2. April 2026, 07:36

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Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet

Am 27. November 2025 hat JagdSchweiz ein Positionspapier zur Fuchsbejagung veröffentlicht. Der Tenor ist klar: Die Fuchsjagd sei «sinnvoll und nützlich» und müsse «unbedingt beibehalten» werden. Kritik von Natur- und Tierschutzorganisationen wird darin als emotional und faktenarm abgetan.

Wer jedoch einen Blick auf die tatsächliche Entwicklung in fuchsjagdfreien Regionen, auf Gerichtsurteile und auf die amtlichen Zahlen zur Jagdpraxis wirft, erkennt schnell: Das Papier verteidigt vor allem ein jagdliches Selbstbild und ein blutiges Hobby, das mit moderner Wildtierökologie und Tierschutz kaum noch vereinbar ist. Luxemburg verzichtet seit 2015 auf jede Fuchsjagd, Genf seit 1974 auf jede Hobby-Jagd überhaupt – und weder der eine noch der andere Kanton oder Staat verzeichnet die Katastrophen, die die Jagdlobby regelmässig an die Wand malt. Die Realität widerlegt das Positionspapier, bevor es auch nur eine Seite gelesen wurde.

Was dich hier erwartet

  • JagdSchweiz verteidigt ein System, das längst in der Defensive ist: Was im Positionspapier steht, was darin fehlt – und warum beides aufschlussreich ist.
  • Luxemburg: Fuchsjagd verboten, Probleme ausgeblieben: Was Behörden, unabhängige Berichte und parlamentarische Anfragen seit 2015 dokumentieren – und wie dramatisch das Gegenteil der Lobby-Prognosen eingetreten ist.
  • Kanton Genf: Fünfzig Jahre Wildtierpolitik ohne Hobby-Jagd: Wie der Kanton zeigt, dass Natur ohne Hobby-Jagd nicht zusammenbricht, sondern aufblüht – mit der grössten Feldhasendichte der Schweiz.
  • Nationalparks und fuchsjagdfreie Gebiete: Die Drohkulisse bleibt Theorie: Was Langzeitbeobachtungen aus jagdfreien Zonen in Europa über Fuchsdichte und Biodiversität zeigen.
  • Die Gewaltkultur der Hobby-Jagd vor Gericht: Was das rechtskräftige Urteil des Strafgerichts Bellinzona über JagdSchweiz, Meinungsfreiheit und belegte Fakten sagt.
  • Graubünden: Offizielle Zahlen entlarven das Idealbild: Was die amtlichen Hochjagdstatistiken über Fehlabschüsse, widerrechtliche Tötungen und angeschossene Tiere aussagen.
  • Fuchs als Sündenbock für Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft: Warum der Rückgang von Bodenbrütern und Feldhasen nicht am Fuchs liegt – und welche Faktoren Fachleute und Behörden tatsächlich benennen.
  • Krankheiten: Erfolg der Medizin, nicht des Gewehrs: Was die Geschichte der Tollwutbekämpfung und die Fuchsbandwurm-Daten aus Luxemburg über die behauptete Seuchenprävention durch Fuchsjagd sagen.
  • Was eine moderne Wildtierpolitik wirklich bräuchte: Drei konkrete Schwerpunkte als Alternative zur Hobby-Jagd auf Füchse.
  • Tierschutzrecht versus Jagdlogik: Warum die Nutzungsrhetorik des Positionspapiers dem Geist von Schweizer Tierschutzgesetz und Zivilgesetzbuch widerspricht.
  • Argumentarium: Antworten auf die häufigsten Rechtfertigungen der Fuchsjagd-Lobby.
  • Quicklinks: Alle relevanten Beiträge, Studien und Dossiers.

JagdSchweiz verteidigt ein System, das längst in der Defensive ist

Im Positionspapier vom November 2025 reagiert JagdSchweiz auf die «immer wieder von Natur- und Tierschutzkreisen angestossene Diskussion» um Sinn und Zukunft der Fuchsjagd. Die Organisation hält daran fest, dass Hobby-Jagd auf Füchse notwendig sei, um Bestände zu regulieren, Schäden zu verhindern, Krankheiten zu bekämpfen und andere Wildtierarten zu schützen. Der Fuchs wird dabei indirekt zur Problemfigur aufgebaut, die ohne Schrot und Büchse ausser Kontrolle geraten würde.

