2. April 2026, 16:13

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Die Hobby-Jagd als Event

Wer in den einschlägigen Jagdmagazinen und auf Jagdverbandswebsites in der Schweiz blättert, findet nicht einfach Termine. Man findet eine Erzählung. Jagd wird dort als Mischung aus Brauchtum, Familienausflug, Markt, Messe und Weiterbildung inszeniert. Mit Festwirtschaft, Tombola, Kinderprogramm und «Workshops» bekommt das Töten von Wildtieren einen Rahmen, der es harmlos und selbstverständlich wirken lässt.

Die Bandbreite ist beträchtlich: Schiesstrainings und Weitschuss-Seminare, Trophäenschauen, Pelz- und Fellmärkte, Jagdmessen, Lotto, Jagdhornfeste, Hubertusmessen, Kinderkonzerte. Die Hobby-Jagd wird damit nicht nur als «Handwerk» behauptet, sondern als Kulturangebot, das gesellschaftliche Akzeptanz herstellen soll. Dieses Dossier analysiert, wie diese Eventkultur funktioniert, was sie verdeckt – und welche Fragen die Öffentlichkeit das Recht hat zu stellen.

Was dich hier erwartet

  • Schiessen als Normalität: Training, Instruktion und Weitschuss: Wie Schiessseminare und Weitschuss-Kurse den Fokus von Wildtierschutz auf Trefferleistung verschieben – und warum das ethisch problematisch ist.
  • Pelz und Fell als Attraktion: Märkte, Prämierungen, Handel: Was es bedeutet, wenn tote Tierköper zur Schönheitskonkurrenz werden und Gewalt folklorisiert wird.
  • Trophäenschauen: Jagd als Ausstellung und Statussymbol: Warum die öffentliche Zurschaustellung erlegter Wildtiere keine neutrale «Tradition» ist, sondern Framing.
  • Messe, Markt, «Kulturabend»: Die Hobby-Jagd als PR-Offensive: Was Jagdmessen wie die «Jagdmesse Schweiz» in der Umwelt Arena Spreitenbach wirklich sind – und was auf ihnen fehlt.
  • Religion und Brauchtum: Hubertusmesse und Jagdhornfest: Wie kulturelle und religiöse Aufladung Jagd gegen Kritik immunisiert.
  • Jagd als Familienprogramm: Kinderkonzert und Rothirsch-Hegeschau: Was es bedeutet, wenn Töten in Kinderformate eingebettet wird – und wie früh Framing beginnt.
  • Lotto, «Säulischiessen» und Metzgete: Der Tod als Spiel: Wie Banaliserung und Gamifizierung Wildtiertod zur Freizeitroutine machen.
  • Was die Öffentlichkeit fragen kann und sollte: Konkrete Fragen, höflich, aber hartnäckig.
  • Argumentarium: Antworten auf die häufigsten Rechtfertigungen der Jagd-Eventkultur.
  • Quicklinks: Alle relevanten Beiträge, Studien und Dossiers.

Schiessen als Normalität: Training, Instruktion und Weitschuss

Mehrere Termine im aktuellen Schweizer Jagdkalender drehen sich explizit ums Schiessen: ein Instruktionskurs in der Jagd- und Sportschiessanlage Selgis (13.12.2025) und ein öffentliches Wurfscheiben-Training (28.01.2026) in derselben Anlage. Später folgen gleich zwei Seminare in Bülach: «Jagdlicher Weitschuss» (26.03.2026) und «Fangschuss mit Kurz- und Langwaffe» (29.03.2026).

Hier zeigt sich eine problematische Verschiebung: Statt über Wildruhe, Lebensräume oder Konfliktprävention zu sprechen, werden Reichweite, Technik und Trefferleistung zum Kerninhalt. Beim «Weitschuss»-Seminar wird Distanz zum Lernziel. Die Konsequenz ist bekannt: Mit jeder zusätzlichen Distanz nehmen Kontrollmöglichkeiten ab, äussere Einflüsse wie Wind und Bewegung des Tieres wirken stärker, die Trefferwirkung wird schwerer einzuschätzen. Selbst aus jagdinternen Quellen ist zu lesen: «Die Verantwortung wächst mit jeder zusätzlichen Distanz. Ein schlechter Schuss bedeutet Leid für das Wild – und das darf nie der Preis für technische Selbstüberschätzung sein.» Der Eventrahmen verschiebt den Fokus dennoch konsequent weg vom Tier und hin zur Leistung. Wer Weitschuss als Event vermarktet, normalisiert eine Praxis, die tierschutzrechtlich eigentlich einer kritischen Betrachtung bedürfte.

