnmaximierung weniger auf Kosten der Steuerzahler und verschandeln unsere immer mehr verarmenden, intakten Naturlandschaften, Meeresfauna, Umwelt, Flora, Fauna und Klima. Auch die Windrad-Wände vor Norwegen bedrohen Zugvögel.
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