Auffällig ist, was fehlt: eine nüchterne wissenschaftliche Auswertung der Erfahrungen in Regionen, in denen seit Jahren oder Jahrzehnten keine Fuchsjagd mehr stattfindet, sowie eine ehrliche Auseinandersetzung mit den massiven Fehlleistungen der eigenen Klientel in der Jagdpraxis. Im Positionspapier werden Füchse als «herrenlose öffentliche Sache» und als Rohstoff mit schwankendem Pelzpreis behandelt. Entscheidend sind Jagdrecht, Jagdstrecke und Markt – nicht das Tier als fühlendes Individuum. Das ist die Weltanschauung eines Interessenverbandes, der sich selbst bereits überlebt hat – und es nicht merkt.

Mehr dazu: Jäger-Lobby in der Schweiz: Wie Einfluss funktioniert und Die schwarze Liste von JagdSchweiz

Luxemburg: Fuchsjagd verboten, Probleme ausgeblieben

Luxemburg hat Anfang 2015 die Hobby-Jagd auf Füchse vollständig eingestellt. Vor dem Verbot kamen jährlich rund 3’000 Füchse vor den Flinten der Hobby-Jäger im Grossherzogtum zu Tode. Jagdverbände sagten damals eine «Bestandsexplosion», wachsende Seuchengefahr und zunehmende Schäden an Bodenbrütern und Nutztieren voraus. Nichts davon ist eingetreten.

Umweltministerin Carole Dieschbourg bestätigte auf parlamentarische Anfragen der Opposition hin mehrfach: Es gibt keine Indizien für eine Zunahme der Fuchspopulation. Wildkamerakontrollen und Zählungen deuten auf einen stabilen, gleichbleibenden Bestand hin. Besonders bedeutsam ist der Befund zum Fuchsbandwurm: Während in einem deutschen Testgebiet die Befallsrate der Füchse durch eine Intensivierung der Bejagung um 15 Prozent anstieg, fiel die Befallsrate in Luxemburg während des Jagdverbots um rund 20 Prozent. Die Fuchsjagd ist damit nicht nur ein ungeeignetes Mittel zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms – sie fördert nachweislich seine Ausbreitung. Der luxemburgische Jagdverband FSHCL klagte sogar gerichtlich gegen das Verbot. Er scheiterte.

Mehr dazu: Luxemburg verlängert Fuchsjagdverbot und Hobby-Jäger verbreiten Krankheiten

Kanton Genf: Fünfzig Jahre Wildtierpolitik ohne Hobby-Jagd

Noch deutlicher fällt der Realitätscheck in der Schweiz selbst aus. Im Kanton Genf wurde 1974 die Milizjagd per Volksabstimmung abgeschafft. Vor der Abstimmung hatte die Jagdlobby behauptet, ohne Jagd wäre der Feldhase im Kanton von der Ausrottung durch Beutegreifer bedroht. Das Gegenteil ist eingetreten: Genf hat heute die grösste Feldhasendichte der gesamten Schweiz.

Zu Beginn der 1970er Jahre waren grosse Wildtiere durch übermässige Hobby-Jagd im Kanton Genf fast ausgerottet – es gab nur noch einige Dutzend Rehe, Hirsche und Wildschweine waren seit Jahrzehnten verschwunden. Nach dem Jagdverbot erholten sich die Bestände. Genf ist heute eine der letzten Bastionen für Wildkaninchen und Rebhühner auf Schweizer Boden und beherbergt die letzte Rebhuhnpopulation der Schweiz. An den Ufern des Genfersees und der Rhône erhöhte sich die Zahl der überwinternden Wasservögel auf spektakuläre Weise – eine direkte Folge der ausbleibenden Störungen durch die Hobby-Jagd. Fünfzig Jahre Naturbeobachtung im Kanton Genf liefern das überzeugendste Argument gegen die Bestandsschreckensszenarien der Jagdlobby.