Mehr dazu: Jagdunfälle in der Schweiz: Das Risiko, das selten ehrlich diskutiert wird und Jagd und Waffen: Warum «Hobby» und Schusswaffen politisch zusammenhängen

Pelz und Fell als Attraktion: Märkte, Prämierungen, Handel

Der Eventkalender der Schweizer Jagdverbände listet allein für die ersten Monate 2026 eine dichte Reihe von Pelz- und Fellmärkten: «Traditioneller Pelzfellmarkt» in Altstätten mit Prämierung der schönsten Fuchsfelle (05.02.2026), «Zentralschweizer Fäälimärt» in Sursee (10.02.2026), «Glarner Pelzfellmarkt» (14.02.2026), «Zürcher Fellmarkt» (28.02.2026), «Pelzfellmarkt der Aargauer Jagdaufseher» (28.02.2026), «Oberwalliser Pelzfellmarkt» (28.02.2026) und «Fellmarkt Thusis» (14.03.2026).

Die Botschaft dieser Veranstaltungen ist eindeutig: Tiere werden zu Rohstoffen, Felle zu Sammelobjekten, der Umgang damit wird folklorisiert. Wenn Fuchsfelle öffentlich prämiert werden – also nach «Schönheit» gereiht, ausgestellt und bewertet –, wird ein totes Tier zum Objekt eines Schönheitswettbewerbs umgedeutet. Das ist nicht «Tradition», das ist Ästhetisierung von Gewalt. Dass diese Märkte in der Öffentlichkeit kaum kritisch kommentiert werden, ist selbst ein Symptom: Die Normalisierungsarbeit der Jagd-Eventkultur ist so weit fortgeschritten, dass das Offensichtliche unsichtbar wirkt. Pelzmärkte im 21. Jahrhundert, in einem Land mit Tierschutzgesetz und Tierwürde-Klausel im Zivilgesetzbuch, sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sollten eine öffentliche Debatte auslösen.

Mehr dazu: Jagd und Tierschutz: Was die Praxis mit Wildtieren macht und Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet, die andere längst gelöst haben

Trophäenschauen: Jagd als Ausstellung und Statussymbol

Im Kalender stehen mehrere Trophäenformate: die kantonal bernische Trophäenausstellung in Thun (31.01.2026), die Schwyzer Trophäenschau (28.02.2026), die Trophäenschau Nidwalden (07.03.2026) sowie die Urner Trophäenschau (21.03.2026, inklusive Urner Pelzfellmarkt). Trophäen sind keine neutralen «Daten». Sie sind symbolische Beweise eines Abschusses, häufig des grössten oder stärksten Tieres einer Population.

Wenn Trophäen öffentlich ausgestellt werden, wird der Tod als Leistung präsentiert. Festwirtschaft und Tombola verstärken diesen Effekt: Das Ganze wird zum Dorffest, bei dem die moralische Kernfrage – warum ein fühlendes Wildtier zum Objekt gemacht wurde – im Lärm der Geselligkeit verschwindet. Aus wildbiologischer Perspektive kommt hinzu: Starke, erfahrene Tiere sind Träger von Sozialwissen und genetischer Qualität. Ihre bevorzugte Auswahl als Trophäentiere schädigt Rudel- und Herdenstrukturen nachweislich. Die Trophäenschau feiert das. Der öffentliche Applaus dazu ist keine Neutralität – er ist eine Wahl.

Mehr dazu: Erlegerbilder: Doppelmoral, Würde und der blinde Fleck der Hobby-Jagd und Trophäenjagd: Was «Trophy Hunting» wirklich bedeutet

Messe, Markt, «Kulturabend»: Die Hobby-Jagd als PR-Offensive

Die «Jagdmesse Schweiz» findet am 7./8. März 2026 in der Umwelt Arena Spreitenbach statt – und wirbt als «grösstes Jagd- & Schützen-Event des Jahres». Fachvorträge, Workshops, «köstliche lokale Speisen und Getränke in der Festwirtschaft», Jagdreise-Anbieter und «Innovationen aus allen Bereichen der Jagd» – so beschreibt die Messe sich selbst. Ausrichter Ralf Wirtensohn vermarktet die Veranstaltung als «unvergessliches Erlebnis» und «hier schlägt das Herz der Schweizer Jagd».

Was dabei fehlt, ist bezeichnend: keine unabhängige Tierschutzstimme auf Podien, keine kritische Auseinandersetzung mit Fehlabschüssen, Bleibelastung in Wildbret oder Jagddruck auf Schutzgebiete, keine wissenschaftliche Einordnung von Jagdwirkung auf Wildtierpopulationen. Jagdmessen sind mehr als Handel. Sie sind Akzeptanzmaschinen: Ausrüstung, Kulinarik, «Tradition trifft Zukunft». Das Framing funktioniert nur, weil unbequeme Fakten konsequent ausgeklammert werden. PETA Deutschland hat dasselbe Muster für deutsche Jagd- und Angelmessen dokumentiert: Hunde und Greifvögel als lebende Requisiten, kein Platz für kritische Expertise, Verharmlosung von Tierleid als Grundprinzip der Veranstaltungslogik.

Mehr dazu: Jäger-Lobby in der Schweiz: Wie Einfluss funktioniert und Hobby-Jäger und Medien

Religion und Brauchtum: Hubertusmesse und Jagdhornfest

Eine Hubertusmesse in Schlierbach (29.12.2025) und das Eidgenössische und internationale Jagdhornbläserfest in Liestal (30.05.2026) verbinden Jagd mit Ritual und Gemeinschaft. Das kann menschlich verbindend sein. Nur ist es auch eine Strategie: Wer Jagd religiös oder kulturell auflädt, immunisiert sie gegen Kritik.

Dann wirkt Widerspruch schnell wie ein Angriff auf «Brauchtum» oder auf «Tradition» – obwohl es in Wahrheit um Tierleid, ökologische Wirkung und demokratische Kontrolle geht. Das Muster ist aus anderen Bereichen bekannt: Cockfighting, Stierkampf, Pelzindustrie – alle wurden oder werden mit «Tradition» verteidigt, bis gesellschaftliche Mehrheiten und Gerichte das anders sahen. Die religiöse Codierung der Hobby-Jagd durch Hubertusmessen erfüllt dieselbe Funktion: Sie setzt einen Deutungsrahmen, in dem moralische Fragen als Frömmelei oder Sentimentalität erscheinen. Das ist kein Zufall. Es ist eine Kommunikationsstrategie.

Mehr dazu: Jagdmythen: 12 Behauptungen, die du kritisch prüfen solltest und Psychologie der Jagd

Jagd als Familienprogramm: Framing beginnt früh

Bei der Rothirsch-Hegeschau St. Gallen (07.03.2026) wird ein Familienprogramm mit Kinderkonzert beworben. Wenn Jagd in Kinderformate eingebettet wird, entsteht früh ein Bild: Jagd sei Naturkunde, Volksfest und Abenteuer. Ein Raum, in dem Tiere ausgestellt, Trophäen bewundert und Jagen als normaler Teil der Natur präsentiert werden.

Die Realität ist aber auch: Jagd bedeutet Angst, Flucht, Verletzung und Tod für Wildtiere. Kinderprogramme an jagdlichen Ausstellungen sind deshalb keine harmlose «Aufklärung», sondern Framing. Wer Kinder in einem positiven, geselligen Umfeld zuerst mit erlegten Wildtieren in Kontakt bringt, gestaltet eine Vorerfahrung – bevor das Kind in der Lage ist, Fragen zu stellen. Das ist keine Verschwörung. Es ist ein bekannter Mechanismus der Normalisierung, der auch bei anderen Konsumthemen – Fleischindustrie, Zirkus – gut dokumentiert ist. Aufgeklärte Eltern dürfen das benennen.

