14. Juni 2026, 16:19

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Umwelt & Naturschutz

Die Wildkatze kehrt ins Schweizer Mittelland zurück

Einst fast ausgerottet, breitet sich die Europäische Wildkatze heute vom Jura ins Mittelland aus. KORA hat im Winter 2026 erstmals Tiere im Kanton Waadt besendert. Die neue Bedrohung heisst Hauskatze.

Redaktion Wild beim Wild — 30. Mai 2026
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Sie ist nachtaktiv, extrem scheu und kaum je zu sehen. Wer im Jura oder im Aargauer Mittelland nachts eine streunende Katze beobachtet, hat vielleicht eine der seltensten Wildkatzen Europas vor sich: die Europäische Wildkatze, Felis silvestris. Im 18. Jahrhundert wurde sie zum Schädling erklärt und gejagt. In ganz Europa wurde die Population drastisch dezimiert. In der Schweiz galt sie zeitweise als ausgerottet. Heute streift sie wieder durch unsere Wälder und ist ins Mittelland zurückgekehrt.

GPS-Sender im Kanton Waadt

Im Rahmen des Wildkatzenprojekts wurden im Winter 2026 Wildkatzen im Kanton Waadt für wissenschaftliche Zwecke mit GPS-Sendern ausgestattet. Ziel des Projekts ist es, mehr über die Ausbreitung der Wildkatze im Mittelland, die Hybridisierung und den Gesundheitszustand der Wildkatzen herauszufinden.

Einzelne Tiere werden mit GPS-Halsbändern ausgestattet, um ihre Bewegungen und Habitatwahl detailliert nachverfolgen zu können. Im Rahmen des Fangs und der Sendermarkierung werden alle Individuen von Tierärztinnen des FIWI der Universität Bern untersucht und beprobt.

Bestand verdoppelt, aber gefährdet

Die Zahlen klingen zunächst ermutigend: Das Vorkommen der Wildkatze im Schweizer Jura hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Bei der Ersterhebung 2008/2010 waren 15 Prozent der Flächen im Jura von Wildkatzen besetzt, bei der Zweiterhebung 2018/2020 waren es 31 Prozent. Der Bestand wird auf über 1000 Individuen geschätzt.

Trotzdem gilt sie als potenziell gefährdete Art und ist seit 1962 geschützt. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Wildkatzen in der Schweiz im Jura zu finden ist, hat die Art in letzter Zeit einige neue Regionen besiedelt.

Das Hybridisierungsproblem

Mit der Ausbreitung ins Mittelland wächst eine Gefahr, die schwerer zu lösen ist als Bejagung oder Lebensraumverlust: die Kreuzung mit Hauskatzen. Der Hybridenanteil in der Wildkatzenpopulation liegt aktuell bei 15 Prozent. Es ist denkbar, dass die Hybridisierung in Zukunft zunehmen wird, weil sich die Wildkatze Richtung Mittelland ausbreitet und dort auf besonders viele Hauskatzen trifft.

Hybride Nachkommen sind fruchtbar und sehen der Wildkatze äusserlich sehr ähnlich. Nur genetische Analysen können sie zuverlässig unterscheiden. Was auf den ersten Blick wie eine Erfolgsgeschichte wirkt, ist auf den zweiten ein Wettlauf zwischen Ausbreitung und genetischer Verwässerung.

Die Wildkatze ist ein geschützter Beutegreifer ohne natürliche Feinde in der Schweiz. Ihre grösste Bedrohung ist nicht die Hobby-Jagd, sondern die fragmentierte Kulturlandschaft und die Hauskatze. Dass KORA im Winter 2026 erstmals GPS-Daten aus der Waadt sammelt, ist ein Zeichen dafür, dass die Forschung mit der Ausbreitung Schritt halten will. Ob das gelingt, werden die nächsten Jahre zeigen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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