2. April 2026, 18:01

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Kriminalität & Jagd

Hobby-Jäger auf Video: «Wir wollen Spass haben»

Im Landkreis Kassel soll ein Hobby-Jäger einen Hund auf einen Waschbären gehetzt und das Tier grausam getötet haben – die Tierrechtsorganisation PETA hat daraufhin Strafanzeige gegen den Mann erstattet. Der Fall ist kein Einzelfall: Er reiht sich in ein erschreckendes Muster jagdlicher Gewalt ein, das in dem Milieu immer wieder dokumentiert wird.

Redaktion Wild beim Wild — 3. März 2026

Youtuber und Hobby-Jäger Benjamin Bube hetzte seinen Hund auf einen Waschbären und filmte es, bevor er das Video wieder löschte.

Die Tierrechtsorganisation PETA war schneller und erstattete Strafanzeige. Das Videomaterial ist ein seltenes Dokument dessen, was Hobby-Jagd in der Praxis bedeutet: Töten als Freizeitvergnügen.

«Strecke machen und Spass haben»

Bei einer Drückjagd in Ödelsheim (Landkreis Kassel, Hessen) begleitete eine Kamera Benjamin Bube und seine Begleiterinnen und Begleiter. Das Ziel der Veranstaltung formuliert einer der Teilnehmenden im Video mit entwaffnender Offenheit: «Weshalb sind wir hier? Wir wollen Strecke machen und wir wollen Spass haben.» Auf die Gegenfrage «Spass am Töten?» folgt das Bestätigende: «Ja, das ist das Ziel der Übung.»

Dass die Hobby-Jagd dabei auch kirchlichen Beistand erhält, macht die Szene vollends surreal: Der Pfarrer von Ödelsheim segnete die Jagdgesellschaft mit den Worten «Weidmannsheil und Gottes Segen», bevor es, wie das Video zeigt, zu aktiver Tierquälerei kommt.

Der Hund als Mordwerkzeug

Dann die entscheidende Szene, die Benjamin Bube kurz nach der Veröffentlichung wieder löschte, doch die Community war schneller: Ein Waschbär flieht. Bube hetzt seinen Jagdhund «Egon» mit einem Aufpeitschruf auf das Tier: «Rauf da, ran da, hol ihn dir, pack ihn». Der Hund greift an.

Was man in diesem Moment sieht, ist rechtlich eindeutig problematisch: Das deutsche Tierschutzgesetz (TSchG §17) verbietet, Tieren ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Das Aufhetzen eines Hundes auf ein flüchtendes Tier, das bereits in Todesangst läuft, erfüllt diesen Tatbestand nach Einschätzung von PETA. Ein Schuss wäre das gesetzlich vorgeschriebene Tötungsmittel, nicht ein aufgestachelter Hund.

Wildschwein, angeschossen, den Hunden überlassen

Das Video dokumentiert noch einen zweiten Fall, der laut Videobeschreibung ebenfalls aus Bubes Hobby-Jagd-Alltag stammt: Ein bereits angeschossenes Wildschwein im Dickicht wird Hunden überlassen, die es weiter angreifen. Das Kommentar dazu: «Langsamer, qualvoller Tod unter massiven Schmerzen» und «es bricht grosse Panik aus». Was die Bilder zeigen, ist unkontrollierte Gewalt, kein gezielter Schuss, kein «erlösender» Tod, sondern Chaos.

Gemäss Bundesjagdgesetz (BJagdG §22a) sind Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger zur sogenannten Weidgerechtigkeit verpflichtet, dem Gebot, Wildtiere möglichst schnell und schmerzlos zu töten. Was das Video zeigt, steht dazu im direkten Widerspruch.

Löschen als Schuldeingeständnis?

Bemerkenswert ist, dass Benjamin Bube das Video nach der Veröffentlichung umgehend löschte. Strafrechtlich ist das Löschen eines Videos kein Freifahrtschein: Sobald das Material gesichert ist, wie im vorliegenden Fall durch PETA und die Community, kann es als Beweismittel dienen. Die Strafanzeige von PETA läuft.

Das Muster ist bekannt: Auch im Katzenvideo-Fall in Rheinland-Pfalz versuchte der betreffende Hobby-Jäger zunächst, den Vorfall kleinzureden. Das Amtsgericht Simmern verurteilte ihn 2021 dennoch, Jagdscheinverbot für fünf Jahre und 5’000 Euro Geldauflage. Und im Fall Vorpommern-Rügen, wo ein Hobby-Jäger ebenfalls einen Hund auf ein verletztes Wildschwein hetzte, erstattete PETA ebenfalls Strafanzeige.

«Wer kontrolliert die Hobby-Jägerschaft?»

Diese Frage stellt das Video selbst und sie bleibt in Deutschland weitgehend unbeantwortet. Die Hobby-Jagd ist bundeslandweit fragmentiert reguliert, die Kontrolle liegt oft bei den Jagdbehörden der Kreise, denen personelle und finanzielle Mittel fehlen. Das Genfer Modell, seit 1974 ohne Hobby-Jagd, dafür mit professionellen Wildhüterinnen und Wildhütern, zeigt, dass staatliche Wildtierkontrolle ohne diese Praxis möglich und effektiv ist.

Benjamin Bubes Video ist kein Ausrutscher. Es ist ein Einblick in eine Subkultur, die Töten als Freizeitvergnügen versteht und sich dabei kirchlichen Segen holt.

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