5. April 2026, 07:36

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Tierwelt

Innovative Ansätze zur Taubenpopulation in Schweizer Städten

Die Regierung in Basel startet 2026 einen Versuch, die Taubenpopulation in der Stadt zu reduzieren. Zu diesem Zweck werden drei Taubenschläge reaktiviert.

Redaktion Wild beim Wild — 9. Juni 2025

Im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts sollen drei bestehende Taubenschläge bei der Primarschule Thierstein, am Gymnasium Leonhard und beim Schulhaus Wettstein in Basel wieder in Betrieb genommen werden.

Dies teilte die Basler Regierung mit. Ziel des Pilotprojekts sei es, die Problematik mit Stadttauben zu minimieren.

Die Kosten für das dreijährige Pilotprojekt belaufen sich gemäss Mitteilung auf 520’000 Franken. Der Start des Pilotprojekts soll ab 2026 möglich sein.

Keine Einrichtung von Schlägen

Nichts wissen will die Regierung von der in einer Initiative geforderten flächendeckenden Einrichtung von Schlägen. Diese würden jährlich bis zu 2 Millionen Franken kosten, ohne dass deren Wirkung auf den Gesundheitszustand der Tauben und die Populationsgrösse bekannt wäre, hiess es. Der Abstimmungstermin für die Initiative ist im Mai 2026.

Die im April 2024 eingereichte Initiative «Neues Stadttaubenkonzept» fordert die Halbierung der städtischen Taubenpopulation auf etwa 3000 bis 4000 Tauben. Dies soll unter anderem mit der Eröffnung von mindestens einem Taubenschlag pro Quartier geschehen, in dem die Tiere gefüttert werden.

Zürich

In der Stadt Zürich gilt seit Januar 2023 derweil ein Fütterungsverbot für Tauben. Doch es hat das Gegenteil gebracht. «Seit Inkrafttreten des Fütterungsverbots wird erheblich mehr gefüttert als zuvor», heisst es in der Antwort auf einen Vorstoss. Die Taubenschwärme seien deshalb gewachsen. Wer sich nicht an das Verbot hält, muss mit Bussen von 200 Franken rechnen. Abzuschrecken scheinen diese aber nicht. Organisierte Taubenfütterer streuen trotz Verbot weiter, die Bussen werden untereinander geteilt, berichtet SRF.

Im schlimmsten Fall droht in Zürich der Abschuss. In den vergangenen fünf Jahren wurden im Schnitt rund 1’300 Tauben jährlich erlegt – an «kritischen Orten», namentlich, wenn es an bestimmten Plätzen zu dreckig ist. «Die Stadt Zürich strebt einen kleinen, gesunden Taubenbestand an, da grosse Schwärme zu Problemen führen können. Dabei richtet sich die Stadt nach den geltenden gesetzlichen Vorschriften.» Gleichzeitig läuft ein Monitoring – aus den Erkenntnissen könnten neue Massnahmen diskutiert werden. 

Durch Abschüsse kann jedoch keine langfristigen Bestandsreduktionen erreicht werden. Basel hat im Zeitraum zwischen 1961 und 1985 100’014 Stadttauben durch Abschuss und Fallenfänge getötet, ohne dass die Population nachhaltig zurückgegangen ist. Tötungsaktionen wie Abschüsse oder Fallenfang wurden früher europaweit als Methode zur Regulierung der Stadttaubenpopulation eingesetzt. Es ist jedoch wissenschaftlich erwiesen, dass sie langfristig keine signifikante Reduktion der Bestände bewirken. Die frei werdenden Ressourcen wie Nahrungs- und Brutplatzkapazitäten werden rasch durch Zuwanderung oder erhöhte Natalität der verbleibenden Tiere kompensiert. Ferner ist der Abschuss von Tauben in städtischen Gebieten mit hohem logistischem Aufwand verbunden und erfordert eine spezialisierte Ausrüstung. Aus Sicherheitsgründen und aufgrund tierschutzrechtlicher Bedenken ist diese Methode in der städtischen Bevölkerung heutzutage auch weitestgehend nicht akzeptiert.

Bern

In der Stadt Bern werden die Tauben in acht Taubenschlägen betreut, wo artgemässes Futter, Nistplätze und medizinische Versorgung gesichert sind. Damit es nicht zu viele Tiere gibt, werden die männlichen Tauben mit einem kleinen Eingriff sterilisiert. Die Stadt hat die Verantwortung für die Taubenkontrolle dem Tierpark übertragen.

Die Kosten belaufen sich aktuell auf über 200’000 Franken im Jahr. Der Fokus liegt jedoch auf der Altstadt. Die gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Würden weitere Quartiere dazukommen, wäre es entsprechend teurer. Der Tierpark ist zufrieden mit dem Modell. Es beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist ethisch vertretbar und tierschutzkonform.

Luzern

Mit dem Projekt “Stadttauben Luzern” arbeitet die Stadt seit 2001 daran, das in Luzern weniger, dafür gesündere Tauben leben. Mit Erfolg: Heute leben in Luzern circa 2’500 Tauben, 2001 gab es in der Stadt rund 7’000.

St. Gallen

Der Umgang mit den Tauben lässt in der Stadt St. Gallen Fragen offen. Das zeigen öffentliche Diskussionen in den vergangenen Monaten. Die grüne Stadtparlamentarierin Cornelia Federer hat jetzt einen Vorstoss eingereicht, in dem sie Antworten zum Umgang mit Tauben verlangt. So will sie vor allem wissen, ob der Stadtrat bereit wäre, Taubenschläge einzurichten, um die Population des Federviehs im Lot zu halten und auch Gesundheitsprobleme der Tiere zu erkennen und bekämpfen zu können. Bisher lehnt die Stadtregierung diese seit Jahren immer wieder auftauchende Forderung ab.

Solothurn

Die rund 400 Strassentauben in Solothurn werden im Baseltor, im Dachstock der Jesuitenkirche, im alten Gefängnis in der Vorstadt und im Buristurm in Taubenschlägen betreut. Viele Leute hatten Angst, dass die Tauben zu wenig Futter haben, weil sie niemand mehr in den Strassen füttert. Die wenigsten Menschen verstehen, dass man die Tauben nicht füttern darf. Denn wenn man nicht das geeignete Futter hat, dann kann das den Vogel krank machen. Ausserdem hat es mehr als genug Futter in einer Stadt für die Tiere. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um eine Population zu kontrollieren. Langfristig wirkt aber nur das Minimieren der Nahrungsquellen, laut den Erfahrungen in Solothurn.

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