2. April 2026, 16:24

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Jagdgesetz

Solothurner Regierung verteidigt Tierquälerei

Im Kanton Solothurn hat der Regierungsrat eine historische Chance verpasst. Statt die grausame Treibjagd endlich zu verbieten, hält er an dieser blutigen Tradition fest und liefert fadenscheinige Argumente für die Fortsetzung von Tierleid im Namen der „Bestandsregulierung“.

Redaktion Wild beim Wild — 30. Oktober 2025

Wer je Zeuge einer Treibjagd wurde, weiss, was sich dabei abspielt: Rehe, Wildschweine und andere Wildtiere stürzen in Todesangst aus den Einständen, hetzen kopflos über Strassen und Felder, oft bis zur völligen Erschöpfung.

Immer wieder kommt es zu Fehlschüssen, Verletzungen und qualvollem Verenden. Auch nicht jagdbare Arten werden in den Strudel der Panik gerissen. Das ist kein „Management“, das ist organisierte Tierquälerei. Rund 55 % der jährlich erlegten Rehe im Kanton stammen aus Bewegungsjagden.

In ihrer Stellungnahme vom 21.10.2025 schreibt die Regierung: „Bewegungsjagden stellen eine sinnvolle und effiziente Methode dar, um die Bestände zu regulieren.“ Effizient? Ja, wenn es darum geht, möglichst viele Tiere in kürzester Zeit zu töten. Aber Effizienz ist kein moralischer Freipass. Tierleid bleibt Tierleid, egal, wie „praktisch“ es für die Hobby-Jäger ist.

Besonders zynisch: «Bewegungsjagden sind keine Hetzjagden. Die Hetzjagd wird in der Schweiz nicht praktiziert.“ Eine absurde Spitzfindigkeit. Ob Hunde ein Tier stundenlang hetzen oder es im Chaos einer Treibjagd in Panik treiben, das Leid ist dasselbe: Stress, Angst, Verletzungen, Todesqualen. Alles andere ist Augenwischerei. Treibjagden produzieren auch immer wieder gefährliche Verkehrsunfälle. Das Statement der Regierung «Bewegungsjagden gelten als effizient und wildschonend», ist an Absurdität nicht zu überbieten. Auch der Schweizer Tierschutz (STS) lehnt die Treibjagd oder Baujagd ab, weil es eben Tierquälerei ist.

Solothurner Hobby-Jäger hetzen Wildtiere mitten ins Wohnquartier

Am 29. Oktober 2025 kam es im solothurnischen Nunningen während einer Treibjagd zu einem Vorfall, bei dem mehrere Rehe in Panik durch einen steilen Abhang bis in die örtlichen Wohnquartiere getrieben wurden. Videoaufnahmen belegen, wie die verängstigten Tiere auf ihrer minutenlangen Flucht wichtige Energiereserven aufbrauchten, Reserven, die sie für den bevorstehenden Winter dringend benötigen.

Dieser Vorfall zeigt einmal mehr: Die sogenannte Hobbyjagd hat nichts mit Tier- oder Naturschutz zu tun. Sie bedeutet vielmehr, dass Tiere unnötigem Stress, Leid und Tod ausgesetzt werden, einzig um menschliche Jagdlust zu befriedigen.

HUNT WATCH fordert daher mit Nachdruck:

  • Ein sofortiges Verbot der Jagd
  • Einen konsequenten Ausbau von tierschutzgerechten Alternativen zum Wildtiermanagement
  • Eine offene gesellschaftliche Diskussion über die ethische Verantwortung gegenüber Wildtieren

Nur so kann ein wirksamer und respektvoller Schutz von Wildtieren gewährleistet werden.

Natur braucht keine Hobby-Jäger

Die Regierung begründet ihre Ablehnung mit der angeblichen Notwendigkeit der Regulierung: Ohne Treibjagd sei die „wirksame Steuerung der Wildbestände“ nicht mehr möglich. Doch immer mehr wissenschaftliche Studien und Fallbeispiele (zahlreiche Kantone kommen ohne Treibjagd aus) beweisen das Gegenteil: Ökosysteme regulieren sich weitgehend selbst, wenn der Hobby-Jäger sie nicht stört. Wälder und Wildbestände kommen ohne menschliche „Korrektur“ besser ins Gleichgewicht als mit Kugeln und Schrot. In Gebieten ohne Hobby-Jagd zeigt sich: Die Natur mit den Wäldern ist stärker, gesünder und friedlicher, wenn man sie in Ruhe lässt.

Mit der Ablehnung des Volksauftrags hat der Kanton Solothurn klar Stellung bezogen, gegen das Tierwohl, gegen den gesellschaftlichen Fortschritt und gegen eine zukunftsfähige Wildtierpolitik. Statt mutig neue Wege zu gehen, verkrampft sich die Regierung am Jägerlobbyismus und verteidigt ein Relikt aus barbarischen Zeiten.

Doch die Jagdkritik wird lauter. Immer mehr Menschen sehen Treibjagden als das, was sie sind: brutale Spektakel, die in keiner modernen Gesellschaft mehr Platz haben. Solothurn mag die Abschaffung verweigern, die öffentliche Meinung wird sich davon nicht aufhalten lassen. Der Druck auf Politik und Hobby-Jagdlobby wächst.

