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Zoo

Strafanzeige gegen Tiergarten Nürnberg: Paviane getötet

Nach der vollzogenen Tötung von 12 gesunden Guinea-Pavianen im Tiergarten Nürnberg haben die Artenschutzorganisation Pro Wildlife und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) gemeinsam Strafanzeige gegen die Zooleitung gestellt.

Redaktion Wild beim Wild — 29. Juli 2025

Die Organisationen sehen in dem Vorgehen einen klaren Verstoss gegen das Tierschutzgesetz und fordern strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Was wir befürchtet hatten, ist eingetreten: Gesunde Tiere mussten sterben, weil ein Zoo über Jahrzehnte verantwortungslos gezüchtet und keine nachhaltigen Lösungen entwickelt hat, kritisiert Laura Zodrow, Sprecherin von Pro Wildlife. Diese Tötung war vermeidbar und ist aus unserer Sicht rechtswidrig.

Angekündigte Tötung trotz Alternativen vollzogen

Bereits Ende Mai hatte Pro Wildlife den Tiergarten Nürnberg aufgefordert, von seinen Tötungsplänen abzusehen. Obwohl andere Einrichtungen bereit waren, die Paviane aufzunehmen, hat der Zoo seine Ankündigung nun in die Tat umgesetzt und 12 ungewollte Tiere umgebracht.

Der Zoo hat am Dienstag überraschend geschlossen, laut einer Meldung auf seiner Webseite. «Aus betrieblichen Gründen» heisst es. «Tickets würden ihre Gültigkeit behalten, Gruppen könnten sich den Eintrittspreis zurückerstatten lassen», ist auf der Internetseite zu lesen.

Tierschützer kritisieren systematisches Versagen im Zuchtmanagement

„Aus unserer Sicht ist das ein systematisches Versagen im Zuchtmanagement”, so Pro Wildlife. Der Nürnberger Zoo züchtet seit Jahrzehnten Guinea-Paviane ohne tragfähiges Konzept für den Umgang mit dem Nachwuchs. Die Folge: In einem Gehege, das ursprünglich für 25 Tiere konzipiert worden war, lebten zuletzt 45 Paviane – eine Überbelegung von 80 Prozent. Die Konsequenzen der beengten Haltung: Stress und Auseinandersetzungen unter den Tieren.

„Statt die Tiere an eine Auffangstation abzugeben, auszuwildern, das Gehege zu vergrössern oder ein neues zu bauen, hat der Tiergarten Nürnberg die ‚einfachste‘ Lösung gewählt: die Tötung“, betont Zodrow. „Gleichzeitig investiert der Zoo Millionen in neue Projekte, um weitere Tiere anzuschaffen. Diese Doppelmoral ist inakzeptabel.“

Was die Tierschützer zudem schockiert: Nach der Tötung will der Tiergarten erneut mit den Pavianen züchten.

Gefährliches Exempel wird statuiert

Moderne Zoos haben die Verantwortung, alternative Lösungen zu finden – sei es durch Abgabe an andere Einrichtungen, Verhütung oder Umgestaltung der Haltung. Laura Zodrow von Pro Wildlife warnt eindrücklich: „Mit den Pavianen wird hier ein gefährliches Exempel statuiert – nach aller Voraussicht wird es nicht bei dieser einen Tierart bleiben, wenn diese Praxis des Tötens ungewollter Zootiere erst einmal etabliert ist.”

Neuer Präsident des Zoo-Dachverbandes in der Verantwortung

Besonders brisant: Dr. Dag Encke, Direktor des Tiergartens Nürnberg, wurde erst kürzlich zum neuen Präsidenten des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) gewählt. Die Mitglieder sprachen sich ohne Gegenstimmen für Encke aus, der nun als Verbandspräsident die Standards aller deutschen Zoos massgeblich mitbestimmen wird. „Dass ausgerechnet derjenige, der die Tötung gesunder Tiere als Managementmethode vorantreibt, jetzt den gesamten Zooverband repräsentiert, ist ein verheerendes Signal“, kritisiert Zodrow.

Platzmangel rechtfertigt keine Tötung

Die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht erklärt, dass es keine rechtliche Grundlage gebe, die eine Tötung aus Managementüberlegungen oder Platzmangel rechtfertigt. Dr. Christoph Maisack, Vorsitzender der DJGT betont: „Das Tierschutzgesetz erlaubt die Tötung von Wirbeltieren nur bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes. Der selbst herbeigeführte Zuchtüberschuss kann jedoch keinen solchen Grund darstellen. Aus unserer Sicht liegt ein Verstoss gegen § 17 Abs. 1 Nr. 1 TierSchG und damit eine Straftat vor, die mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe zu ahnden ist.“

Mit der Strafanzeige fordern die beiden Organisationen jetzt eine umfassende rechtliche Prüfung. Gleichzeitig appellieren sie an die Politik, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Zoos und deren Zuchtprogramme deutlich zu verschärfen.

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