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Podcast

Bündner Hochjagd: Mehr Vorfälle und Rücksichtslosigkeit

Während der Hochjagdzeit im Kanton Graubünden sind beim Amt für Jagd und Fischerei auffällig viele Jagdvorfälle gemeldet worden. Die offizielle Bewertung bleibt verhalten, in der Realität offenbaren die Zahlen und Berichte jedoch ein tiefgreifendes Risiko für Mensch, Wild und Natur. Kritische Fragen zur Jagdkultur, Kontrolle und gesetzlicher Durchsetzung drängen sich auf.

Redaktion Wild beim Wild — 21. Januar 2026

Seit Beginn der Hochjagd hat das zuständige Amt eine deutlich höhere Anzahl von Meldungen über Jagdvorfälle der Hobby-Jägerschaft erhalten als in früheren Jahren.

Wer regelmässig Tiere tötet, handelt gewalttätig. Die Hobby-Jagd ist eine institutionalisierte Form von Gewalt.

Dazu zählen nicht nur reguläre Vorfälle, sondern nach Angaben des Amts auch «rücksichtslose Konflikte» unter Hobby-Jägern, bis hin zu Beschädigungen von Hochsitzen, einem zivilen Eigentum, das eigentlich dem Schutz und Beobachten von Wild dienen soll. Die offiziellen Sprecher betonen, dass die Mehrheit der Jagdteilnehmenden sich an die Regeln halte, doch die Häufung solcher Zwischenfälle hinterfragt diese Darstellung. In der Tat ist die Hobby-Jagd das Hobby, bei dem Lüge Programm ist.

Das ist auch nicht gross verwunderlich. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopfe her, und das ist in Graubünden gewaltig. Der Hobby-Jäger-Verbandspräsident selbst bezeichnet die Hobby-Jagd als Krankheit, von der er nicht geheilt werden kann.

Laut dem Amt für Jagd und Fischerei im Kanton Graubünden gibt es jedes Jahr über 1’000 Anzeigen und/oder Bussen gegen Hobby-Jäger nur in dem Kanton, weil sie gegen Jagdgesetze verstossen oder in andere kriminelle Aktivitäten involviert sind.

Solche Meldungen fügen sich ein in eine längerfristige kritische Debatte über die Risiken und Fehleranfälligkeit der Hobby-Jagd. Bereits frühere SRF-Recherchen zeigten, dass auf der Bündner Jagd über Jahre hinweg jeder zehnte Hirsch angeschossen wurde statt sauber erlegt, mit dem Risiko, dass verletzte Tiere entkommen und unnötig leiden. Andere Auswertungen ergaben, dass rund neun Prozent aller Abschüsse während der Hochjagd widerrechtlich sind und mit Bussen belegt werden, ein Indiz für mangelnde Regelakzeptanz und Kontrolle.

Für Wildtierschutzorganisationen werfen diese Entwicklungen zwei grundsätzliche Fragen auf: Erstens die nach der Sicherheit leidender Wildtiere und zweitens die nach der Kompetenz und Motivation vieler Patentjäger. Die steigende Zahl von Vorfällen unterstreicht, dass geltende Vorschriften allein nicht ausreichen, um rücksichtsloses Verhalten und regelwidrige Tötungen zu verhindern.

Aus jagdkritischer Perspektive ist zudem die Diskrepanz zwischen offizieller Darstellung und realen Risiken beunruhigend. Wenn konfliktträchtiges Verhalten und illegale Abschüsse als «Einzelfälle» abgetan werden, verdeckt dies die strukturellen Probleme der Gewaltpraxis in der Schweiz.

Die Hochjagd findet in einem Raum statt, der längst nicht mehr exklusiv der Hobby-Jagd gehört. Wandernde, Familien, Sporttreibende und Einheimische nutzen dieselben Gebiete. Wenn Schüsse nahe von Wegen fallen oder Warnhinweise ignoriert werden, entsteht ein reales Sicherheitsproblem. Der öffentliche Raum wird temporär zu einer Gefahrenzone.

Die Verantwortung dafür liegt nicht bei einzelnen Spaziergängerinnen oder Wandernden, sondern bei einem System, das es zulässt, dass tödliche Gewalt als Freizeitaktivität in unübersichtlichen Situationen ausgeübt wird, ohne ausreichende Kontrolle vor Ort.

Aus Sicht von IG Wild beim Wild ist die wiederkehrende Eskalation während der Hochjagd kein Zufall, sondern die logische Folge eines veralteten Jagdmodells. Hoher Zeitdruck, leistungsorientierte Abschusspläne und ungenügende Eignungsprüfung schaffen ein Umfeld, in dem Regelverstösse wahrscheinlicher werden.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Warum Freude am Töten kein harmloses Freizeitmotiv ist

Menschen, die Freude daran empfinden, Lebewesen zu töten und dafür zu bezahlen, zeigen aus psychologischer Sicht kein normales Freizeitverhalten. Dieses Verhalten widerspricht grundlegenden Mechanismen von Empathie, Mitgefühl und moralischer Hemmung, wie sie beim Grossteil psychisch gesunder Menschen vorhanden sind. Psychologisch handelt es sich um abweichendes Gewaltverhalten, auch wenn es politisch oder kulturell geduldet wird.

Freude am Töten ist ein klassisches Merkmal lustbasierter Gewalt. Der Gewaltakt selbst wirkt belohnend. Nicht das Ergebnis, nicht die Notwendigkeit, sondern das Töten. Das ist kein Randphänomen, sondern in der Gewaltpsychologie klar beschrieben.

Wer die Hobby-Jagd als Freude erlebt, zeigt eine psychologisch problematische Gewaltmotivation, die historisch und strukturell mit autoritären und entwertenden Ideologien verwandt ist.

Grundlagen und Einordnungen sind im Dossier.

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