Politiker und Hobby-Jäger mögen Macht und sind oftmals eine Quelle von Korruption und Gier. – IG Wild beim Wild

Fehlschüsse – die unsichtbare Tragödie

Treibjagden bedeuten nicht nur Stress und Panik für Wildtiere. Sie sind auch berüchtigt für die hohe Zahl an Fehlschüssen. In der Hektik, wenn Dutzende Tiere gleichzeitig durch das Schussfeld stürmen, sinkt die Treffsicherheit massiv. Die Folge: Zahlreiche Tiere werden nicht sofort getötet, sondern schwer verletzt und schleppen sich mit gebrochenen Läufen, durchschossenen Körpern oder inneren Verletzungen qualvoll davon. Viele dieser Tiere verenden erst Stunden oder Tage später im Wald, langsam, still und für die Hobby-Jäger unsichtbar.

Ein solches Szenario ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel bei Treibjagden. Jedes Jahr produzieren sie enormes Tierleid, das sich kaum kontrollieren oder rechtfertigen lässt. Gerade weil die Regierung selbst auf „Effizienz“ pocht, nimmt sie billigend in Kauf, dass ein erheblicher Teil der Tiere grausam stirbt, statt sofort getötet zu werden.

Wildfleisch – kein „ehrliches“ Naturprodukt

Hobby-Jäger preisen ihr Fleisch gerne als „ehrlich“ und „rein“ an, welches sie der Bevölkerung unterjubeln. Doch bei genauerem Hinsehen bleibt davon nichts übrig. „Ehrliches oder gesundes Fleisch“ der Hobby-Jäger ist ein Mythos.

Wildfleisch ist kein sauberes Naturprodukt. Es ist oft belastet mit Schwermetallen, Parasiten, Bakterien und den Rückständen der Munition. Hinzu kommt: Dieses Fleisch stammt von Tieren, die unter Panik, Angst und Qual getötet wurden.

Im Todeskampf schütten die Tiere Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, die den gesamten Organismus überschwemmen. Das macht das Fleisch zäh, belastet es und ist weit entfernt von jeder romantischen Vorstellung einer „natürlichen Delikatesse“. Ein gehetztes Reh ist kein Gesundheitsprodukt, es ist das Resultat von Angst, Trauma und Gewalt.

Wie ehrlich ist ein Produkt, das auf Leid und Blut basiert? Wenn Hobby-Jäger behaupten, ihr Fleisch sei „ehrlich“, entlarven sie vor allem sich selbst. Ehrlich wäre es, klar zu sagen: Dieses Fleisch stammt von einem Tier, das gehetzt, angeschossen und unter Todesqualen verendet ist.

Wer wirklich gesund und nachhaltig leben will, sollte weder Jagdfleisch noch Fleisch aus Massentierhaltung konsumieren. Denn das Ergebnis ist immer dasselbe: Tierleid auf dem Teller. Im Schlachthof wird getötet, im Wald unhygienisch und brutal. Bei Hobby-Jägern kommt noch hinzu, dass sie Aas verwerten.

Mehrwert:

Quellen:

JahrAutor:innenArt / ThemaJagdmethode / KontextZentrale ErgebnisseRelevanz für Argumentation
1998Mason et al.RotwildTreibjagd / VerfolgungCortisolspiegel bis zu 70-fach erhöht; massive physiologische BelastungStarker Beleg, dass Treibjagd extreme Stressreaktionen erzeugt
2018Gentsch et al.Huftiere (verschiedene Arten)Trauma-Situationen inkl. Bewegungsjagden („battues“)Cortisolwerte deutlich höher bei „battues“ und Jagden mit Hunden als bei EinzelabschüssenDirekt relevant: Bewegungsjagden verursachen höchste Stresswerte
2020Vilela et al.RotwildJagd allgemeinJagdaktivität führt zu nachweisbaren Stressreaktionen (Cortisol, Herzfrequenz)Belegt generellen Jagdstress, messbar physiologisch
2023Dziki-Michalska et al.RehePirschjagd („stalking“)Signifikant erhöhte Cortisolwerte, alters- und geschlechtsabhängigBeleg: selbst stille Jagd ist Stressor – Bewegungsjagd entsprechend schlimmer
2024Dziki-Michalska et al.RotwildPirschjagdHohe Cortisolwerte korrelierten mit schlechterem Fleischzustand und KörpergewichtUnterstützt Kritik an „ehrlichem Wildfleisch“
2025Bíl et al.Europa (inkl. CH)Verkehrsunfälle mit WildÜbersicht: rechtliche Folgen & Unfallzahlen in EuropaRelevanz: Bewegungsjagden erhöhen Risiko für Wildunfälle
2023[CH-Studie, anonymisiert in open access]SchweizWildlife-vehicle collisionsIdentifiziert Hotspots von Wildunfällen im Schweizer StraßennetzArgumentationshilfe: Treibjagden treiben Wild in riskante Verkehrsräume
2019Wild bei Wild (Statistik)SchweizJagdunfälleStatistik zu Jagd- und Wildunfällen in CHZeigt Risiko für Mensch & Tier bei Treibjagden
2005von Borell et al.WildschweineFang & TötungDeutlich erhöhte Stressparameter (Cortisol, Laktat)Belegt physiologischen Stress bei Wildschweinen
2011Broom & JohnsonReview: Welfare of hunted animalsVerschiedene JagdformenJagd verursacht regelmässig Angst, Stress, Verletzungen und verlängertes LeidenGrundsatzquelle zur ethischen Einordnung

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