Mehr dazu: Das Wildhütermodell: Professionelles Wildtiermanagement mit Ehrenkodex und Genf: Jagdverbot seit 1974

Nationalparks und fuchsjagdfreie Gebiete: Die Drohkulisse bleibt Theorie

Neben Luxemburg und Genf gibt es weitere Gebiete in Europa, in denen Füchse seit Jahren nicht oder kaum bejagt werden – darunter Nationalparks wie der Bayerische Wald und Berchtesgaden sowie grössere jagdfreie Reviere. Die Erkenntnisse sind konsistent:

  • Es gibt keine dokumentierten «Fuchsexplosionen» mit anschliessenden Zusammenbrüchen von Bodenbrüter- oder Feldhasenbeständen.
  • Die Fuchsdichte passt sich an die natürlichen und menschengemachten Rahmenbedingungen an – vor allem an das Nahrungsangebot.
  • Wo der Mensch nicht mit der Flinte eingreift, regulieren Nahrungsangebot, Krankheiten und innerartliche Konkurrenz die Bestände selbst.

Damit steht JagdSchweiz vor einem offensichtlichen Widerspruch: Während das Positionspapier dramatische Szenarien zeichnet, liefern reale Freilandversuche auf zwei Ebenen das Gegenteil – national im Kanton Genf und international in Luxemburg. Fuchsjagdfreie Zonen sind keine ökologischen Problemregionen. Sie sind oft Hotspots der Biodiversität.

Die Gewaltkultur der Hobby-Jagd vor Gericht

Wie das jagdliche Umfeld von JagdSchweiz funktioniert, zeigt ein Verfahren vor dem Strafgericht in Bellinzona. JagdSchweiz hatte gegen IG Wild beim Wild geklagt, weil er sich durch scharfe Kritik in seiner Ehre verletzt sah. Im Mittelpunkt standen Formulierungen, in denen JagdSchweiz als «militanter Problemverein» beschrieben wurde, dem eine Gewaltkultur, Respektlosigkeit gegenüber Wildtieren und massiver politischer Druck mithilfe von Einschüchterung und Lügenpropaganda vorgeworfen werden.

Nach der Beweisaufnahme kam Richter Siro Quadri zum Schluss, dass diese Aussagen keine Lügen darstellen und deshalb keinen verleumderischen Charakter haben. Die Klage wurde abgewiesen, das Urteil ist rechtskräftig. Juristisch bedeutet das: Selbst drastische Formulierungen über ein «militantes Jagdmilieu» und eine «Gewaltkultur» wurden vom Strafgericht als von der Meinungsfreiheit gedeckt und in ihrem Kern durch die vorgelegten Fakten und Zusammenhänge gestützt angesehen. Das wirft ein deutliches Licht auf das Umfeld, in dem das aktuelle Positionspapier entstanden ist.

Mehr dazu: Jagd und Tierschutz: Was die Praxis mit Wildtieren macht und Psychologie der Jagd

Graubünden: Offizielle Zahlen entlarven das Idealbild

Hochjagden in Graubünden werden von JagdSchweiz gern als Paradebeispiel verantwortungsvoller Regulierung verkauft. Die offiziellen Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Während der Hochjagd werden im Kanton jährlich rund 10’000 Hirsche, Gämsen, Rehe und Wildschweine erlegt. Rund 9 Prozent dieser Abschüsse erfolgen widerrechtlich. Allein in den fünf Jahren vor 2016 bezahlten Hobby-Jäger Ordnungsbussen von über 700’000 Franken – bis zu 177’000 Franken pro Jahr.

