Die Experten betonen, dass das Anliegen vieler Politiker, Bauern und Jagdverbände, steigende Populationen geschützter Arten durch Jagd zu begrenzen, naturwissenschaftlich unbegründet ist.
Jagd kann Konflikte nicht nur nicht lösen, sie kann sie sogar verschärfen. Beim Wolf etwa würde das Abschiessen einzelner Tiere – so die Fachleute – die Rudelstruktur zerstören, was zu mehr statt weniger Rissen an Weidetieren führt. Bei Bibern und Saatkrähen wiederum gibt es laut Forschung erprobte, effektive nicht-tödliche Managementmethoden, die Konflikte mit Landwirtschaft und Infrastruktur mildern, ohne die Schutzfunktion dieser Arten zu untergraben.
Diese Position steht im krassen Gegensatz zu politischen Vorstössen und Gesetzen, die in jüngerer Zeit versucht haben, Jagdrecht zu öffnen oder auszudehnen. In Baden-Württemberg wurde etwa der Wolf ins Jagdgesetz übernommen – eine Entscheidung, die laut den Forschenden genau das Gegenteil bewirkt, was beabsichtigt ist: Der Abschuss wird bürokratisch erschwert und gleichzeitig bleibt der Schutzstatus der Art unberührt.
Im Schweizer Kontext zeigt die gescheiterte Jagdgesetz-Revision, über die 2020 abgestimmt wurde, welche Risiken in der rechtlichen Verknüpfung von Jagd und Artenschutz liegen. Damals sollte unter anderem der Luchs, der Wolf, der Biber und der Graureiher pauschal bejagbar werden, bevor sie Schaden verursachen – ein Schritt, der schliesslich per Volksabstimmung gestoppt wurde, weil er den Schutz dieser Arten untergraben hätte.
Die Wissenschaftler argumentieren, dass der Schutz gefährdeter Arten ein Erfolg moderner Naturschutzpolitik ist, der nicht durch Jagdinteressen ausgehöhlt werden darf. Diese Arten erfüllen funktionale Rollen in Ökosystemen: Wölfe fördern etwa Baumverjüngung, Biber tragen zur Offenhaltung von Feuchtgebieten bei und Saatkrähen sind ein Zeichen für erfolgreiche Habitatrückgewinnung. Ihr Schutz führt zu funktionierenden, resilienten Landschaften, nicht zu ineffektiven Jagdmassnahmen.
Kritisch ist darüber hinaus, dass Jagdgesetz-Debatten oft von politischen oder lobbypolitischen Interessen geprägt werden, während wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert oder selektiv interpretiert werden. Fachleute fordern stattdessen, dass Politik und Verwaltung auf bewährte Schutz- und Konfliktlösungsmodelle setzen, die nicht auf tödlichen Methoden beruhen, sondern auf Prävention, Herdenschutz, Zäunen und adaptiven Managementstrategien.
Für den Wildtier- und Naturschutz bedeutet dies: Jagdrelevante Debatten dürfen nicht hinter Jagdverantwortliche oder Jagdverbände verlagert werden. Sie gehören in den Bereich wissenschaftlich fundierter Artenschutz- und Managementstrategien. Der offene Brief aus Freiburg und Hohenheim sendet ein deutliches Signal in diese Richtung – auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus.
Die Integration gefährdeter Arten ins Jagdgesetz ist nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht falsch, sie gefährdet langfristig ökologische Funktionalität und Schutzbemühungen. Statt Jagdgesetz müssen moderne, nicht-tödliche Managementkonzepte im Zentrum stehen, um Konflikte zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Wildtieren nachhaltig und tierschutzgerecht zu lösen.






