Abschied vom Silberrücken N’Gola und Neuausrichtung der Gorillagruppe im Zoo Zürich
Das Gorillamännchen N’Gola wurde im Zoo Zürich eingeschläfert. Sein Körper wurde der Forschung zugeführt und sein Schädel wird für edukative Zwecke im Zoo Zürich präpariert.
Der Silberrücken N’Gola ist tot.
Mit 47 Jahren hatte er ein für einen Gorilla stattliches Alter erreicht. Bereits seit Längerem litt er unter verschiedenen gesundheitlichen Problemen, erhielt seit mehreren Jahren Schmerzmittel und wurde regelmässig von den Tierärzten betreut. In den letzten Monaten hatte sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert. N’Gola verlor an Gewicht und Muskelmasse und frass zunehmend weniger.
Keine leichte Entscheidung
N’Gola wurde in Gefangenschaft geboren und zeugte 34 Kinder. Er war für seine sensible Seite bekannt und kümmerte sich um seinen Harem, seine Gruppe von Weibchen.
Sein schlechter Allgemeinzustand führte zudem zum zunehmenden Verlust seiner Dominanz innerhalb der Gorillagruppe. Streitigkeiten zwischen den Weibchen konnte er nicht mehr schlichten – eine unnatürliche Situation, die für die gesamte Gruppe mit Stress verbunden war. In der Natur wäre der Silberrücken längst von einem jüngeren Konkurrenten verdrängt worden.
Der Entscheid, den Silberrücken N’Gola einzuschläfern, ist richtig, aber er ist trotz der gegebenen Umstände nicht leichtgefallen. Das Gorillamännchen war 40 Jahre lang ein Teil vom Zoo Zürich und sehr vielen Gästen und Mitarbeitern sehr gut bekannt, erklärt Zoodirektor Severin Dressen.
N’Golas Körper befindet sich derzeit für pathologische Untersuchungen im Tierspital der Universität Zürich. Im Rahmen der Untersuchung werden zudem für verschiedene Forschungsprojekte Proben entnommen. Sind die Analysen abgeschlossen, wird der Schädel des Silberrückens präpariert und dem Zoo für edukative Zwecke zur Verfügung stehen.
Umbau der Gorillagruppe
Zeitgleich mit der Euthanasie des Silberrückens erfolgt der Aufbau einer neuen Gorilla-Zuchtgruppe im Zoo Zürich im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP. In der Natur gerät der Westliche Flachlandgorilla immer mehr in Bedrängnis. Fachleute erwarten eine Abnahme der Population um 80 Prozent in den kommenden drei Generationen. Das wäre ein massiver Einbruch, der die Art an den Rand der Ausrottung drängt.
Die Veränderungen in der bestehenden Gorillagruppe erfolgen in Absprache mit dem EEP und sind aufgrund der Genetik der einzelnen Tiere notwendig für künftige Zuchterfolge. Die beiden Gorillaweibchen Mary und Mahiri haben den Zoo Zürich daher in Richtung Zoo Saarbrücken und Zoo Wuppertal verlassen. Das Gorillaweibchen Mayumi ist aus dem Zoo Saarbrücken bereits angereist und lebt sich derzeit im Hintergrund des Menschenaffenhauses ein. Dies führt dazu, dass das im Zoo Zürich verbliebende Gorillaweibchen Haiba kurzzeitig als einziger Gorilla für die Zoogäste sichtbar ist.
Die Zusammenführung erfolgt schrittweise
Der 18-jährige Silberrücken Bwana ist ebenfalls bereits aus dem Zoo Warschau nach Zürich gereist. Aktuell befindet er sich noch in der Quarantänestation des Zoos und wird demnächst ins Menschenaffenhaus umziehen und dort die beiden Weibchen Haiba und Mayumi kennenlernen.
Die beiden neuen Weibchen Virunguita (9) aus dem Zoo Barcelona und Ivindo (8) aus dem französischen Zoo La Vallée des Singes in Romagne erreichen den Zoo Zürich in einigen Tagen und werden die erforderliche Quarantänezeit gemeinsam in der Quarantänestation im Hintergrund verbringen. Anschliessend werden sie ebenfalls ins Menschenaffenhaus umziehen.
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