Wolfs-Angriffe gehen in Brandenburg stark zurück
944 Schafe und Ziegen rissen Wölfe 2024 in Brandenburg/Deutschland. Das sind 337 weniger als im Vorjahr.
Damit hatte niemand gerechnet: Erstmals seit der Rückkehr der Wölfe gehen die Angriffe auf Weidetiere zurück – und zwar kräftig.
Hat sich die geplante Wolfsjagd damit erledigt?
Die neuen Zahlen überraschen: 944 Schafe und Ziegen wurden 2024 in Brandenburg von Wölfen gerissen – nach 1281 im Jahr zuvor. Ein Rückgang um 26 %. Das erklärte das Landwirtschafts- und Umweltministerium auf eine Anfrage der AfD. Bisher war die Zahl der Wolfsrisse jedes Jahr angestiegen. Brandenburg ist Europas Wolfsland Nummer eins.
Grund der erfreulichen Entwicklung: immer mehr Weidetierhalter setzen auf Wolfszäune und Herdenschutzhunde – beides vom Land finanziert. Bei 91 % der Wolfsrisse seit 2019 fehlte der empfohlene Herdenschutz. Betroffen waren vorwiegend Hobby-Tierhalter. Profi-Züchter und Wanderschäfer schützen ihre Tiere meist fachgerecht.
58 Wolfsrudel leben in Brandenburg – mehr als in jedem anderen Land
Nach stärker gingen Wolfs-Angriffe auf Rinderkälber (- 39 Prozent) und Gehege-Wild (- 44 %) zurück. Esel- und Pferdefohlen wurden 2024 gar nicht mehr attackiert (Vorjahr: 8). Die meisten Wolfs-Übergriffe gab es laut Ministerium im Spree-Neisse-Kreis (51) und in der Uckermark (36). In den Stadtgebieten von Potsdam und Brandenburg/Havel keinen einzigen.
Dennoch hält Brandenburgs Landesregierung an ihren Wolfs-Abschussplänen fest. Noch im Juni sollen die bisher streng geschützten Tiere per Gesetz zum jagdbaren Wild erklärt werden. Auf neue Regelungen der Bundesregierung will der Landes-Jagdbeirat nicht warten.
Umwelt-Staatssekretär und Jagd-Lobbyist Gregor Beyer (parteilos, früher FDP) treibt die Jagdpläne voran – mit Fantasie-Zahlen. Mit angeblich 5’000 Wölfen in Deutschland verbreitet Beyer öffentlich Angst. Tatsächlich sind es nur 1’600 Tiere bundesweit, davon 58 Rudel, acht Paare und 210 Welpen im Wolfsland Brandenburg.
„Die gesunkenen Risszahlen zeigen, dass der Herdenschutz viel wichtiger ist als die Jagd auf Wölfe“, sagt Carsten Preuss, Chef des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Er fordert, „dass weitere Mittel für Präventions- und Schadensersatzleistungen schnell und unbürokratisch fliesst und die Herdenschutzberatung stetig ausgebaut wird.“
In Brandenburg hat die zunehmende Anzahl an Wölfen zu einem Rückgang der Hirschpopulation, insbesondere von Rot- und Damwild, geführt, was dem Wald und Ökosystem zugutekommt. Hobby-Jäger in Oder-Spree schossen 2024/25 nur 128 Rothirsche; früher waren es 800.
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