Doch dieses Märchen ist nicht nur durchschaubar, es ist auch gefährlich.
Kaum tauchen die ersten Meldungen über tote Wildvögel auf, ertönt der Chor der Jagdverbände: „Bestände regulieren“, „Überträger bekämpfen“.
Die hochpathogene Vogelgrippe entsteht nicht in Schilfgürteln oder an Seen. Sie entsteht in der Massentierhaltung dort, wo Zehntausende Tiere auf engstem Raum gezwungen sind, in ihren eigenen Exkrementen zu leben. Diese Betriebe sind die wahren Brutstätten für Virusmutationen. Dass die Erreger irgendwann in die Natur gelangen, ist kein Wunder, sondern eine logische Folge dieser systematischen Tierquälerei.
Anstatt diesen unbequemen Zusammenhang klar zu benennen, ist es politisch einfacher, die Schuld bei der Natur zu suchen. Schwäne, Enten, Füchse oder Greifvögel lassen sich nicht wehren, wenn Hobby-Jäger sie plötzlich zur „Gefahr“ erklären. Und so wird geschossen, was ohnehin schon bedroht ist im Namen einer angeblichen Seuchenbekämpfung, die nichts anderes ist als ein Feigenblatt für alte Jagdgelüste.
Die Hobby-Jagd macht krank, nicht gesund
Längst ist die Vogelgrippe keine „Vogelkrankheit“ mehr. Füchse, Marder, Bären und Robben sind weltweit bereits daran gestorben; in einem Zoo erlagen sogar Tiger dem Virus, nachdem sie infizierte Vögel gefressen hatten. Das zeigt: Hier geht es nicht um eine Randnotiz aus der Tierwelt. Es geht um eine Pandemie im Tierreich, entfacht durch ein menschengemachtes System, das Wildtiere zum Sündenbock macht und die wahren Ursachen verschleiert.
Die Behauptung, Abschüsse könnten die Ausbreitung der Vogelgrippe stoppen, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Krankheiten lassen sich nicht „herausballern“. Was die Hobby-Jagd tatsächlich bewirkt: Sie stört ökologische Gleichgewichte, zerstört soziale Strukturen in Tierpopulationen und erhöht so am Ende das Chaos, statt Ordnung zu schaffen. Doch für die Jagdlobby ist das nebensächlich, Hauptsache, der Finger darf am Abzug bleiben.
Was bei der Vogelgrippe geschieht, wiederholt sich bei den Gämsen in den Alpen. Gämsen, die ohnehin durch Klimawandel, Lebensraumverlust und Störungen unter Druck stehen, werden zusätzlich bejagt. Dabei ist wissenschaftlich klar: Abschüsse verhindern die Ausbreitung der Krankheit nicht. Sie schaffen lediglich Alibis und neue Vorwände für die Hobby-Jagd. Die sogenannte „Gamsblindheit“, eine durch Bakterien verursachte Augenkrankheit, breitet sich in Populationen aus, oft ausgelöst durch Stress, Jagddruck oder eingeschleppte Erreger. Schafe können Überträger sein, aber vor allem Ziegen sind ein zentraler Infektionsvektor für die Gamsblindheit. Tiere erkranken, erblinden manchmal vorübergehend, viele erholen sich sogar wieder. Doch statt auf Forschung, Monitoring und Schutz zu setzen, fordern Hobby-Jäger reflexartig Abschüsse.
Der Skandal liegt im Stall, nicht im Schilf
Solange die industrielle Geflügelproduktion unangetastet bleibt, solange Tiere wie Wegwerfware gehalten und transportiert werden, wird die Vogelgrippe immer wieder aufflammen. Die Hobby-Jagd lenkt davon ab. Sie bietet Politik und Agrarindustrie einen willigen Sündenbock, die Wildtiere.
Die Wahrheit ist unbequem, aber klar: Wer die Vogelgrippe eindämmen will, muss bei der Massentierhaltung ansetzen. Wer stattdessen ins Schilf feuert, macht sich nicht nur mitschuldig am Leid der Wildtiere, sondern auch an der Aufrechterhaltung eines tödlichen Systems.
Wildtiere sind keine Täter. Sie sind die Opfer von Viren, von Agrarpolitik und von den Gewehrläufen der Hobby-Jäger.
Die einzige echte Seuchenprävention heisst: Schluss mit der Massentierhaltung. Alles andere ist Augenwischerei und ein Spiel mit der Gefahr einer neuen globalen Katastrophe.
| Sie können mit Barmherzigkeit allen Tieren und unserem Planeten helfen. Wählen Sie Mitgefühl auf Ihrem Teller und in Ihrem Glas. Go vegan. |






