Katzen an der Leine: Sinnvoller Trend oder Tierquälerei?
Immer mehr Katzenhalter in der Schweiz fragen sich, ob sie ihre Stubentiger an der Leine führen sollen. Was bei Hunden selbstverständlich ist, wirkt bei Katzen oft befremdlich. Doch in einer Zeit, in der Wohnraum dichter und der Verkehr gefährlicher wird, suchen viele nach Lösungen, um ihre Samtpfoten sicher nach draussen zu lassen.
Zudem gibt es ein im Gesetz festgeschriebenes Recht, dass verwilderte und streunende Hauskatzen ganzjährig gejagt werden dürfen.
Das heisst: Rechtlich gesehen ist es so, dass Hobby-Jäger Katzen töten. Gleichzeitig wird berichtet, dass viele solcher Tötungen im Verborgenen passieren und selten dokumentiert werden. So würden streunende Katzen oft vergiftet, erschlagen oder ertränkt. Dies geschehe «im Verborgenen».
Es gibt keine offiziellen Statistiken, die erfassen, wie viele Katzen pro Jahr genau von Hobby-Jägern auf der Hobby-Jagd erschossen werden. Der Begriff «verwilderte Katzen» ist rechtlich und praktisch oft auch schwammig, was die Erfassung erschwert.
Es gibt Schätzungen, dass in der Schweiz rund 100’000 Katzen pro Jahr insgesamt getötet werden. Tierschutz- und Naturschutzorganisationen berichten von einer hohen Dunkelziffer und davon, dass viele Tötungen nicht systematisch dokumentiert oder gemeldet werden, deswegen fehlen verlässliche Zahlen pro Tätergruppe (Hobby-Jäger vs. andere Ursachen).
Ein wachsender Trend
Vor allem in Städten wie Zürich, Basel und Genf sieht man es inzwischen häufiger: Katzen, die an Geschirr und Leine über den Rasen schlendern. In sozialen Netzwerken teilen Haltende Videos, in denen Katzen scheinbar entspannt spazieren gehen. Tierärztinnen und Tierärzte berichten, dass besonders Haltende von Wohnungskatzen diesen Trend ausprobieren, um ihren Tieren kontrollierte Ausflüge zu ermöglichen.
Chancen: Sicherheit und Abwechslung
Befürwortende argumentieren, dass ein Leinengang für Katzen eine sichere Möglichkeit ist, frische Luft und neue Eindrücke zu erleben, ohne dass sie Gefahr laufen, unter ein Auto zu geraten oder in Konflikt mit anderen Tieren oder Hobby-Jägern zu kommen. Gerade für Wohnungskatzen kann kontrollierter Freigang eine willkommene Abwechslung sein, die Stress abbaut und Langeweile vorbeugt.
Wenn Katzen von klein auf an Geschirr und Leine gewöhnt werden, kann das eine vielversprechende Möglichkeit sein, ihr Leben zu bereichern. Wichtig sei, mit Geduld zu üben und das Tier nicht zu zwingen.
Risiken: Stress und eingeschränkte Bewegungsfreiheit
Kritisierende halten dagegen, dass Katzen keine Hunde sind. Sie bewegen sich lieber selbstbestimmt, erkunden Reviere, klettern, springen. Eine Leine kann das natürliche Verhalten stark einschränken. Ausserdem reagieren viele Katzen gestresst auf das Geschirr und auf ungewohnte Geräusche draussen. Das kann im schlimmsten Fall zu Panik und Verletzungen führen.
Tierschutzorganisationen warnen daher davor, Katzen nur dann an die Leine zu gewöhnen, wenn sie von klein auf daran gewöhnt werden und wenn das Tier von sich aus kooperativ ist.
Tipps für den Leinengang
- Früh üben: Katzen im Kittenalter gewöhnen sich leichter an Geschirr und Leine.
- Nur spezielles Katzengeschirr verwenden, das gut sitzt und nicht einschnürt.
- Kurz und positiv: Anfangs nur wenige Minuten, viele Leckerlis, ruhige Umgebung.
- Freier Wille: Die Katze entscheidet, ob sie mitmacht. Zwang führt zu Stress.
- Sichere Orte wählen: Keine stark befahrenen Strassen, sondern ruhige Parks oder Gärten.
Wann ein Leinengang sinnvoll sein kann
- Die Katze es freiwillig akzeptiert,
- sie langsam und geduldig trainiert wird,
- und Haltende auf Sicherheit und Wohlbefinden achten.
Für Katzen, die nie an Geschirr und Leine gewöhnt wurden oder sehr ängstlich sind, ist der Versuch hingegen meist stressig und kontraproduktiv. In solchen Fällen können gesicherte Balkone, Katzennetze und Freigehege eine tierfreundliche Alternative bieten.
HOBBY-JÄGER-RADAR
Auf der Spur versteckter Tierschutzvergehen, Wilderei und/oder Kriminalität? Melden Sie uns Verdachtsfälle! Helfen Sie beim grossen Hobby-Jäger-Radar.

Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →