15. Juni 2026, 20:26

Suchen

Tierwelt

Kontaktlinsen belasten Weltmeere

Falsch entsorgte Kontaktlinsen vermüllen die Weltmeere: Werden sie in Toiletten oder Waschbecken herunter gespült, gelangen sie als Mikroplastik ins Meer, warnten Forscher auf einer Konferenz in der US-Stadt Boston.

Redaktion Wild beim Wild — 21. August 2018

Falsch entsorgte Kontaktlinsen vermüllen die Weltmeere: Werden sie in Toiletten oder Waschbecken heruntergespült, gelangen sie als Mikroplastik ins Meer, warnten Forscher auf einer Konferenz in der US-Stadt Boston.

Allein in den USA würden jährlich Milliarden Kontaktlinsen mit einem Gewicht von mindestens 20’000 Kilogramm im Abwasser landen, sagte Rolf Halden, Wissenschaftler der Arizona State University.

Einer Umfrage zufolge spülen 15 bis 20 Prozent aller Kontaktlinsen-Träger in den USA die kleinen Plastikteilchen ins Waschbecken oder die Toilette. Daraufhin gelangen sie in Kläranlagen, wo sie zwar auseinanderfallen, sich aber nicht völlig zersetzen. Später gelangen die Kontaktlinsen dann als Mikroplastikteilchen meist ins Meer.

Was ist Mikroplastik genau?

Mikroplastik sieht man mit blossem Auge kaum. Und doch ist es unterdessen in unglaublichen Mengen vorhanden. Von den geschätzten 140 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren sind 99 Prozent Mikroplastik.

Für Mikroplastik gibt es keine allgemeingültige Definition. Gemeinhin werden Kunststoffteile als Mikroplastik bezeichnet, die kleiner als 5 Millimeter sind. Messen sie weniger als 0,1 Mikrometer (0,0001 Millimeter), laufen sie unter Nanoplastik.

In der Schweiz waren Wissenschaftler von der hohen Mikroplastik-Konzentration im Tomasee überrascht, der Quelle des Rheins. Und selbst in unserem Trinkwasser findet sich unterdessen Mikroplastik.

Fische verwechseln Plastik mit Nahrung

Im Wasser verwechseln kleine Fische und Plankton Mikroplastik häufig mit Nahrung. Das ist nicht nur für die Tiere gefährlich, schlussendlich gelangen dadurch die kleinen Plastikteilchen auch irgendwann in menschliches Essen.

Wie gefährlich ist Mikroplastik?

Die Wissenschaft kommt den Auswirkungen von Mikroplastik auf unsere Umwelt erst langsam auf die Spur. Doch erste Studien geben alles andere als Entwarnung. So sterben Salatsetzlinge ab, denen grosse Mengen an Plastik zugeführt werden. In Indonesien sind Muscheln von den hohen Mikroplastik-Konzentrationen im Meer derart gestresst, dass ihr Wachstum gestört ist.

Die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll betrifft einer deutsch-chilenischen Studie zufolge inzwischen selbst die entlegensten Regionen der Erde. «Besonders hohe Mikroplastik-Konzentrationen haben wir rund um die Osterinsel und in bis 2’000 Kilometern Entfernung vor der chilenischen Küste gefunden», erläutert Hauptautor Martin Thiel von der Universidad Católica del Norte in Coquimbo in Chile.

97 Arten betroffen

Bei 97 verschiedenen Arten habe man Kontakt mit Plastikmüll nachgewiesen – die Tiere waren entweder in dem Abfall verheddert oder hatten Plastik mit der Nahrung aufgenommen. Dies betraf unter anderem 20 Fischarten, 53 Seevögel-Spezies, 19 verschiedene Meeressäuger und 5 Arten von Meeresschildkröten.

«In den Mägen finden sich alle möglichen Plastikfragmente, zum Teil in erschreckend hoher Konzentration», berichtet Ko-Autor Nicolas Ory vom Geomar. Diese Plastikteile beeinträchtigten oder schwächten die Lebewesen und könnten langfristig die Sterblichkeitsquote erhöhen. Massnahmen zur Reduzierung des Plastikmülls seien dringend geboten, mahnt das Team. Mehr zu Umwelt und Naturschutz.

LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!

Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden