Wer heute über Jagd spricht, landet schnell in den immer gleichen Schlagworten: «Hege», «Bestand», «Tradition».
Bardot hat dieses Vokabular nie akzeptiert. Für sie war Jagd nicht «Management», sondern Gewalt, oft als Freizeit getarnt. Ihre Radikalität war nicht immer bequem, aber sie hat den Diskurs verschoben.
Bardot zog sich 1973 aus dem Film zurück und widmete sich danach fast ausschliesslich dem Tierschutz. 1986 gründete sie die Fondation Brigitte Bardot (FBB). Die Stiftung positioniert sich bis heute ausdrücklich jagdkritisch und spricht von grausamen, archaischen Praktiken, die Umwelt und Sicherheit schädigten.
Diese Klarheit war ihr Markenzeichen. Sie argumentierte nicht innerhalb der Jagdlogik, sondern stellte die Grundfrage: Warum sollen Tiere sterben, wenn der Mensch Alternativen hat?
Jagd als Freizeit und das Problem der Normalisierung
Jagd ist nicht nur ein Schuss. Jagd ist auch eine Erzählung, die Gewalt gesellschaftsfähig macht: als «Brauchtum», als «Naturverbundenheit», als «Notwendigkeit». Bardot griff genau diese Normalisierung an. Sie stellte die moralische Schieflage bloss, in der Tiere als «Ressource» erscheinen und Leid zur Randnotiz wird.
In der Kommunikation der FBB wird Jagd nicht romantisiert, sondern als Risiko für Unbeteiligte und als Eingriff in ökologische Gleichgewichte beschrieben. Das ist eine Gegenperspektive zur PR der Jagdlobby, die in vielen Ländern seit Jahren versucht, Kritik als «emotional» abzuwerten.
Was Bardot konkret gegen Jagd tat
Bardots Einfluss war nie nur symbolisch. Ihre Prominenz brachte Reichweite, Geld, Medienaufmerksamkeit, und damit Druck.
- Institutionalisierung des Protests: Mit der FBB entstand ein dauerhaftes Vehikel, das Kampagnen führen und Forderungen wiederholen kann, auch wenn der News-Zyklus weiterzieht.
- Internationale Kampagnen gegen das Töten von Wildtieren: Bardot nutzte ihre Bekanntheit früh, um Jagdpraktiken weltweit anzuprangern, etwa rund um Robbenschlachten, die auch mit Jagdlogiken und Vermarktung verknüpft sind.
- Druck auf Politik und Öffentlichkeit: In Nachrufen wird betont, dass sie ihre späten Jahrzehnte konsequent dem Tierschutz widmete und damit eine der bekanntesten Figuren der Bewegung blieb.
Der Brief an Bundesrat Albert Rösti: Bardots Warnruf vor dem politischen Abschussreflex
Als die Schweiz im Herbst 2023 eine massive «Regulation» des Wolfs ankündigte, meldete sich Brigitte Bardot auch hierzulande zu Wort. Im Oktober 2023 richtete sie auf X einen offenen Brief an Bundesrat Albert Rösti und geisselte die Abschusspläne als «tödlichen Wahnsinn» und «eine Schande». Sie warnte vor einer Politik, die aus Konfliktmanagement einen Feldzug macht. «Sie können nicht in den Krieg ziehen gegen dieses Tier», schrieb Bardot, ein Tier, «das daran nichts verschuldet» sei und «wertvoll für die Biodiversität».
In dieser Intervention zeigt sich, wie konsequent Bardot dachte: Nicht nur Jagd als Freizeitvergnügen, auch staatlich legitimierte Tötung wird dann problematisch, wenn sie zur Symbolpolitik wird. Statt den Beutegreifer als Sündenbock zu behandeln, forderte sie sinngemäss das, was in jeder ehrlichen Debatte zuerst kommt: wirksamer Herdenschutz, Prävention und Verantwortung beim Menschen. Bardots Brief war damit weniger ein Promi-Aufreger als ein moralischer Stresstest für eine Gesellschaft, die Natur gern beschwört, aber beim ersten Konflikt zur Flinte greift.
Eine Schande. Sie können nicht in den Krieg ziehen gegen dieses Tier, das wertvoll für die Biodiversität ist.
Eine unbequeme Ikone: Tierschutz und Kontroversen
Bardot war nicht nur Tierschutz-Ikone, sie war auch eine polarisierende Person. In der Berichterstattung wird neben ihrem Einsatz für Tiere auch ihre politische Nähe zu französischen Rechtsaussen-Positionen thematisiert. Das schmälert nicht automatisch den realen Nutzen ihrer Tierschutzarbeit, aber es macht die Figur widersprüchlich, und Widersprüche gehören zur Wahrheit.
Gerade deshalb lohnt der Blick auf das Werk statt auf den Kult: Welche Argumente bleiben tragfähig, auch ohne Personenkult? Bei Bardot ist es die simple, harte Frage nach der Legitimation des Tötens als Freizeitbeschäftigung.
Was ihr Tod für die jagdkritische Bewegung bedeutet
Bardots Tod beendet eine Ära, aber nicht die Debatte. Im Gegenteil: Wer Jagd kritisiert, kennt die Strategie der Gegenseite, Kritik als «gefühlsgesteuert» zu entwerten. Bardot hat gezeigt, dass Emotionalität kein Makel ist, wenn es um Leid geht, sondern oft der Beginn von Ethik.
Wenn Bewegungen wachsen sollen, brauchen sie mehr als Empörung: belastbare Daten, lokale Beispiele, gute Bilder, klare Sprache. Bardot lieferte vor allem das Letzte: Klarheit.
Mitmach-Aktion: Fordert bei Eurer Gemeinde aufgrund der katastrophalen Politik von Bundesrat Albert Rösti (SVP) ein Erlassgesuch für die Bundes- und Kantonssteuern aufgrund des neulich bewilligten Abschusses von Wölfen in der Schweiz. Den Musterbrief könnt ihr hier downloaden: https://wildbeimwild.com/ein-appell-fuer-eine-veraenderung-in-der-schweiz/