Besonders gravierend sind die Zahlen zu angeschossenen Tieren: Zwischen 2012 und 2016 wurden in Graubünden 56’403 Hirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine erlegt. In 3’836 Fällen wurden Tiere lediglich angeschossen – und fielen damit den Folgen des Anschusses zum Opfer oder blieben unverabredet. Bei der Hochjagd 2022 meldete das Amt für Jagd und Fischerei 790 Fehlabschüsse bei rund 9’200 erlegten Tieren. Wildbiologe Lukas Walser bestätigte gegenüber SRF: «Dieser Anteil ist jedes Jahr ungefähr gleich.» Hochgerechnet auf alle Jagdkantone und über längere Zeiträume ergeben sich Zehntausende von Tieren, die entweder illegal getötet oder nicht tierschutzkonform erlegt werden. Das Bild des disziplinierten, gesetzestreuen Hobby-Jägers, das JagdSchweiz in der Öffentlichkeit zeichnet, ist eine Werbebroschüre – keine realistische Beschreibung.

Mehr dazu: Hochjagd in der Schweiz: Traditionsritual, Gewaltzone und Stresstest für Wildtiere und Hochjagd in Graubünden: Kontrolle und Konsequenzen

Fuchs als Sündenbock für Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft

Ein zentrales Motiv jagdlicher Argumentation lautet, Füchse würden Bodenbrüter und Feldhasen in der Kulturlandschaft derart dezimieren, dass nur intensive Hobby-Jagd auf Prädatoren diese Arten schützen könne. Die Entwicklung in Luxemburg, Genf und den fuchsjagdfreien Nationalparks zeigt etwas anderes.

Das Hauptproblem liegt nicht beim Fuchs, sondern auf dem Acker. Fachbeiträge und Behördenberichte verweisen konsistent auf:

  • Lebensraumzerstörung durch Flurbereinigung, Entwässerung und den Verlust von Hecken und Brachen
  • den massiven Einsatz von Pestiziden und Düngern, der Insekten und damit Nahrungsgrundlagen vernichtet
  • frühe und häufige Mahd mit schweren Maschinen, die Gelege und Jungtiere direkt tötet

Die luxemburgische Umweltpolitik führt den Rückgang verschiedener Feldvogelarten ausdrücklich auf diese Faktoren zurück – nicht auf Füchse. Dort, wo Wiesen später und schonender gemäht, Pestizide reduziert und Rückzugsräume geschaffen werden, erholen sich Bestände – ganz ohne Fuchsjagd. Füchse zu Sündenböcken für die Folgen einer fehlgeleiteten Agrarpolitik zu machen, mag politisch bequem sein. Fachlich ist es ein Ablenkungsmanöver.

Mehr dazu: Jagd und Biodiversität: Schützt Hobby-Jagd wirklich die Natur? und Jagdmythen: 12 Behauptungen, die du kritisch prüfen solltest

Krankheiten: Erfolg der Medizin, nicht des Gewehrs

Ein weiteres Standardargument der Jagdverbände ist die Seuchenbekämpfung. Der Fuchs dient als Buhmann für Tollwut, Fuchsbandwurm und andere Zoonosen. Die Geschichte der Tollwutbekämpfung in Europa zeigt jedoch eindeutig: Der Durchbruch kam durch flächendeckende Impfköderprogramme – nicht durch die Hobby-Jagd. In der Schweiz und ihren Nachbarländern wurden Millionen Impfköder ausgebracht, woraufhin die Fuchstollwut in wenigen Jahren verschwand.

Auch beim Fuchsbandwurm gilt: Entscheidend sind Hygiene, Aufklärung und gegebenenfalls gezielte Beköderung mit Entwurmungsmitteln in Hotspots. Die Luxemburger Daten belegen sogar das Gegenteil der Jagdlobby-These: Der Anteil infizierter Füchse ist nach dem Jagdverbot um rund 20 Prozent gesunken – während er in intensiv bejagten Gebieten stieg. Seuchenprävention taugt daher nicht als Blankoscheck für eine generelle, dauerhafte Verfolgung des Fuchses. Es ist ein Argument, das sich bei näherer Betrachtung gegen die Fuchsjagd wendet.