Mehr dazu: Jagd und Kinder: Was es bedeutet, Töten als Naturerfahrung zu verkaufen und Keine Jagdpropaganda durch Hobby-Jäger in Schulen (Mustervorstoss)

Lotto, «Säulischiessen» und Metzgete: Der Tod als Spiel

Ein Jäger-Lotto (01.01.2026) und das Säulischiessen in Wittenbach (07.02.2026), kombiniert mit Metzgete und Fleischpreis, markieren die letzte Stufe der Banalisierung: Die Hobby-Jagd wird zum Spiel- und Konsumformat. Beim Säulischiessen wird die Sprache der Punkte und Treffer eingesetzt. Was auf Scheiben geübt wird, endet draussen am Tierkörper.

Gamifizierung und Preisverleihung erfüllen eine präzise psychologische Funktion: Sie koppeln das Töten von Tieren an positive Emotionen wie Erfolg, Wettbewerb und Geselligkeit. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was ethisch reflektierte Jagdausbildung leisten sollte – nämlich das Bewusstsein für Tierleid, Verantwortung und die Frage, ob ein Schuss überhaupt notwendig ist. Wenn der Tod zum Spielgewinn wird, ist die ethische Reflexion nicht mehr Teil des Rahmens.

Mehr dazu: Der Jagdschein und Wildfleisch: Vom Schuss bis zum Teller

Was die Öffentlichkeit fragen kann und sollte

Diese Events sind öffentlich oder halböffentlich – und genau deshalb gesellschaftlich relevant. Wer die Hobby-Jagd kritisiert, muss nicht wegschauen. Man kann hinschauen und konkrete Fragen stellen – höflich, aber hartnäckig:

  • Welche Standards gelten gegen Fehlabschüsse und Nachsuchen – und wie werden sie an diesen Veranstaltungen thematisiert, kontrolliert und dokumentiert?
  • Wie wird Tierleid in der Ausbildung realistisch behandelt, statt ausschliesslich Technik und Trefferleistung zu vermitteln?
  • Welche Rolle spielen Pelz- und Fellmärkte heute noch – und warum werden Felle prämiert, als wären sie Kunstobjekte statt Überreste getöteter Wildtiere?
  • Warum werden Trophäen ausgestellt, statt die Debatte über Ethik und Notwendigkeit zu führen?
  • Wo sind unabhängige Tierschutz- und Wildtierforschungsstimmen auf Podien – und nicht nur jagdnahe Referate?
  • Wie werden Minderjährige an jagdlichen Veranstaltungen vor einseitigem Framing geschützt?
  • Wer finanziert diese Veranstaltungen – und in welchem Verhältnis stehen öffentliche Mittel und Verbandsgelder?

Was sich ändern müsste

  • Transparenzpflicht für Jagdveranstaltungen mit öffentlichem Charakter: Jagdmessen, Trophäenschauen und Fellmärkte, die öffentlich zugänglich sind oder öffentliche Infrastruktur nutzen, müssen offenlegen, wer sie finanziert, ob öffentliche Mittel fliessen und welche Tierschutzstandards eingehalten werden. Mustervorstoss: Jagdpropaganda mit toten Tieren eindämmen
  • Keine öffentlichen Mittel für Jagd-PR: Kantone und Gemeinden stellen keine öffentlichen Räume, Subventionen oder personelle Unterstützung für Veranstaltungen zur Verfügung, die Jagd als Freizeitkultur bewerben, ohne gleichzeitig unabhängige Tierschutz- und Wildtierschutzstimmen einzubinden.
  • Altersrestriktionen für Jagdveranstaltungen: Veranstaltungen, bei denen Trophäen ausgestellt, Felle prämiert oder Tiere als Preise verlost werden, erhalten eine Altersbeschränkung oder werden verpflichtet, kindgerechte Alternativprogramme ohne Jagdverherrlichung anzubieten. Mustervorstoss: Verbot für Kinder und Jugendliche auf der Jagd
  • Pflicht zur Kontextualisierung bei Trophäenschauen und Fellmärkten: Trophäenschauen und Fellmärkte, die öffentlich stattfinden, werden verpflichtet, sichtbar über Fehlabschussquoten, Streifschussraten und die ökologischen Auswirkungen der Hobby-Jagd zu informieren, damit Besucherinnen und Besucher eine informierte Einordnung vornehmen können.
  • Verbot von Weitschuss-Seminaren als öffentliche Freizeitangebote: Seminare, die gezielt die Schussdistanz maximieren, werden nicht als Freizeitformat beworben. Schiesstraining, das über den gesetzlichen Mindeststandard hinausgeht, wird ausschliesslich behördlich kontrolliert und nur im Rahmen professioneller Wildhüterausbildung angeboten.
  • Unabhängige Tierschutzstimmen auf Jagdmessen: Jagdmessen mit öffentlichem Charakter werden verpflichtet, unabhängige Tierschutz-, Wildtierforschungs- oder Ethikperspektiven in ihr Programm aufzunehmen, wenn sie sich als Bildungs- oder Informationsveranstaltungen positionieren.

