2. April 2026, 17:36

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Kriminalität & Jagd

Grausame Praktiken der Hobby-Jagd

Am 14. Dezember beobachteten und dokumentierten eine Anwohnerin und ihr Vater in Jagsthausen (Kreis Heilbronn) eine grausame Drückjagd auf ein Wildschwein.

Redaktion Wild beim Wild — 1. Februar 2025

Laut der Zeugin flüchtete das Tier nach einem Schuss zunächst auf einen Acker, wo es über einen Zeitraum von etwa 25 Minuten von drei «Jagdhunden» immer wieder gebissen wurde und dabei vor Schmerzen schrie.

Die Hunde reagierten der Anwohnerin zufolge nicht auf die Rufe der Jagenden.

Als einer der Hobby-Jäger bei dem verletzten Tier eingetroffen war, stach er laut Meldung mehrfach darauf ein. Als er es wegzog, zappelte das Tier den Angaben zufolge noch immer. In der Zwischenzeit war auch der Vater der Anwohnerin am Tatort eingetroffen und konnte das Geschehen aus nächster Nähe beobachten.

Wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz hat PETA am 22. Januar bei der Staatsanwaltschaft Heilbronn Strafanzeige gegen die beteiligten Jagenden erstattet. Die Tierschutzorganisation dankt ausserdem der Anwohnerin, die sich nur wenige Stunden nach der Tat bei PETA meldete. Die Frau selbst hatte ihren eigenen Angaben zufolge die Hobby-Jäger bereits kurz nach dem Vorfall angezeigt. Ein weiterer Fall von Kriminalität im Umfeld der Hobby-Jagd.

Die Wälder, in denen die Hobby-Jagd stattgefunden hatte, gehören Hans-Sigmund Freiherr von Berlichingen.

«Die Aufnahmen zeigen leider typische Grausamkeiten bei der Hobby-Jagd, die uns immer wieder gemeldet werden und die meist versteckt im Wald stattfinden. Wir hoffen, dass die Behörden in diesem Fall harte, abschreckende Strafen verhängen», so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. «Die gesamte Jagdausübung dient der Bespassung blutrünstiger Freizeitjägerinnen und -jäger und ist durchtränkt von legalen und illegalen Grausamkeiten. Nur ein gesetzliches Verbot der Hobby-Jagd kann die Tiere wirklich schützen.»

Videoaufnahme zeigt keinen Einzelfall

Obwohl das Hetzen von Tieren auf ein anderes Tier in Deutschland verboten ist, kommt es immer wieder zu Szenen wie diesen. Zahlreiche Whistleblower-Fälle zeigen, dass abseits der öffentlichen und behördlichen Kontrollen im Wald immer wieder Tierquälereien begangen werden – auch aus Mutwilligkeit oder Fahrlässigkeit. Im Dezember 2023 hetzte ein Hobby-Jäger im Rhein-Lahn-Kreis wiederholt einen Hund auf ein verletztes Wildschwein. Im März 2020 trieb ein Hobby-Jäger vermutlich im Landkreis Bad Dürkheim Hunde proaktiv auf ein verletztes Wildschwein. Bei Gelnhausen wurde im November 2019 ein Wildschwein über 10 Minuten von mehreren «Jagdhunden» attackiert, bis der Hobby-Jäger einschritt. Solche Vorfälle dokumentieren das systematische Tierschutzproblem der Hobby-Jagd.

Wildschweintötungen kontraproduktiv und grausam

PETA setzt sich für ein Ende der Hobby-Jagd auf Wildschweine ein. Der derzeit ausgeübte hohe Jagddruck ist kontraproduktiv, da er zum Wachstum der Population führt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewiesen, dass die Geschlechtsreife weiblicher Tiere in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintrifft und die Geburtenrate steigt. Angesichts dessen steigt die Population seit Jahren an. Wildtierbestände regulieren sich selbst über Nahrungsverfügbarkeit, Klima und Krankheiten. Die Hobby-Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Wie Studien belegen, scheitert die Hobby-Jagd als Populationskontrolle. Die Drückjagd auf die Tiere ist zudem ausserordentlich grausam. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben dabei rund zwei Drittel der Wildschweine nicht sofort. Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Innereien flüchten die verängstigten Tiere und sterben oft erst Tage später einen qualvollen Tod.

PETA kritisiert, dass das Töten von Tieren unter dem Deckmantel der Jagdausübung für einen kleinen Teil der Bevölkerung eine «vergnügliche» Freizeitbeschäftigung darstellt. Den mehr als 430’000 Hobby-Jagenden in Deutschland stehen nur etwa 1’000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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