Mehr dazu: Niederjagd und Wildkrankheiten und Hobby-Jagd fördert Krankheiten

Was eine moderne Wildtierpolitik wirklich bräuchte

Statt an einer schlecht begründeten Fuchsjagd festzuhalten, könnte die Schweiz sich an den bereits funktionierenden Modellen orientieren. Ein zeitgemässes Wildtiermanagement würde drei Schwerpunkte setzen:

Abfall- und Fütterungspolitik in Siedlungen: Gesicherte Abfallsysteme, klare Fütterungsverbote und Aufklärungskampagnen würden Fuchsdichten in Städten wirksam und tierschutzkonform begrenzen. Füchse folgen dem Nahrungsangebot – nicht der moralisierenden Rhetorik von Jagdverbänden.

Lebensraum statt Blei für gefährdete Arten: Wiesen später mähen, Pestizide reduzieren, Kleinstrukturen fördern, Ruhezonen schaffen – diese Massnahmen helfen Bodenbrütern und Feldhasen nachweislich weit mehr als eine pauschale Jagd auf Prädatoren. Genf hat das mit der grössten Feldhasendichte der Schweiz dokumentiert.

Gezielte, professionelle Eingriffe statt Hobby-Jagd: Wo es tatsächlich dokumentierte, gravierende Schäden gibt, können staatliche Wildhüter mit klaren Aufträgen und wissenschaftlichem Monitoring punktuell eingreifen. Das Genfer Modell zeigt seit fünfzig Jahren, dass dies funktioniert. Langzeitbeobachtungen zeigen, dass nach der Abschaffung der Hobby-Jagd 1974 die Biodiversität im Kanton stark zugenommen hat.

Tierschutzrecht versus Jagdlogik

Das Schweizer Tierschutzgesetz stellt klar, dass seine Aufgabe der Schutz der Würde und des Wohlergehens der Tiere ist. Das Zivilgesetzbuch hält fest, dass Tiere keine Sachen sind. Eine Argumentation, die Fuchsjagd vor allem mit wirtschaftlicher Attraktivität und Nutzung rechtfertigt, degradiert den Fuchs faktisch wieder zur Ware – und widerspricht dem Geist des Schweizer Tierschutzrechts.

Im Positionspapier von JagdSchweiz findet sich kein Wort über die Leidfähigkeit des Fuchses, über Fehlabschüsse und ihre Folgen, über das Tierwohl bei Nachtjagden mit Schrot, über die Stresswirkung der Jagd auf Familienverbände. Was sich findet, sind Pelzpreis, Jagdrecht, Jagdstrecke und das Interesse an der Aufrechterhaltung eines Hobbys. Wer so über Wildtiere schreibt, schreibt nicht über Lebewesen – sondern über Ressourcen. Das ist kein modernes Wildtiermanagement. Es ist ein Relikt aus einer Zeit, in der das Gewehr als Allzweckwerkzeug gegen selbst geschaffene Probleme galt.

Mehr dazu: Wildtiere, Todesangst und fehlende Betäubung und Einstieg in die Jagdkritik

Was sich ändern müsste

  • Sofortige Schutzstellung des Fuchses in der Schweiz: Die Hobby-Jagd auf Füchse wird bundesrechtlich verboten. Gezielte, dokumentierte Eingriffe durch professionelle Wildhüter bleiben bei nachweislich gravierendem Schadensdruck möglich. Luxemburg und Genf belegen seit Jahren, dass diese Lösung funktioniert. Mustervorstoss: Verbot der sinnlosen Fuchsjagd
  • Verbot der Baujagd und anderer grausamer Methoden gegen Füchse: Die Baujagd, bei der Hunde in Fuchsbaue gehetzt werden, ist eine der grausamsten Jagdmethoden und muss bundesrechtlich verboten werden. Gleiches gilt für Lebendfallen ohne tägliche Kontrolle und Lockjagd im Winter. Mustervorstoss: Verbot tierquälerischer Fallen- und Lockjagd
  • Unabhängige wissenschaftliche Bestandserhebung statt Jagdstrecke als Datengrundlage: Die Schweizer Fuchspolitik stützt sich bisher auf Abschusszahlen als Bestandsindikator. Das ist methodisch ungenügend. Nötig sind standardisierte, unabhängige Populationserhebungen nach luxemburgischem Vorbild (Wildkameras, Transektzählungen, Kotanalysen).
  • Agrarpolitische Massnahmen statt Prädatorenverfolgung: Bodenbrüter und Feldhasen werden nicht durch Fuchsjagd geschützt, sondern durch spätere Mahd, Pestizidreduktion, Heckenförderung und Ruhezonen. Diese Massnahmen müssen gesetzlich verankert und finanziert werden, statt sie durch symbolische Prädatorenbekämpfung zu ersetzen.
  • Transparenzpflicht für JagdSchweiz-Positionspapiere: Positionspapiere von Jagdverbänden, die politische Entscheide beeinflussen, müssen ihre Datengrundlagen offenlegen und unabhängiger Überprüfung standhalten. Wo behördliche Daten und wissenschaftliche Studien den Behauptungen widersprechen, muss das öffentlich dokumentiert werden. Mustervorstoss: Transparente Jagdstatistik

