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Tierwelt

Ukraine: «Tier-Evakuierung» als Zielscheibe

Ein russischer FPV-Drohnenangriff trifft einen Rettungswagen für Tiere in der Oblast Donezk. Ein Hund wird schwer verletzt. Und plötzlich steht eine Frage im Raum, die auch weit weg von der Front unbequem ist: Wie viel «Gewalt gegen Leben» akzeptieren wir, bevor sie uns als normal erscheint?

Redaktion Wild beim Wild — 13. Dezember 2025

Auf der Karosserie steht in grossen Buchstaben «animal evacuation».

Es ist kein Militärfahrzeug, kein Transporter für Munition, kein gepanzerter Konvoi. Es ist ein Rettungswagen für Tiere. Und trotzdem wird er getroffen. Nach Angaben der ukrainischen Tierrechts- und Rettungsorganisation UAnimals schlug am Freitag eine russische Drohne in eines ihrer Evakuationsfahrzeuge ein. Im Innern: zwei Helfer, zwei Tiere. Alle überleben, doch ein Hund erleidet schwere Verletzungen und muss später tierärztlich untersucht werden.

Was nach einem «Randereignis» klingt, ist in Wahrheit ein Brennglas auf den Charakter moderner Kriegsführung. UAnimals berichtet, die Drohnenangriffe hätten in der Gegend stundenlang angehalten. Das Team habe sich mit den Tieren in einen nahegelegenen Hof retten müssen, während Drohnen über ihnen kreisten. Erst als Bewegung wieder möglich war, gelang der Abtransport, demnach unter militärischer Eskorte.

UAnimals ist in der Ukraine seit Jahren aktiv. Seit Beginn der russischen Vollinvasion 2022 hat sich der Einsatz dramatisch verschärft: Tiere bleiben zurück, werden verschüttet, verletzt, ausgesetzt, weil Menschen fliehen müssen oder sterben. Die Organisation spricht von wöchentlichen Evakuationsfahrten in Hochrisikogebieten, inklusive Schutzkleidung und medizinischer Vorbereitung. Sie gibt an, seit 2022 mehr als 9’000 Tiere gerettet zu haben.

Besonders bitter: Es ist laut UAnimals bereits der zweite direkte Treffer gegen eines ihrer Evakuationsfahrzeuge in diesem Jahr. Schon im Februar sei ein Rettungswagen bei einem Einsatz nahe der Front durch einen Drohnenangriff beschädigt worden.

Wenn «Zivil» nicht mehr schützt

FPV-Drohnen sind billig, präzise, allgegenwärtig. Ihr psychologischer Effekt ist enorm: das permanente Summen, die Ungewissheit, ob man beobachtet wird, die Möglichkeit, dass ein einzelner Operator aus sicherer Entfernung entscheidet, wer oder was «dran» ist. Der Angriff auf ein deutlich gekennzeichnetes Tier-Evakuationsfahrzeug zeigt, wie leicht die Trennlinie zwischen militärisch und zivil verwischt, oder bewusst verwischt wird.

Jagdkritische Perspektive: Die Gewöhnung an Gewalt ist nie „nur Tradition“

Hier beginnt der Teil, der für jagdkritische Öffentlichkeit relevant ist, auch wenn die Front tausende Kilometer entfernt liegt.

Krieg ist die extreme Form organisierter Gewalt. Aber er fällt nicht vom Himmel. Gesellschaften gewöhnen sich an bestimmte Bilder und Sprachmuster: «Schaden», «Bestand», «Problem», «Störung». Wer Lebewesen regelmässig in Kategorien von «nützlich» und «überflüssig» einsortiert, wer das Töten als Freizeitpraxis ästhetisiert, oder es als «saubere Lösung» verkauft, senkt die Hemmschwelle, Leben als Objekt zu behandeln. Nicht, weil Hobby-Jäger automatisch zu Kriegsverbrechern würden. Sondern weil kulturelle Normalisierung wirkt: Sie trainiert Blick und Sprache.

Der brennende Transporter mit der Aufschrift «animal evacuation» ist deshalb mehr als ein Kriegsbild. Er ist ein Test, ob wir Mitgefühl nur dann für selbstverständlich halten, wenn es bequem ist. Ein Hund, der in einem Rettungswagen schwer verletzt wird, ist keine Fussnote. Es ist ein moralisches Minimum: Wer Rettung trifft, trifft das Prinzip, dass Schutz für die Schwächsten gilt.

Und genau da wird Jagdkritik politisch: Sie fragt, ob wir wirklich in einer Kultur leben wollen, in der das Töten von Tieren «normal» ist, solange es legal ist und nach Regeln abläuft. Denn wenn Gewalt gegen Leben als Normalform eingeübt wird, dann fehlt uns im Ernstfall die innere Sprache für Empörung. Dann wird aus dem Skandal ein Schulterzucken.

UAnimals bittet nach dem Angriff um Unterstützung, um Evakuationen fortsetzen zu können. Man kann das als humanitäre Notwendigkeit sehen. Man kann es auch als Erinnerung lesen, dass Mitgefühl nicht an der Artgrenze endet.

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