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Bildung

Hobby-Jäger verbreiten Krankheiten durch Jagdpraktiken

Die sinnlosen, grausamen und gefährlichen Jagden der Hobby-Jäger müssen endlich abgeschafft werden, um Kosten, nicht nur im Gesundheitswesen, zu sparen.

Redaktion Wild beim Wild — 22. Mai 2019

Und wieder wurde in einer Studie bewiesen: Wer Angst vor Krankheiten wie der Lyme-Borreliose oder dem sogenannten Fuchsbandwurm hat, sollte sich mit aller Deutlichkeit gegen die Jagd aussprechen.

Weniger Füchse, weniger Fuchsbandwurm, also auch weniger Infektionsrisiko für den Menschen.

Auf den ersten Blick eine plausible Schlussfolgerung, aber bei einer genauen Analyse eben doch nur Jägerlatein, wie mehrere internationale Studien belegen.

Hobby-Jäger helfen also nicht bei der Erkennung und Bekämpfung von Wildtierkrankheiten und Seuchen. Sie schützen somit auch keine Nutz- und Haustiere sowie Menschen, sondern bringen diese sogar in Gefahr. Hobby-Jäger sind generell in allen Bereichen immer auch die eigentlichen Mitverursacher etwaiger Probleme.

Hobby-Jäger sind eine gesellschaftliche Plage. Gerade in einem dicht besiedelten Gebiet, ist die Einführung eines zeitgemässen Wildtiermanagements erwünscht, um wieder Recht und Ordnung zu etablieren. Weniger Amateur-Jäger sind eine hohe Garantie für weniger Dichtestress (Burn-out usw.) für die Wildtiere. Entstresste Wildtiere sind weniger krankheits- und verhaltensauffällig, eigentlich genau gleich wie bei den Menschen auch. 

Im flächenmässig fast doppelt so grossen Kanton Waadt (3’212 km²) sind zum Beispiel über 50 % weniger Amateur-Jäger unterwegs, als im Kanton Zürich (1’729 km²).

Mit der laufenden Verbreitung von Echinococcus multilocularis in Europa suchen Gesundheitsbehörden die effektivste Lösung, um die Bevölkerung zu schützen. Die Fuchsjagd der Hobby-Jäger ist dabei ein Werkzeug, welches – angeblich laut dem Jägerlatein einen gesunden Wildtierbestand garantiert – zu einem Pseudo-Gesundheitsmanagement mutierte.

In einer Studie aus Frankreich wurde 4 Jahre lang wissenschaftlich untersucht, ob die Jagd als Massnahme gegen den Fuchsbandwurm (bzw. zum Schutz der Menschen vor einer Ansteckung) sinnvoll ist. Dafür wurde in einem knapp 700 Quadratkilometer grossen Gebiet bei der Stadt Nancy die Jagd auf Füchse deutlich intensiviert. 1700 Stunden wurden in der Nacht auch von Autos heraus Füchse beschossen, was zu einem Anstieg der Jagdstrecke um 35 % geführt hat. Dieses Gebiet wurde anschliessend mit einem anderen Gebiet ohne intensivierte Jagd verglichen.

Das Ergebnis ist eindeutig:

  1. Die Fuchspopulation wurde durch die drastisch intensivierte Bejagung im Testgebiet NICHT verringert.
  2. Der Fuchsbandwurm breitete sich im intensiv bejagten Testgebiet aus, anstatt reduziert zu werden: Die Befallsrate stieg sogar von 40 % auf 55 % deutlich an, während sie im Vergleichsgebiet im gleichen Zeitraum konstant blieb.
  3. Anstelle der offensichtlich nicht nur sinnlosen, sondern sogar kontraproduktiven Jagd, die laut Studie zudem sehr zeitintensiv, kostenintensiv und ökologisch sowie ethisch fragwürdig ist, wird im Bedarfsfall die Behandlung von Füchsen mit Entwurmungsködern empfohlen. Wie andere Studien (z. B. aus dem Landkreis Starnberg) eindrucksvoll gezeigt haben, können diese Entwurmungsköder die Befallsrate von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm effektiv auf nahezu null Prozent senken.

