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Kriminalität & Jagd

Füchse wegen der Jagd in permanenter Todesangst

Am 24. April hat PETA Anzeige beim Veterinäramt des Unstrut-Hainich-Kreises erstattet und gefordert, die Schliefenanlage in Bad Langensalza zu schliessen.

Redaktion Wild beim Wild — 29. April 2025

Ein Whistleblower hatte der Tierrechtsorganisation Bildmaterial und Informationen zu der Einrichtung übermittelt.

Das Gelände besteht aus einem kleinen Fuchsgehege und unterirdischen Fuchsgängen, in denen Hunde für die Jagd in Fuchs- und Dachsbauten abgerichtet werden. Fuchs und Hund sind dabei nur durch einen Schieber voneinander getrennt. Der Fuchs weiss nicht, dass ihn der Hund nicht erreichen kann – bei jeder „Trainingseinheit“ leidet er unter massiver Todesangst. Ein Gehege für eine solche Fuchshaltung muss laut Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums eine Grösse von mindestens 80 Quadratmetern aufweisen. Aufgrund der Gelegegrösse und des leidvollen „Trainings“ stuft PETA die Haltungsbedingungen für den Fuchs in Bad Langensalza als mangelhaft ein.

Schliefenanlagen sind an Grausamkeit kaum zu überbieten, sie sind nichts anderes als Folteranlagen für Füchse. Es ist bezeichnend für Jäger und ihr blutrünstiges ‚Hobby‘, die Tiere ohne Mitgefühl unvorstellbarer Todesangst auszusetzen, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. Mit der Anzeige wollen wir die Grausamkeiten, die sonst im Verborgenen stattfinden, ans Licht der Öffentlichkeit bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

So grausam sind Schliefenanlagen

In Deutschland existieren noch immer rund 100 bis 150 dieser Einrichtungen, einige davon in Thüringen. PETA wandte sich Ende August 2024 an die damalige Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskij, und forderte die Schliessung aller Anlagen im Bundesland. Anlass war ein von der Tierrechtsorganisation veröffentlichtes Video aus einer Schliefenanlage in Lemgo. Es zeigt, wie eine darin eingesperrte Füchsin immer wieder panisch und unter Todesangst zusammenzuckt. In der Regel werden die „Jagdhunde“ mehrmals pro Woche in die künstlichen Tunnel geschickt und auf den darin eingesperrten Fuchs gehetzt.

Ein von Bäumen umgebenes Gelände mit einem aufgestellten Holzunterstand und Zäunen. Im Hintergrund ist eine Struktur sichtbar, möglicherweise eine Anlage für Tiere.
Die Anlage besteht aus einem Fuchsgehege und künstlichen unterirdischen Fuchsgängen. / © PETA Deutschland e.V.

Kritik an Schliefenanlagen wächst

Durch Dutzende PETA-Strafanzeigen kontrollierten Veterinärbehörden in den vergangenen drei Jahren erstmals viele dieser Anlagen. Die vorgefundenen Zustände waren teils so schlecht, dass Füchse gerettet, Anlagen geschlossen oder zumindest Auflagen erteilt wurden. Daraufhin erstellte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 2022 für die bayerischen Veterinärämter „Tierschutzmindestanforderungen für das Betreiben von Schliefanlagen“.

Autorinnen der vorgenannten Mindestanforderungen sprachen sich in einem Fachartikel im Magazin der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. für ein Ende von Schliefenanlagen und der Baujagd aus. In der renommierten juristischen Fachpublikation „Agrar- und Umweltrecht“ erschien 2023 ein Beitrag, in dem der Autor die Strafbarkeit der Betreiber herausarbeitet.

Dossiers: Fuchs in der Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby | Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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