Wie Bilder der Natur Schmerzen lindern können
Neue Studie zeigt, dass das blosse Betrachten von Naturszenen Schmerzen lindern kann.
Ein neuer Bericht über Neuroimaging besagt, dass die blosse Betrachtung der Natur dazu beitragen kann, das Schmerzempfinden zu lindern, indem die mit der Schmerzwahrnehmung verbundene Gehirnaktivität reduziert wird.
Auch Angstgefühle und Depressionen lassen sich bekanntermassen lindern, und der Bericht erinnert daran, wie gut die freie Natur der stark medikamentös behandelten US-Bevölkerung tun kann.
Studie zeigt heilendes Potenzial der Natur
Die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Studie, die von einem Team der Universität Wien und der Universität Exeter geleitet wurde, bietet eine «vielversprechende Grundlage für neuartige nicht pharmakologische Schmerzbehandlungen».
«Diese Studie zeigt, wie virtuelle Begegnungen das heilende Potenzial der Natur zu den Menschen bringen können, wenn sie nicht nach draussen gehen können», erklärte Dr. Alex Smalley, ein Mitautor von der Universität Exeter, bei der Veröffentlichung der Studie.
«Aber wir hoffen, dass unsere Ergebnisse auch als erneuter Beweis dafür dienen, wie wichtig es ist, gesunde und funktionierende natürliche Umgebungen zu schützen und die Menschen zu ermutigen, Zeit in der Natur zu verbringen – zum Wohle des Planeten und der Menschen.» Mehr zum Umwelt- und Naturschutz.
«Die Tatsache, dass diese schmerzlindernde Wirkung durch eine virtuelle Naturexposition erzielt werden kann, die einfach zu verabreichen ist, hat wichtige praktische Auswirkungen auf nicht medikamentöse Behandlungen und eröffnet neue Wege für die Forschung, um besser zu verstehen, wie die Natur unsere Psyche beeinflusst.»
Gehirnaktivität verändert sich beim Betrachten von Natur
In der Studie beobachteten die Forscher die Gehirnaktivität von 49 Teilnehmenden in Österreich mit einem fMRI-Scanner, während ihnen durch eine Reihe kleiner Elektroschocks Schmerzen zugefügt wurden. Wenn sie Videos einer natürlichen Szene im Vergleich zu einer Stadt oder einem Büro sahen, gaben die Teilnehmenden nicht nur an, weniger Schmerzen zu empfinden, sondern die Scans zeigten auch, dass sich die spezifischen Gehirnreaktionen, die mit der Verarbeitung von Schmerzen verbunden sind, veränderten.
In der Studie wurde fortschrittliches maschinelles Lernen eingesetzt, um die Gehirnnetzwerke zu analysieren, die mit der Schmerzverarbeitung in Verbindung stehen.
Das Team entdeckte, dass die rohen sensorischen Signale, die das Gehirn empfängt, wenn etwas schmerzt, beim Betrachten einer sorgfältig gestalteten, qualitativ hochwertigen, fünfminütigen virtuellen Naturszene reduziert wurden. Überdies wurde das fünfminütige Video der städtischen Szene auch als wunderschöner Raum bewertet, da es (wie die Naturszene) ein durch Windwellen gestörtes Gewässer enthielt, das jedoch von künstlichen Elementen wie Mauern, Stühlen und Wegen statt von Bäumen und Hügeln umgeben war.
Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Schönheit oder Ordnung kein Schlüsselfaktor für die beobachtete schmerzlindernde Wirkung waren.
Erster eindeutiger Nachweis der Wirkung
Die Studie bestätigt frühere Befunde, die darauf hindeuten, dass die Natur das subjektive Schmerzempfinden verringern kann, und sie ist auch der erste eindeutige Nachweis dafür, wie natürliche Umgebungen das Gehirn beeinflussen und dazu beitragen, unangenehme Erfahrungen abzufedern.
«Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Menschen immer wieder berichten, dass sie weniger Schmerzen empfinden, wenn sie sich in der Natur aufhalten», sagt Max Steininger, Doktorand an der Universität Wien und Hauptautor der Studie. Bisher waren die Gründe für diesen Effekt jedoch unklar.
«Unsere Studie ist die Erste, die anhand von Hirnscans nachweist, dass es sich nicht nur um einen Placebo-Effekt handelt, der durch den Glauben und die Erwartung der Menschen, dass die Natur gut für sie ist, ausgelöst wird, sondern dass das Gehirn weniger auf Informationen darüber reagiert, woher der Schmerz kommt und wie stark er sich anfühlt.»
«Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die schmerzlindernde Wirkung der Natur echt ist.» Die Studie trägt auch dazu bei, ein seit Langem bestehendes Geheimnis über das Heilungspotenzial natürlicher Umgebungen zu lüften.
Vor über vierzig Jahren zeigte eine bahnbrechende Studie des amerikanischen Pioniers Roger Ulrich, dass Krankenhauspatienten weniger Schmerzmittel benötigten und sich schneller erholten, wenn ihre Fenster einen Blick auf eine Grünfläche statt auf eine Backsteinmauer boten.
Die neuen Ergebnisse liefern die erste «solide» Erklärung dafür, warum Ulrichs Patienten weniger Schmerzen hatten, und zeigen, wie virtuelle Naturbegegnungen diese Vorteile für jedermann und überall bringen könnten – und damit einen nicht-invasiven, zugänglichen Weg zur Schmerzbehandlung bieten. Die Biodiversität unserer natürlichen Umgebungen zu erhalten, ist deshalb auch für unsere Gesundheit entscheidend.
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