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Jagdgesetz

Streit um den Gänsesäger: Fabio Regazzi fordert Abschüsse

Der Gänsesäger bleibt geschützt, wird aber gezielt regulierbar, um bedrohte Fischarten besser zu schützen. Dieses Vorgehen ist umstritten, da der Einfluss des Gänsesägers auf Fischbestände bislang nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist.

Redaktion Wild beim Wild — 20. August 2025

Die Debatte um den Schutzstatus des Gänsesägers nimmt Fahrt auf.

Mit 10 zu 3 Stimmen hat die Umwelt-, Raumplanungs- und Energiekommission des Ständerats (Urek-S) einer parlamentarischen Initiative des Hobby-Jägers und Ex-Jagdpräsidenten Fabio Regazzi (Mitte/TI) Folge gegeben.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die fischfressenden Vögel, die heute ungerechtfertigterweise absolut geschützt sind, ungestört Fische jagen und fangen. – Fabio Regazzi

Damit könnte künftig auch der Gänsesäger – ähnlich wie der Kormoran – in gewissen Situationen durch die Jagd dezimiert werden. Doch während Fischerverbände die Lockerung begrüssen, schlagen Naturschützer Alarm.

Vogelwarte mahnt zu Zurückhaltung

Ganz anders beurteilt die Vogelwarte Sempach die Lage. Zwar habe sich die Population des Gänsesägers in den vergangenen 20 Jahren vergrössert, doch der konkrete Einfluss auf Fischbestände sei wissenschaftlich kaum belegt. Viel stärker wirkten Faktoren wie verbautes Gewässer, steigende Wassertemperaturen oder die Konkurrenz durch invasive Arten.

Ein Sprecher der Vogelwarte betont: „Die Schweiz trägt eine besondere Verantwortung für diese genetisch eigenständige Alpenpopulation. Eingriffe dürfen nur in eng begrenzten Situationen erfolgen – und nur, wenn tatsächlich ein klarer Schaden nachgewiesen ist.“

Naturschutzverbände warnen vor Präzedenzfall

Auch Pro Natura, WWF und BirdLife lehnen die geplante Gesetzesänderung ab. Sie sehen in der möglichen Herabstufung des Schutzstatus eine Aufweichung des internationalen Artenschutzes. Die Gefahr bestehe, dass der Bund seine Schutzverantwortung an die Kantone abtrete und damit den verfassungsmässigen Auftrag zum Schutz der Biodiversität unterlaufe.

„Das ist ein Abschussgesetz durch die Hintertür“, heisst es bei Pro Natura. Statt den Gänsesäger ins Visier zu nehmen, brauche es umfassende Massnahmen zur Revitalisierung von Gewässern und zur Anpassung an den Klimawandel.

Politischer Entscheid steht noch aus

Mit dem Entscheid der Ständeratskommission ist der Weg für eine Gesetzesänderung bis jetzt nicht frei. Zunächst muss die Schwesterkommission im Nationalrat Stellung nehmen. Erst wenn beide Kammern dem Vorstoss zustimmen, könnte der Schutzstatus tatsächlich gelockert werden.

Bis dahin dürfte die Auseinandersetzung weitergehen – zwischen Fischern, die um ihre Bestände kämpfen, und Naturschützern, die im Gänsesäger vor allem ein Symbol für den Wert der Artenvielfalt sehen.

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