Abriss der Original Studie:

With the ongoing spread of Echinococcus multilocularis in Europe, sanitary authorities are looking for the most efficient ways of reducing the risk for human populations. Fox culling is one particular tool that has recently shifted from predation control to population health management. Our study aims to assess the effectiveness of this tool in limiting E. multilocularis prevalence in fox populations in France. During four years, a culling protocol by night shooting from cars was implemented around the city of Nancy (eastern France) representing ∼1700 h of night work and ∼15,000 km driven. The 776 foxes killed represented an overall increase of 35% of the pressure on the fox population over 693 km2. Despite this consequent effort of culling, not only did night shooting of foxes fail to decrease the fox population, but it resulted in an increase in E. multilocularis prevalence from 40% to 55% while remaining stable in an adjacent control area (585 km2). Though no significant change in age structure could be described, an increase in immigration and local recruitment is the best hypothesis for population resilience. The increase in prevalence is therefore considered to be linked to a higher rate of juvenile movement within the culled area shedding highly contaminated faeces. We therefore advocate managers to consider alternative methods such as anthelmintic baiting, which has been proven to be efficient elsewhere, to fight against alveolar echinococcosis.

Die Veröffentlichung der neuen Studie trägt die passende Überschrift „Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm“:

Eine ähnliche Studie hat erst in jüngster Vergangenheit gezeigt, dass die Bejagung von Füchsen die Ansteckungsgefahr mit der Lyme-Borreliose durch Zecken erhöht.

Mit diesen beiden Veröffentlichungen haben wir nun zwei weitere aktuelle wissenschaftliche Studien, die klar belegen, dass die Bejagung von Füchsen Krankheiten nicht bekämpft, sondern deren Ausbreitung und das Risiko einer Ansteckung (auch für Menschen) erhöht. Die Fuchsjagd dient somit keinesfalls dem Allgemeinwohl, wie Hobby-Jäger dies fälschlicherweise immer wieder behaupten, sondern stellt vielmehr eine erhebliche Gesundheitsgefahr für Menschen und Tiere dar.

Schweiz ist europäischer Hotspot

Eine im Juli 2025 im renommierten Fachjournal The Lancet Infectious Diseases publizierte Übersichtsstudie (Medizinische Universität Wien u.a.) hat erstmals europaweite Fallzahlen erhoben: Zwischen 1997 und 2023 wurden in 40 Ländern 4’207 Fälle alveolärer Echinokokkose dokumentiert. Allein auf Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz entfielen 2’864 Fälle – rund 68 Prozent aller europäischen Diagnosen. Die Schweiz weist nach Litauen die höchste Fallzahl pro Einwohner auf. In der Schweiz stiegen die Infektionen von einer Handvoll jährlicher Diagnosen in den 1990er-Jahren auf heute durchschnittlich 70 Fälle pro Jahr.

Wichtige Einordnung: Die Studie weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Teil des Anstiegs auf ein verbessertes medizinisches Bewusstsein und eine bessere Diagnosestellung zurückzuführen sein könnte. Zugleich nennt sie hohe Fuchspopulationen und intensiveren Wildtier-Mensch-Kontakt als weitere mögliche Ursachen. Was die Studie nicht nennt – und was die Jagdlobby verschweigt: Die einzige nachweislich wirksame Massnahme bleibt die Entwurmung mit Praziquantel-Ködern. Im Landkreis Starnberg (Bayern) konnte das Infektionsrisiko durch konsequentes Auslegen von Entwurmungsködern um 97 bis 99 Prozent gesenkt werden. Die Fuchsjagd hingegen hat, wie die bereits 2017 zitierte Frankreich-Studie eindeutig belegt, die Befallsrate erhöht – nicht gesenkt.

Das Muster ist klar: Steigende Fallzahlen werden von der Jagdlobby reflexartig als Argument für mehr Fuchsabschüsse instrumentalisiert. Die Wissenschaft sagt das Gegenteil: Mehr Jagd = mehr Stress = mehr Wanderbewegungen junger Füchse = mehr Verbreitung des Parasiten. Die Lösung liegt in der Entwurmung, nicht im Abschuss.

→ Mehr dazu: Hobby-Jagd fördert Krankheiten – Borreliose und Zecken

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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