2. April 2026, 15:01

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Bildung

Studie zeigt: Stabile Wolfsrudel reissen weniger

Eine Studie, die längst hätte politische Konsequenzen haben müssen, macht erneut Schlagzeilen – diesmal in der italienischen Presse. Imbert et al. (2016), erschienen in der renommierten Fachzeitschrift Biological Conservation, belegten für Norditalien klar: Streifende Einzelwölfe und instabile Gruppen verursachen weit mehr Nutztierrisse als sesshafte, sozial stabile Rudel. Zehn Jahre später setzen Deutschland, Österreich und die Schweiz noch immer auf Abschüsse, obwohl die Wissenschaft das Gegenteil empfiehlt.

Redaktion Wild beim Wild — 23. Februar 2026

Die Studie untersuchte in Norditalien über mehrere Jahre hinweg, welche Faktoren das Fressverhalten von Wölfen beeinflussen und wann Wölfe auf Nutztiere ausweichen.

Das Ergebnis war eindeutig: Wölfe, die als Disperser unterwegs sind, also ohne festes Rudel und ohne vertrautes Revier, griffen deutlich häufiger auf Schafe und Rinder zurück als Tiere in etablierten Rudelstrukturen. Sesshafte Rudel jagten bevorzugt Wildtiere, kannten ihr Territorium und mieden in der Regel aktiv bewirtschaftete Landwirtschaftsflächen.

Diese Erkenntnis wurde in der Folgeforschung vielfach bestätigt. Eine Studie aus Dänemark und Schleswig-Holstein (Mayer et al., 2022) zeigte, dass Disperser in agrarisch geprägten Gebieten mit geringer Wilddichte den Grossteil aller Nutztierrisse verursachten, während Rudelmitglieder in Schutzgebieten deutlich weniger Schaden anrichteten.

Abschüsse destabilisieren genau jene Strukturen, die schützen

Das ist die entscheidende Ironie der heutigen Wolfspolitik: Wer ein Leittier erlegt oder ein Rudel teilweise entnimmt, zerstört genau jene soziale Stabilität, die Nutztierrisse verhindert. Verbleibende Rudelmitglieder dispersieren, verlieren ihre Revierbindung und werden zu den opportunistischen Einzelgängern, vor denen Imbert et al. bereits 2016 gewarnt haben.

Eine Studie aus Montana, Wyoming und Idaho (Wielgus & Peebles, 2014) zeigte noch deutlicher: Die Zahl der Nutztierrisse stieg im Folgejahr nach Wolfsabschüssen in der Regel an, nicht ab. Erst bei einer Entnahmerate von über 25 Prozent des Bestandes sanken die Schadenszahlen, eine Rate, die biologisch nicht nachhaltig ist und zwingend zur Destabilisierung der Gesamtpopulation führt.

Doch die Politik schiesst weiter

In der Schweiz wurden in der Regulierungsphase 2025/26 insgesamt 89 Wölfe getötet, darunter nach Angaben von Schutzorganisationen zahlreiche Tiere aus sozial funktionierenden Rudeln ohne dokumentierten Schadensnachweis. Trotzdem stieg die Rudelzahl auf 43, weil entnommene Reviere rasch neu besetzt wurden. Das bestätigt: Abschüsse lösen das Problem nicht; sie verschieben es räumlich und zeitlich.

In Niederösterreich trat am 3. Februar 2026 eine Jagdgesetznovelle in Kraft, die den Wolf als jagdbare Art definiert. Im Deutschen Bundestag wurde Ende Januar 2026 über die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz beraten. Beide Vorhaben stützen sich auf politischen Druck, nicht auf wissenschaftliche Evidenz.

Was stattdessen funktioniert

Imbert et al. (2016) benennt auch die Lösung explizit: konsequenter, korrekt angewendeter Herdenschutz. Elektrozäune, Herdenschutzhunde, nächtliche Einpferchung, sie wirken, wie Daten aus dem Graubünden und dem Wallis zeigen, wo die Risse trotz stabiler oder wachsender Wolfspopulationen zurückgingen. Das Lupus-Institut fasst zusammen: Solange ungeschütztes Nutzvieh verfügbar bleibt, werden Wölfe es nehmen, unabhängig davon, ob vorher Abschüsse stattfanden.

Die Studie ist zehn Jahre alt. Ihre Botschaft ist klarer denn je: Stabile Rudel sind kein Problem, das gelöst werden muss. Wer sie destabilisiert, schafft erst die Bedingungen für jene Konflikte, die er vorgibt zu verhindern.

Wolf in der Schweiz: Fakten, Politik und die Grenzen der Jagd · Der Wolf in Europa: Warum die Hobby-Jagd keine Lösung ist · Wolf ins Jagdrecht: Österreich und Deutschland

Redaktioneller Hinweis zur Transparenz: Die Studie von Imbert et al. wurde 2016 in Biological Conservation veröffentlicht und ist keine neue Forschung. Die erneute Aufmerksamkeit in der italienischen Presse (La Stampa, Februar 2026) zeigt jedoch, wie aktuell die Befunde im Kontext der heutigen Wolfspolitik bleiben.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden