Während die Schweiz täglich über den Wert von Frieden, Ethik und Verantwortung diskutiert, drängen Hobby-Jäger auf technische Hilfsmittel, die das Töten im Wald noch unauffälliger machen sollen.
Schalldämpfer – in einigen Ländern bereits erlaubt – sind bei uns aus guten Gründen verboten. Doch die Lobby der Freizeitjäger gibt nicht auf.
Schalldämpfer sollen angeblich das Gehör der Hobby-Jäger schützen und für mehr Präzision sorgen. In Wahrheit dienen sie vor allem dazu, Schüsse leiser und damit schwerer kontrollierbar zu machen. Wildhüter und Aufsichtsorgane stehen vor einem Problem: Wer hört, wo im Wald geschossen wurde, wenn der Knall fehlt?
Die Angst vor Wilderei ist berechtigt. Ein nahezu lautloser Schuss erschwert die Nachverfolgung und öffnet Tür und Tor für Missbrauch. Die Kontrolle über das Jagdgeschehen würde weiter sinken – und das in einem Land, in dem bereits heute jedes Jahr zahlreiche Verstösse gegen Jagd- und Tierschutzgesetze registriert werden.
Technik ersetzt kein Verantwortungsbewusstsein
Die Jagd wird von ihren Befürwortern oft als Tradition oder Beitrag zur Naturpflege verklärt. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: überalterte Jägerschaften, mangelnde Ausbildung, Fehlschüsse und Tierleid.
Ein Schalldämpfer macht aus einem schlechten Schützen keinen besseren. Er verändert lediglich die akustische Wahrnehmung des Leids, das durch die Kugel verursacht wird. Und genau das ist das Problem: Je leiser die Schüsse, desto stiller wird auch das Gewissen.
Risiko für Mensch und Tier
Nicht nur Wildtiere, sondern auch Spaziergänger, Reiter und Familien sind gefährdet. Wenn Schüsse kaum hörbar sind, steigt das Risiko von Unfällen. Gleichzeitig verlieren Tiere die Chance, durch den Knall zu fliehen – sie werden ahnungslos zur Zielscheibe.
Der vermeintliche Fortschritt ist in Wahrheit ein Rückschritt im Hinblick auf Ethik und Sicherheit.

Tierschutz statt Technikfetisch
Tierschützer fordern seit Jahren, dass Jagd nur von professionellen Wildhütern und Fachpersonen mit klarer Kontrolle ausgeübt werden darf – wie im Kanton Genf. Wer wirklich am Tierwohl interessiert ist, sollte nicht über Schalldämpfer, sondern über Alternativen zur Hobby-Jagd sprechen.
Denn die Natur braucht keine bewaffneten Freizeitaktivisten, sondern Respekt, Schutz und Rückzugsmöglichkeiten. Jagd ist kein Hobby – sie ist ein Eingriff in das Leben anderer Lebewesen.
Ein klares Nein zur stillen Jagd
Die Schweiz braucht keine leiseren Waffen, sondern lautere Stimmen für den Tierschutz. Schalldämpfer sind kein Fortschritt, sondern ein weiteres Werkzeug, um das Leid der Tiere zu verschleiern. Die Stille, die sie erzeugen, ist nicht die Ruhe der Natur – es ist das Schweigen über unnötiges Töten.
Es ist nicht so, dass Schalldämpfer die Waffe per se genauer machen, aber sie sollen – laut den Hobby-Jägern – angeblich erleichtern, die Waffe genauer zu schiessen. Schalldämpfer bringen jedoch zum Beispiel auch das Gleichgewicht des Gewehrs aus dem Gleichgewicht, was nicht zu einer höheren Treffsicherheit führt. Ein Schalldämpfer erhöht nicht die Chancen beim ersten Schuss – er verbessert die Aussichten für den zweiten Schuss –, falls der erste Schuss nicht richtig trifft und die Wildtiere nicht erschreckt werden, oder wenn der Hobby-Jäger ungestört in Serie weitere Wildtiere an Ort und Stelle erschiessen möchte. Schalldämpfer dienen in erster Linie dem Killer und nicht dem Tierschutz.
Jeder Schuss der Hobby-Jäger stört über viele Kilometer das ganze Biotop. Alle werden mit negativer Energie konfrontiert. Das Produkt Wildbret ist laut zahlreichen Studien ungesund. Verarbeitetes Wildfleisch ist wie Zigaretten, Asbest oder Arsen krebserregend, mahnt etwa die Weltgesundheitsorganisation WHO.
Mitmenschen werden durch den Lärm und die Hobby-Jagd ebenfalls nervlich belästigt. Gerade die Bündner Hobby-Jäger sind ein Paradebeispiel für Mangel an moralischer und ethischer Hygiene. Jedes Jahr gibt es rund tausend Anzeigen und Bussen, weil Bündner Hobby-Jäger gegen Jagdgesetze, Waffengesetze, Umweltgesetze, Tierschutzgesetze, Schiessgenauigkeit, usw. verstossen. Die schlecht geführten Jagdpraktiken und die Charakterlosigkeit der Hobby-Jäger sind zahlreich dokumentiert.
Weidgerechtigkeit mit technischen Hilfsmitteln?
Mit Schalldämpfer werden Hobby-Jäger noch schwieriger zu kontrollieren sein. Wie sollen Wildhüter, Jagdaufseher und andere Kontrollorgane die kaum hörbare Entladung richtig zuordnen? So können die vielen Fehlschüsse der Hobby-Jäger noch weniger rapportiert werden. Tierquälerei wird Tür und Tor geöffnet. Normale Menschen werden zusätzlich gefährdet, weil Hobby-Jäger nicht nur in Graubünden praktisch das ganze Jahr über irgendein Wildtier jagen dürfen. Auch Wildtiere haben weniger Chancen, weil sie durch die hinterhältigen und feigen Schüsse nicht aufgeschreckt werden.
Wer ohne technische Hilfsmittel kein erfolgreicher Hobby-Jäger ist, wird es mit Schalldämpfer auch nicht.
Tierschützer sind dezidiert überzeugt, dass technische Hilfsmittel wie Schalldämpfer nur in die Hände von gut ausgebildeten Wildhütern gehören, wie dies im Kanton Genf der Fall ist!
Hobby-Jäger, die den Rückstoss nicht ertragen oder lärmempfindlich sind, sollten sich ein ruhigeres Hobby suchen. Es gibt keine Notwendigkeit und keine Möglichkeit, unter Beachtung von Art. 3 JSV Schalldämpfer jagdlich generell zu bewilligen.
Ausserdem sollte die Jägerschaft bei der Initiative zur „Einschränkung von Feuerwerk“ JA stimmen, wenn es ihr wirklich ums Tierwohl gehen sollte.
Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.
Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.
Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.
Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.