Argumentarium

«Ohne Fuchsjagd explodieren die Bestände.» Luxemburg zeigt seit 2015 und Genf seit 1974 das Gegenteil: stabile Bestände, keine Explosionen, keine ökologischen Zusammenbrüche. Wildkamerakontrollen und Zählungen belegen in beiden Fällen gleichbleibende oder rückläufige Fuchsdichten. Die Bestandsexplosionsthese ist eine widerlegte Prognose.

«Füchse vernichten Bodenbrüter und Feldhasen.» Der Kanton Genf hat ohne Fuchsjagd die grösste Feldhasendichte der Schweiz und die letzte Rebhuhnpopulation des Landes. Das entlarvt das Argument als das, was es ist: Ablenkung von den tatsächlichen Ursachen – Pestizide, Flächenverbrauch, frühe Mahd.

«Fuchsjagd bekämpft Fuchsbandwurm und Tollwut.» Beim Fuchsbandwurm zeigen die Luxemburger Daten: Das Gegenteil ist wahr. Intensivere Jagd erhöhte die Befallsrate um 15 Prozent, das Jagdverbot senkte sie um 20 Prozent. Tollwut wurde in Europa durch Impfköder besiegt – nicht durch Schrot. Seuchenprävention ist kein valides Argument für Fuchsjagd. Es ist ein widerlegtes.

«Fuchsjagd ist notwendiges Wildtiermanagement.» Das Genfer Modell mit staatlichen Wildhütern und gezielten, dokumentierten Eingriffen ist seit fünfzig Jahren funktionsfähig, wissenschaftlich begleitet und ökologisch nachweislich besser als flächendeckende Hobby-Jagd. Management ist möglich – ohne Hobby-Jagd.

«JagdSchweiz handelt im Interesse der Natur.» Das Strafgericht Bellinzona hat in einem rechtskräftigen Urteil festgestellt, dass die Kritik an einer «Gewaltkultur» im Umfeld von JagdSchweiz keine strafbare Verleumdung darstellt, sondern durch die vorgelegten Fakten gestützte, zulässige Werturteile sind. Wer im Namen der Natur handelt, muss sich an Fakten messen lassen – nicht an seiner eigenen Selbstdarstellung.

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Unser Anspruch

JagdSchweiz veröffentlicht ein Positionspapier, das auf Szenarien setzt, die in Luxemburg und Genf längst widerlegt sind. Dieses Dossier setzt dem überprüfbare Fakten entgegen: behördliche Daten, Gerichtsurteile, amtliche Jagdstatistiken und Langzeitbeobachtungen aus fuchsjagdfreien Gebieten. Der Fuchs braucht keinen Hobby-Jäger. Er braucht eine Gesellschaft, die aufhört, ihn zum Sündenbock für fehlgeleitete Agrarpolitik und ein obsoletes Jagdmodell zu machen.

IG Wild beim Wild dokumentiert die Diskrepanz zwischen Jagdlobby-Rhetorik und Realität, mit Quellen, die jeder selbst prüfen kann. Dieses Dossier wird aktualisiert, wenn neue Luxemburg-Berichte, Schweizer Gerichtsurteile oder politische Entwicklungen es erfordern.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.