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Zoo

Astronomische Zahlen: Zehntausende Wildtiere zum Privatzoo geliefert

Zoo in Indien importiert seltenste Arten aus aller Welt, auch aus Deutschland.

Redaktion Wild beim Wild — 14. März 2025

Mehr als 35’000 Wildtiere wurden in den letzten zwei Jahren von zwei indischen Einrichtungen importiert, die Teil des Zooprojektes einer der reichsten Familien Asiens sind.

Der Artenschutzorganisation Pro Wildlife liegen detaillierte Zolldaten vor, die den Umfang und das Artenspektrum belegen. «Nicht nur die Anzahl der importierten Tiere ist schier unfassbar. Es handelt sich auch um das Who-is-Who der bedrohten Arten, von Orang-Utans über Spix-Aras und Komodo-Warane bis hin zum Berggorilla», erklärt Daniela Freyer von Pro Wildlife. Zu den Exporteuren gehören neben Zoos, Züchtern und Tierhändlern aus aller Welt auch deutsche Einrichtungen. Das Tierschutzproblem hat hier globale Ausmasse.

Vantara wurde am 4. März 2025 vom indischen Premierminister Narendra Modi offiziell eingeweiht. Vantara widmet sich der Rettung, Behandlung, Pflege und Rehabilitation von Tieren. Das Programm behauptet, seither «über 200 Elefanten und Tausende anderer Tiere, Reptilien und Vögel aus unsicheren Situationen gerettet zu haben, darunter Nashörner, Leoparden und Krokodile». Trotz der Bemühungen des Programms um den Schutz bedrohter und ausgebeuteter Arten haben einige Tierrechtsgruppen in Indien ihre Skepsis über die Privatisierung der Tiere sowie über die abgelegene, überentwickelte, verschmutzte und ungeeignete Lage des Reservats zum Ausdruck gebracht, da Jamnagar in einem heissen, trockenen Klima liegt und die Jamnagar-Raffinerie, die grösste Ölraffinerie der Welt, demselben Unternehmen gehört und nur eine kurze Strecke entfernt ist.

Konzipiert wurde es unter der Führung von Anant Ambani, Direktor im Vorstand des Unternehmens und der Stiftung, die 2024 mit mehreren Luxus-Feiern zu seiner Hochzeit, unter anderem auf dem Zoogelände, weltweit für Schlagzeilen sorgte. Für die Öffentlichkeit ist «Vantara» bislang nicht zugänglich, nur wenig ist daher über den Verbleib und die Haltung der Zehntausenden Tiere bekannt. Doch die riesige Zahl an Individuen und die Sammlung seltenster Arten, die in kürzester Zeit nach «Vantara» gebracht wurden, weckt bei Tier- und Artenschützerinnen und -schützern die Alarmglocken.

Tierlieferungen in gigantischem Ausmass

Auffangstationen und Artenschutzzentren verfolgen gemeinhin den Zweck, Tiere gesundzupflegen, sie möglichst naturnah zu halten und wenn möglich wieder auszuwildern. Üblicherweise sind sie auf die Pflege weniger Arten spezialisiert und beschränken sich auf die Aufnahme einzelner verletzter oder beschlagnahmter Tiere. Ganz anders «Vantara»: Dessen zwei Einrichtungen, das «Greens Zoological, Rescue and Rehabilitation Centre» sowie der «Radhe Krishna Temple Elephant Welfare Trust», erhielten laut Recherchen von Pro Wildlife in den Jahren 2023 und 2024 insgesamt mehr als 35’000 Tiere von mehr als 730 verschiedenen Arten aus 30 Ländern. Weitere 5’000 Tiere sollen laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung aus Indien nach Vantara gekommen sein. «Woher stammen all diese Tiere? Wurden sie wirklich alle gerettet oder sind Teil seriöser Artenschutzprojekte? Und wie können binnen so kurzer Zeit Zehntausende Tiere mit unterschiedlichsten Bedürfnissen transportiert, artgerecht untergebracht und versorgt werden, zumal der von der Zoobehörde genehmigte Bauplan ursprünglich nur einen Bruchteil dieser Tiere vorsah?», fragt die Biologin Freyer. Die immense Menge an gelieferten Tieren sucht ihresgleichen: 17’000 Vögel, fast 11’000 Reptilien und mehr als 7’000 Säugetiere sind laut Zolldaten in den vergangenen zwei Jahren in die beiden Einrichtungen von «Vantara» gegangen. Darunter mehr als 2’250 Affen, vorwiegend aus Herkunftsländern in Afrika (Demokratische Republik Kongo, Benin) und Südamerika (Guyana, Venezuela). Viele von ihnen stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Zudem haben wir Einfuhren von mindestens 364 Grosskatzen gezählt. Auch sollen etwa 220 Elefanten in «Vantara» leben, primär aus Indien, sechs Afrikanische Elefanten kamen aus Deutschland. Mehr zu Zoos und Artenschutz.

Die seltensten Arten der Welt

Unter den Importen ist auch eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Arten, darunter 59 Menschenaffen: Dutzende Schimpansen, ein Bonobo und sogar ein besonders seltener Tapanuli-Orang-Utan sowie ein Berggorilla. «Uns ist kein Zoo bekannt, der Berggorillas hält und solche Tiere an Indien abgeben könnte», betont Freyer. Weitere Arten, darunter ikonische Komodowarane, Okapis, Galapagos- und Fidji-Leguane, Spix- und Lear-Aras, sind endemisch, höchst bedroht und in ihrem Ursprungsland geschützt. «Grundsätzlich kann ein Anstieg der Nachfrage fatale Auswirkungen auf die Bestände in der Natur haben. Viele Arten sind durch legalen und illegalen Tierhandel akut bedroht – die seltensten und wertvollsten von ihnen können auf dem Schwarzmarkt Preise im fünf- oder gar sechsstelligen Bereich erzielen», so die Pro Wildlife Sprecherin.

Gesetzeslücken schliessen

Viele der besonders bedrohten Arten unterliegen auch internationalen Handelsverboten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Allerdings können in Ausnahmefällen Handelsgenehmigungen erteilt werden, z. B. wenn ein Tier aus kontrollierter Zucht stammt oder ein Transfer zu nicht kommerziellen Zwecken erfolgt. «In vielen Ländern werden diese Voraussetzungen allerdings gänzlich unzureichend kontrolliert. Über diese Schlupflöcher können unter dem Deckmantel des Artenschutzes oder der Tierrettung letztlich auch seltenste Arten in den globalen Tierhandel gelangen. Auch, welche Anforderungen Transfers für Zoos erfüllen müssen, ist bei CITES nicht festgelegt. Zudem handeln manche registrierte Zoos und «Auffangstationen» gleichzeitig kommerziell mit Tieren. Hier muss dringend nachgebessert werden», so die Pro Wildlife Sprecherin. Der ständige Ausschuss von CITES empfahl im Februar 2025 eine Überprüfungs-Mission nach Indien, um zu untersuchen, wie sichergestellt wird, dass importierte Tiere legal erworben und in Übereinstimmung mit CITES eingeführt werden. Das Ausmass der Einfuhren für «Vantara» war damals bislang nicht bekannt. Die CITES-Mission steht noch aus.

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