Natürlich, das darf man nicht vergessen: Hobby‑Jäger handeln ja nicht aus Eigeninteresse, sie haben einen staatlichen Auftrag! So sagen sie jedenfalls. Einen Auftrag, den sie sich selbst ausgestellt, geprüft und abgesegnet haben – natürlich ganz objektiv, versteht sich.
Ein wahrer Kreislauf der Verantwortung: Der Hobby‑Jäger erklärt sich selbst zum Wildhüter, schiesst ein paar Tiere und zeigt anschliessend stolz auf die Politik, die das angeblich so wolle. Verantwortung ist überhaupt ein Lieblingswort. Es klingt nach Pflichtgefühl, nach Bürgersinn – fast heroisch. Wenn jemand nachfragt, woraus diese Verantwortung konkret besteht, lautet die Antwort meistens: «Ja, äh … das mit der Natur halt.»
So wird die Hobby‑Jagd zur moralischen Hochleistung, bei der man gleichzeitig Täter, Kontrolleur und Applaudierender ist. Wer braucht da noch Trennung zwischen Amt und Leidenschaft, wenn alles so wunderbar behördlich klingt?
Die Sache mit dem Naturverständnis
Besonders charmant ist auch das pädagogische Sendungsbewusstsein vieler Hobby‑Jäger. Mit ernster Stimme erklären sie allen, die keine Waffen tragen, dass diese die «Zusammenhänge in der Natur» gar nicht verstehen. Nur wer regelmässig Lebewesen erschiesst, soll das grosse Ganze begreifen – so die Logik.
In Wahrheit sind es aber oft genau jene, die ein eigentümliches, fast sektiererisches Weltbild pflegen. Über Generationen weitergereichte Stammtisch‑Weisheiten werden zu Naturgesetzen erhoben, und wer etwas anderes sagt, gilt gleich als «romantischer Städter». Man verteidigt sein Revier – nicht nur im Wald, sondern auch im Denken.
Dabei ist das Hobby‑Jägertum längst weniger naturkundlich als ideologisch. Ein geschlossener Kreis aus Rechtfertigung, Selbstbestätigung und «Tradition». Der eigene Mythos wird gepflegt wie ein Hochsitz, angeschraubt an die Vergangenheit, mit Aussicht auf moralische Überlegenheit.
So bleibt am Ende das Gefühl, etwas Grosses geleistet zu haben. Ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Machtgefühl, ein wenig «ich tue ja was für die Natur». Und wenn das Reh dann hängt, wird’s fotografiert, gepostet und gefeiert – schliesslich soll die Welt wissen, dass man zu den Guten gehört.
Besonders kreativ wird es, wenn Hobby‑Jäger von «notwendiger Bestandesregulierung» sprechen, als ob die meisten Tierarten seit Jahrmillionen nur darauf gewartet hätten, dass endlich ein Mensch mit Prüfungsattest und Leuchtweste auftaucht. Die Natur hat ihr eigenes Regulierungssystem: Nahrung, Raum, Klima, Krankheiten und andere Beutegreifer. Aber dieses System hat einen Nachteil: Es verteilt keine Jagdpachten und verleiht keine Orden fürs Abdrücken.
Also erklärt man kurzerhand sich selbst zur «unverzichtbaren Regulierungsmassnahme», obwohl viele Populationen sich ganz ohne Kugelhagel auf einem durch Lebensraum und Ressourcen bestimmten Niveau einpendeln. Praktisch: Erst werden Lebensräume zerschnitten, Wildtiere gestört und gefüttert, dann verkauft man die selbst erzeugten Probleme als «Auftrag». Wer darauf hinweist, dass die meisten Tierarten gar keine Hobby‑Verwaltung mit Gewehr brauchen, gilt in diesem Paralleluniversum nicht als aufgeklärt, sondern als naiv.