Argumentarium

«Das ist Tradition – das gibt es seit Hunderten von Jahren.» Das stimmt für viele Praktiken, die die Gesellschaft trotzdem überwunden hat: Bärenkämpfe, Falknerei als Statussymbol, Pelzhandel auf Wochenmärkten. Tradition ist eine Beschreibung der Vergangenheit, kein moralisches Argument. Tierschutzgesetz und Tierwürde sind ebenfalls Teile der Schweizer Rechtsordnung – und neuere.

«Jagdmessen und Schiesstrainings sind harmlose Freizeitformate.» Genau das ist der Punkt: Sie werden als harmlos präsentiert. Was in der Inszenierung wegfällt, sind Fehlabschüsse, verletzte Tiere, Wildtierstress, Bleibelastung und die ökologischen Folgen intensiver Hobby-Jagd. Ein «harmloses Freizeitformat», das konsequent alles ausblendet, was unbequem ist, betreibt keine Unterhaltung – es betreibt PR.

«Kinder lernen auf Jagdveranstaltungen etwas über die Natur.» Einseitig positiv codierte Naturerfahrung auf Jagdveranstaltungen ist Framing, kein Naturkundeunterricht. Aufgeklärte Naturbildung zeigt Wildtiere als lebende, fühlende Individuen mit sozialen Strukturen – nicht als Trophäen und Fellmärktware. Es gibt Wildtierpädagogik ohne Tötung. Diese sollte der Standard sein.

«Weitschuss-Seminare verbessern die Kompetenz und reduzieren Fehlabschüsse.» Die Graubünden-Daten zeigen: Rund 9 Prozent aller Abschüsse sind widerrechtlich, jährlich mehrere Hundert Fehlabschüsse in einem einzigen Kanton. Wäre Schiesstraining der Schlüssel, hätten diese Zahlen sich längst verbessert. Das Problem ist strukturell, nicht technisch. Mehr Distanz bei gleicher struktureller Verantwortungslosigkeit erzeugt mehr Leid, nicht weniger.

«Es geht darum, Gemeinschaft und Zusammenhalt zu stärken.» Gemeinschaft und Zusammenhalt sind legitime gesellschaftliche Bedürfnisse. Sie brauchen keine Trophäenschauen, Fellmärkte und Weitschuss-Seminare als Plattform. Wer Gemeinschaft auf dem Rücken von Wildtieren aufbaut, hat andere Möglichkeiten – und wählt trotzdem diese. Das ist eine Entscheidung, die hinterfragt werden darf.

Beiträge auf Wild beim Wild:

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Unser Anspruch

Die Hobby-Jagd investiert erhebliche Energie in ihre öffentliche Inszenierung. Trophäenschauen, Fellmärkte, Kinderprogramme und Jagdmessen sind keine harmlosen Veranstaltungen. Sie sind Akzeptanzmaschinen, die das Töten von Wildtieren normalisieren, folklorisieren und gegen Kritik immunisieren. IG Wild beim Wild dokumentiert diese Eventkultur, benennt die Framing-Mechanismen und stellt die Fragen, die auf diesen Veranstaltungen systematisch ausgeklammert werden.

Wir fordern nicht, dass Hobby-Jäger sich nicht treffen dürfen. Wir fordern, dass die Öffentlichkeit weiss, was hinter den Festwirtschaften, Tombolas und «Kulturabenden» stattfindet, und dass öffentliche Räume und öffentliche Mittel nicht dafür eingesetzt werden, eine bewaffnete Freizeitlobby als Brauchtumspflege zu vermarkten. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Veranstaltungsformate, politische Vorstösse oder Recherchen es erfordern.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.