Kinder töten Wildtiere mit Schleudern
Grossbritannien steht vor einem beunruhigenden Phänomen: Kinder und Jugendliche, darunter Primarschüler, töten mit Schleudern Wildtiere und verbreiten die Videos in einer landesweiten WhatsApp-Netzstruktur. Eine Recherche von Sky News hat fast 500 Mitglieder in elf solchen Gruppen identifiziert, in denen über 350 Fotos und Videos geteilt wurden.
Die Tiere, die ins Visier genommen werden, sind vielfältig: Schwäne, Rehe, Füchse, Kaninchen, Fasane, Tauben, Kanadagänse, Eichhörnchen und Enten.
Das Swan Sanctuary im englischen Shepperton pflegt derzeit rund 20 Vögel mit Schleuderverletzungen. Freiwilliger Danni Rogers beschreibt die Wunden als «lebensverändernd und todbringend»: «Frakturen im Gesichtsbereich, explodierende Augen, platzende Luftröhren.» Röntgenbilder zeigen Stahlkugellager, die tief im Gewebe der Tiere stecken.
In einem der Videos liegt ein Reh am Boden, schwer verletzt durch einen Kopfschuss, während das Kind, das geschossen hat, das Tier noch tritt. In einem anderen Video filmt ein Teenager eine Kanadagans, die nach einem Schuss ertrinkt: «One up for the new catapult big Canadian goose, dead as a dodo.»
Kein Verbot, freier Verkauf: Die Gesetzeslücke
Schleudern sind in Grossbritannien legal kaufbar, auch für Minderjährige, unter anderem auf Amazon und eBay. Das Tragen in der Öffentlichkeit ist nicht verboten. Zwar schützen der Animal Welfare Act 2006 und der Wildlife and Countryside Act 1981 Wildtiere vor mutwilligem Leiden, doch die Schleuder ist in keiner der verbotenen Waffenlisten explizit aufgeführt. Das macht Strafverfolgung aufwendig und selten, wie die RSPCA öffentlich bestätigt.
Der RSPCA-Wildtierexperte Geoff Edmond nennt die Schleuder-Angriffe einen «aufkommenden Trend»: «Wir sehen immer mehr verletzte Tiere, die mit Schleudern beschossen wurden.» Auch die Polizei in London und Essex registriere eine steigende Fallzahl.
Parlamentspetition fordert Konsequenzen
Eine aktuell laufende Petition im britischen Parlament mit fast 40’000 Unterschriften fordert, das Tragen einer Schleuder in der Öffentlichkeit ohne triftigen Grund als absoluten Straftatbestand einzustufen, analog zu Luftgewehren. Als Kompromiss schlagen die Initianten ein Lizenzsystem für legitime Nutzungen wie das Angeln vor.
Der konservative Parlamentarier Henry Smith, Vizevorsitzender der All-Party Parliamentary Group for Animal Welfare, unterstützt die Petition: Das Parlament müsse «dringend» handeln und sicherstellen, dass es eine klare Strafandrohung für jene gebe, «die Schleudern als Waffe einsetzen, um Tiere zu verletzen und leiden zu lassen».
Die Regierung (Home Office) hat bisher abgelehnt, ein absolutes Verbot einzuführen, will aber «aktiv prüfen», was mehr getan werden kann.
Was steckt hinter der Gewalt?
Tierschutzorganisationen und Kinderpsychologinnen und -psychologen betonen: Die Bereitschaft, Tiere als Zielscheibe für «Spass» zu betrachten, ist kein isoliertes Phänomen. Sie spiegelt eine Kultur, in der das Töten von Wildtieren als sportliche Trophäe inszeniert wird, verstärkt durch soziale Medien, die Sichtbarkeit und Belohnung durch Likes schaffen. Wer Tiere quält, zeigt damit nicht nur ein gestörtes Verhältnis zur Wildtierwelt, sondern zu Mitgefühl und Verantwortung überhaupt.
Die Debatte in Grossbritannien sollte auch auf dem Kontinent Gehör finden. In der Schweiz existieren ähnliche Schutzlücken: Schleudern sind legal, der Nachweis der Tierquälerei bleibt schwierig, und die Dunkelziffer dürfte erheblich sein. Wer mehr über den Schutz von Wildtieren in Europa erfahren möchte, findet bei wildbeimwild.com laufend aktuelle Berichte.
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