Der «grosse böse Wolf» aus Märchen und Fabeln ist in der Realität alles andere als furchtlos.
Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Current Biology, zeigt, dass Wölfe deutlich stärker auf die menschliche Stimme reagieren als auf andere Laute in ihrer Umgebung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Tiere nach wie vor eine tief verankerte Angst vor Menschen haben – trotz ihres Comebacks in vielen europäischen Regionen.
Experiment im Tuchola-Wald
Das Forschungsteam um die Raubtierökologin Liana Zanette von der Western University in Ontario führte seine Untersuchungen im Tuchola-Wald in Nordpolen durch – einem Gebiet, in dem rund 15 Wolfsrudel leben.
An Kreuzungen viel genutzter Wildpfade installierten die Forscher bewegungsgesteuerte Kamera-Lautsprecher-Systeme, die bei der Annäherung von Wölfen verschiedene Tonaufnahmen abspielten:
- menschliche Stimmen (ruhig sprechende Männer und Frauen),
- Hundegebell,
- und harmlose Vogelrufe als Kontrollgeräusche.
Ergebnis: Klare Fluchtreaktion
Die Videodaten zeigten ein eindeutiges Muster: Wölfe rannten mehr als doppelt so häufig und doppelt so schnell davon, wenn sie menschliche Stimmen hörten, im Vergleich zu den anderen Geräuschen.
Die Tiere mieden den Ort des Geräuschs konsequent – ein starkes Indiz dafür, dass der Mensch auch in der modernen Wildnis als «Superkiller» wahrgenommen wird.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Wölfe fürchten den Menschen eindeutig mehr als jedes andere Tier, sagt Mitautor Maciej Szewczyk von der Universität Danzig.
Andere Forscher wie Chris Darimont von der University of Victoria betonen, dass die Angst der Wölfe wahrscheinlich auch in Nordamerika ähnlich ausgeprägt ist. Dennoch mahnen sie, auch den Geruchssinn stärker in künftige Experimente einzubeziehen – schliesslich sei dieser für Wölfe noch wichtiger als der Hörsinn.
Hintergrund: Schutzstatus und Konflikte
In Polen wurden Wölfe im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern nie vollständig ausgerottet. Trotzdem kommt es immer wieder zu illegalen Abschüssen, obwohl die Tiere gesetzlich geschützt sind.
In ganz Europa und Nordamerika sorgt die Rückkehr der Wölfe weiterhin für Spannungen: Viehhalter fürchten Übergriffe, während Naturschützer auf die ökologische Rolle der Wölfe verweisen.
Die neue Studie liefert einen möglichen Ansatz für ein nicht tödliches Management: Wenn menschliche Stimmen Wölfe zuverlässig vertreiben, könnten solche akustischen Signale künftig als Abschreckungsmittel eingesetzt werden – kostengünstig, effektiv und ohne Schaden für die Tiere.
Die Forschungsergebnisse widerlegen die verbreitete Annahme, Wölfe hätten ihre Scheu vor Menschen verloren.
Im Gegenteil: Sie zeigen, dass Wölfe den Menschen nach wie vor als grösste Bedrohung wahrnehmen – ganz gleich, ob mit Gewehr, Kamera oder Mikrofon.
Quellen:
- Current Biology (2025): The Big Bad Wolf Is Afraid of You
- The New York Times
- Western University, University of Gdańsk, Polish Academy of Sciences
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