Tierwelt

Özdemir will private Haltung exotischer Tiere verbieten

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Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir will die Haltung bestimmter Tierarten verbieten.

„Warum braucht jemand etwa anspruchsvoll zu haltende, exotische Tiere wie Schlangen oder ein Chamäleon zu Hause? Das habe ich nie verstanden“, sagte der Grünen-Politiker.

Özdemir kann sich „eine Positivliste vorstellen, also eine Auflistung mit Tieren, deren Haltung erlaubt ist“. Dafür setze er sich auf EU-Ebene ein. Özdemir begründete seinen Vorstoss damit, dass die Tierheime mit Problemen konfrontiert seien, die man sich als Aussenstehender gar nicht vorstellen könne. „Manche Menschen legen sich Tiere zu, die aus meiner Sicht in privaten Haushalten nichts zu suchen haben“, sagte Özdemir. Die Heime würden diese Tiere dann nicht los, sie erzeugten aber hohe Kosten und Aufwand. „Als Koalition sollten wir gemeinsam nach Lösungen suchen“, so der Landwirtschaftsminister.

„Exotische Wildtiere gehören in der Regel in die Wildnis, nicht in die eigenen vier Wände“, sagte der Bundeslandwirtschaftsminister. „Das ist für mich eine Frage des Arten- und Tierschutzes, aber auch der Gesundheit für Mensch und Tier.“ Der Grünen-Politiker finde es richtig, dass auf europäischer Ebene jetzt geeignete Massnahmen geprüft werden, die in allen Mitgliedstaaten einheitliche Regeln vorgeben. „Eine europäische Positiv-Liste – wie schon in manchen Ländern Standard – kann hier helfen“, so Özdemir.

Es wird geschätzt, dass in Europa mehr als 100 Millionen Tiere, die nicht Hunde oder Katzen sind, privat gehalten werden – darunter kleine Säugetiere, Vögel, Reptilien, Fische und Amphibien. „Viele dieser Arten wurden in der freien Wildbahn gefangen, wodurch die natürlichen Populationen dezimiert werden und die Artenvielfalt verloren geht“, heisst es.

Der von den vier Mitgliedstaaten gewünschte Katalog würde eine „begrenzte Anzahl von Tierarten“ aufzählen, die von Privatpersonen als Haustiere gehalten werden dürften. So würde man „Besitzern und Behörden Klarheit verschaffen“. Der Verkauf und die Haltung von Tierarten, die nicht auf der Liste stünden, wären automatisch in der EU verboten.

Unterstützung für seinen Vorstoss erhält Özdemir vom Deutschen Tierschutzbund. „Statt einer langen Verbotsliste würde eine solche Positivliste nur die Tierarten aufführen, die auch tatsächlich bedenkenlos gehalten werden können“, sagte die Sprecherin Hester Pommerening. Aus Sicht der Tierschützer sollten auf einer solchen Positivliste in erster Linie domestizierte Tierarten stehen, die über hunderte oder sogar tausende Generationen hinweg gezüchtet und genetisch an das Leben mit dem Menschen angepasst wurden. „Wildtiere hingegen sollten aus Tierschutzsicht grundsätzlich nicht in Privathaushalten gehalten werden“, so Pommerening.

Kritik an der Idee kommt vom Verband der Zoologischen Gärten (VdZ). „Positivlisten können bewirken, dass in Zukunft eine größere Anzahl an Tieren illegal erworben wird und im Verborgenen ohne ausreichende veterinärmedizinische Versorgung leben muss“, sagte VdZ-Geschäftsführer Volker Homes.

Dadurch werde die Aufgabe, diese Personen zu erreichen und bei der Haltung zu unterstützen, nicht einfacher.